Stadtlexikon Darmstadt

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Stadtwerbung, Stadtmarketing
Erstes Büro des Verkehrsvereins auf dem Ernst-Ludwigs-Platz, eröffnet 1907, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Im 19. Jahrhundert entdeckte die bürgerliche Gesellschaft in DA die Reize der Natur. Im Sommer strömten die Darmstädter zu den schönsten Zielen der Umgebung von DA – Ludwigshöhe, Kraftsruhe, Marienhöhe, Herrgottsberg, Fasanerie – im Odenwald und an der Bergstraße. Am Karlshof, an den Hirschköpfen, am Heiligen Kreuzberg, in Kranichstein und anderswo entstanden beliebte Ausflugslokale. Dieser Entwicklung trug die Gründung des „Verschönerungsvereins für Darmstadt und Bessungen“ im Jahr 1863 Rechnung, dessen Ziel die Anlage und Verschönerung von Wegen und Plätzen und die Schaffung bzw. Fassung von Brunnen war. Der Verein pflanzte in den folgenden Jahrzehnten viele tausende von Bäumen, legte etliche Kilometer Feld- und Waldwege an, errichtete Schutztempel und stellte Bänke auf (Waldgeschichte, Waldtempel). Die Anlagen und Einfriedungen auf dem Mathildenplatz (1881) und dem Luisenplatz (1882-83) gehen ebenso auf den Verschönerungsverein zurück wie die Kraftsruhe auf dem Steinberg (1880-82; Neuherstellung und bedeutende Erweiterung 1890-94) und die von Bäumen umgebene Felsgruppe zum Andenken an das Dorf Klappach (1863-66). Die umfangreichste und aufwändigste Aktion des Verschönerungsvereins war die Errichtung des Turms auf der Ludwigshöhe im Jahr 1882, ermöglicht durch die Spende von Wilhelm Schwab.

Mit der Zeit überstiegen die Unterhaltungskosten aller Wege und Pflanzungen die finanziellen Ressourcen des Vereins. Die Stadt DA und die Gemeinde Bessungen übernahmen allmählich die innerstädtischen Anlagen in eigene Unterhaltung, und der Verschönerungsverein konzentrierte sich stärker auf die weitere Umgebung, vor allem auf die Errichtung von Ruhebänken und Schutztempeln im Wald. Motiv für die aus privater Initiative heraus erfolgte Vereinsgründung – der damaligen öffentlichen Hand lag jede Form der Öffentlichkeitsarbeit noch fern – war nicht nur die Stadtverschönerung aus ästhetischen Gründen, sondern die Steigerung der Attraktivität für Bewohner und Besucher, vor allem für potenzielle Zuzugswillige; man wollte, modern gesprochen, einen weichen Standortfaktor schaffen.

Die Gründung des Verkehrsvereins

Ein weiteres wichtiges Anliegen, für das sich der Verkehrsverein jahrelang einsetzte, war die Schaffung eines besonderen Auskunftsbüros, mit dem man nicht nur seine Dienstleistungen verbessern, sondern sich auch als Institution dauerhaft präsentieren konnte. Das Auskunftsbüro befand sich seit 1900 in der Elisabethenstraße im Feinkostgeschäft des 1. Vorsitzenden Theodor Stemmer. Nach jahrelangen Bemühungen, vor allem bei der Stadtverwaltung, erhielt der Verein 1907 erstmals ein eigenes Domizil, das „Verkehrsbureau“ in der Wartehalle der Straßenbahn auf dem Ernst-Ludwig-Platz, das Auskunftsstelle und Reisebüro in sich vereinigte. 1930 wurde das Reisebüro aus den beengten Verhältnissen der Wartehalle in die Rheinstraße, 1936 schließlich an den Luisenplatz verlegt. Weitere Themenschwerpunkte der Vereinsarbeit waren die Verbesserung des Straßenbahnverkehrs, vor allem der Bau der Straßenbahn an die Bergstraße, und Reiseerleichterungen im Eisenbahnwesen. Während die Straßenbahn an die Bergstraße erfolgreich auf den Weg gebracht werden konnte (1936 eröffnet), scheiterte in den meisten Fällen die Einflussnahme auf die Verkehrspolitik der Preußischen Eisenbahnbehörden. Nur selten ließen sich Anregungen durchsetzen, ob es nun um die Verbesserung des Tarifsystems, der Zugverbindungen, des Auskunftsangebots oder um die Anpassung der Fahrpläne von Eisenbahn und Straßenbahn ging.

Nicht zu seinen Aufgaben zählte der Verschönerungsverein die Betreuung der im 19. Jahrhundert ebenfalls ansteigenden Zahl von Touristen und die sich überall entwickelnde Fremdenverkehrswerbung. Immer mehr naturbegeisterte Studenten, Maler, aber auch Stadtbürger entdeckten die Reize der Blütengärten, Weinhänge, Fachwerkstädtchen und wildromantischen Burgruinen der Bergstraße ebenso wie die Täler und Wälder des Odenwalds. Die ab 1846 eröffneten Eisenbahnlinien an die Bergstraße und in den Odenwald sowie staatliche Baumaßnahmen zur Verbesserung der Chausseen und verbesserte Reisebedingungen im Postverkehr ließen die Zahl der Reisenden nach 1850 sprunghaft ansteigen. 1879 zählte man 1.210.410 an- oder abreisende Personen an den Darmstädter Bahnhöfen. Die Zahl der Übernachtungen stieg von 53.391 im Jahr 1882 auf 66.399 im Jahr 1886 und 111.000 im Jahr 1902. Die in recht großer Zahl errichteten Hotelneubauten (Hotels) orientierten sich zu den Bahnhöfen hin, wo die weitaus meisten Gäste in DA ankamen. Zur Betreuung der Reisenden und zur allgemeinen Förderung des Fremdenverkehrs gründete sich im Jahr 1880 – und nach zwischenzeitlicher Auflösung 1885 erneut – der „Verkehrsverein für Darmstadt-Bessungen“. Wichtige Ziele waren neben der Hebung der allgemeinen Lage und der Prosperität der Stadt die Fremdenwerbung, die Verbesserung der touristischen Infrastruktur und – damit trat er gewissermaßen in Konkurrenz zum Verschönerungsverein – die Betreuung Niederlassungswilliger.

Das erste Projekt des Verkehrsvereins war im April 1881 die Herausgabe eines Stadtführers. Die ersten seit 1815 erschienenen Darmstädter Stadtführer waren Privatarbeiten der Verfasser, nicht getragen von einem Verein oder der Stadtverwaltung, und stellten eher historisch-topografische Stadtbeschreibungen als Reiseführer dar, die sich eher an die Einwohner DAs als an Fremde richteten. Es fehlten Wegbeschreibungen, Hinweise auf Verkehrsverbindungen, und nur am Rande wurden einige Gasthöfe erwähnt. Dafür enthielten sie durchaus kritische Bemerkungen, bezeichneten Häuser als „verbaut“, „unansehnlich“ und etwa die Stadtkirche als „schmucklos“. Mit der Gründung des Verkehrsvereins wurden die Darmstädter Stadtführer „professioneller“ und waren mehr auf Touristen zugeschnitten. Längere Ausführungen zur Geschichte und Topografie der Stadt wurden gekürzt zugunsten ausführlicher Angaben über Verkehrsverbindungen, Droschkentarife, Dienstmänner, Post- und Telegrafenverbindungen, Gasthöfe und Wirtschaften. Es folgten knappe Ausführungen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, zu Rundgängen und Ausflügen in die Umgebung. Der Stadtführer aus dem Jahr 1881 führte erstmals Hotels nach Kategorien auf und brachte Informationen zu Bettenzahl und Preisen.

Mehr als 20 Stadtführer gab der Verkehrsverein bis 1930 heraus. Hinzu kamen die Mitarbeit an mehreren Darmstadt-Monografien und hessischen Verkehrsbüchern und die deutschlandweite Schaltung von Werbeanzeigen. Am 17.05.1902 erschien im Verlag von Eduard Roether erstmals die „Darmstädter Verkehrszeitung“. Sie lag zweimal wöchentlich kostenlos in Hotels, Gaststätten, Geschäften und Bahnhöfen aus und finanzierte sich durch Anzeigen. Neben Inseraten enthielt das Blatt Veranstaltungskalender und Fahrpläne und besaß zunächst nur einen sehr kleinen redaktionellen Teil, der im Laufe der Zeit jedoch größer wurde. Die Verkehrszeitung berichtete regelmäßig über Veranstaltungen und Aktionen des Verkehrsvereins. Trotz der offensichtlich guten Annahme beim Publikum konnte sich die Zeitung nur einige Jahre halten und stellte ihr Erscheinen im Oktober 1907 ein. Noch erfolgloser blieben eine Neuauflage der „Darmstädter Verkehrszeitung“ im Oktavformat, von der nur zwölf Hefte erschienen, und die 1925 aufgelegte „Darmstädter Woche“, von der nur wenige Hefte bekannt sind.

Prospekt des städtischen Verkehrsamtes, 1936, Stadtarchiv Darmstadt

Die Errichtung des ersten Auskunftsbüros

Auch des Automobil- und Autobustourismus, der seit den 1920er Jahren immer bedeutsamer wurde, nahm sich der Verkehrsverein an, setzte sich für den autogerechten Ausbau von Verkehrswegen ein und unterstützte das 1926 begonnene Projekt der Autostraße Hamburg – Frankfurt – Basel, das im November 1928 in einer Ausstellung im Gewerbemuseum der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Auch den Linienflugverkehr der Lufthansa, der 1926 vom Flughafen Lichtwiese (Flugplätze) aufgenommen wurde, bewarb der Verkehrsverein. Im Auskunftsbüro am Ernst-Ludwig-Platz konnte man Flugreisen von DA um die ganze Welt buchen. Die Stadt DA, die erst um 1930 ein eigenes Verkehrsamt einrichtete, bezuschusste die Arbeit des Vereins, der auch ständiges Mitglied im städtischen Verkehrsausschuss war.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die auch die Fremdenverkehrswerbung und -förderung der staatlichen Lenkung unterwarfen und gleichschalteten, wurden Verkehrsverein und Verschönerungsverein zum „Verkehrs- und Verschönerungsverein“ 1934 zwangsvereinigt. Mit der Eingemeindung Eberstadts wurden 1937 auch der Eberstädter Verkehrsverein und die Interessengemeinschaft Villenkolonie eingegliedert. Den Vorsitz als „Führer des Vereins“ übernahm OB Otto Wamboldt, 2. Vorsitzender und Geschäftsführer wurde Hanns Fischer, Leiter des städtischen Presse- und Verkehrsamts. Fischer, gleichzeitig Gebietsreferent für Odenwald und Bergstraße im Landesverkehrsverband Rhein-Main und später Kreispropagandawalter der NSV (Nationalsozialismus), wurde zur beherrschenden Persönlichkeit in der Fremdenverkehrspolitik für DA, die Bergstraße und den Odenwald. Fischer war auch Herausgeber der seit Juli 1935 erscheinenden „Darmstädter Wochenschau“, einer aufwändig gedruckten und illustrierten Wochen-, später Halbmonatszeitschrift, die Themen des kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Lebens in DA, an der Bergstraße und im Odenwald darstellte. In seiner Vereinstätigkeit wurde der Verkehrs- und Verschönerungsverein auf die Auskunfts- und Dienstleistungstätigkeit in Verkehrsbüro und Reisebüro sowie auf Projekte der Stadtverschönerung beschränkt. Die Mitglieder durften Ruhebänke aufstellen, Wegbezeichnungen anbringen und Schutzhütten errichten sowie Blumenschmuck- und Fotowettbewerbe durchführen. Zur eigentlichen Fremdenverkehrspolitik, zu Themen der Verbesserung von Verkehr und Infrastruktur wurde der Verein nicht mehr gehört. In den 1930er Jahren warb die Stadt mit dem Slogan „Darmstadt, Großstadt im Walde“. Dies war auch der Titel eines „Darmstadt-Films“, der unter Mitwirkung des Verkehrsamts im Sommer 1938 von der Berliner Epoche-Film AG gedreht und am 17.03.1940 vor großem Publikum im Helia-Kino uraufgeführt wurde (Kinos in DA).

Tourismusarbeit in der Nachkriegszeit

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs ging der Tourismus rapide zurück, und die Arbeitsbedingungen für Verkehrsverein und Verkehrsamt verschlechterten sich zusehends. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs brachten den Darmstädter Fremdenverkehr völlig zum Erliegen und ließen von der touristischen Infrastruktur und von den jahrzehntelangen Anstrengungen des Verkehrs- und Verschönerungsverein so gut wie nichts mehr übrig. Der erste Nachkriegshotelführer aus dem Jahr 1949 wies gerade einmal rund 200 Betten nach. Erst in den Jahren 1954/55 wurde der Vorkriegsstand wieder erreicht, waren wenige alte Hotels wieder erstanden oder neue errichtet worden wie der „Aachener Hof“ neben dem John-F.-Kennedy-Haus, der in den 1950er und 1960er Jahren Treffpunkt der Schönen und Reichen war. 1956 standen wieder fast 1.000 Betten zur Verfügung (1996 waren es 3.187), 163.000 Übernachtungen wurden gezählt. Mit dem Wirtschaftswunder nahm der Darmstadt-Tourismus schließlich einen neuen Aufschwung, der bis in die jüngste Zeit anhält. Der 1947 wieder gegründete Verkehrs- und Verschönerungsverein und das Verkehrsamt begleiteten diesen Prozess durch neue Angebote. Es galt, die nicht mehr vorhandenen „Werbeträger“ der Vorkriegszeit – Residenzcharakter, altes schönes Stadtbild, Hauptstadtflair u. a. – durch das Bild einer pulsierenden Kultur- und Geschäftsstadt am Rande wunderschöner Naturgebiete zu ersetzen. Zu den Aufgaben des Amts gehörte die Schaltung von Anzeigen in in- und ausländischen Zeitungen sowie in Zeitschriften und Verkehrsbüchern, die Herausgabe städtischer Werbeprospekte und insbesondere die Einwerbung und organisatorische Abwicklung von Tagungen und Kongressen.

Außerdem gab das Verkehrsamt seit 1953 das Kultur- und Veranstaltungsblatt „Lebendiges Darmstadt“ heraus. Der Verein betrieb wieder, wie in der Vorkriegszeit, eine Auskunftsstelle, ab Juni 1955 in der Luisenstraße. Am 01.12.1966 bezog der Verein den neuen „Informationsdienst Stadtmitte“ in der Wilhelminenstraße, jetzt gemeinsam mit dem Verkehrsamt der Stadt, das seit 1955 auch die Auskunftsstelle vor dem Hauptbahnhof betrieb. Seit 1953 wurden Stadtrundfahrten veranstaltet, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuten. 1961 nahmen fast 2000 Personen an 51 Rundfahrten teil. An der Gründung des Heinerfests war der Verein maßgeblich beteiligt. Auch auf dem Gebiet der Stadtverschönerung wurde der Verkehrs- und Verschönerungsverein wieder tätig. In Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung wurden Ruhebänke aufgestellt (1960 zeichnete der Verein für etwa 300 Bänke verantwortlich), Schutzhütten instand gesetzt, Waldbrünnchen gefasst und Anlagen hergerichtet. 1955 führte der Verein die Vorkriegstradition der Blumenschmuckwettbewerbe wieder ein, im ersten Jahr mit rund 100, 1956 mit 175, 1957 mit über 200 Teilnehmern. Noch bis in die 1980er Jahre prämierte man Vorgärten und Balkone.

In den 1960er Jahren änderte sich die Zielrichtung der Vereinsarbeit. Die Bemühungen um die Verschönerung des Stadtbilds wurden allmählich an die zuständigen städtischen Ämter und die Forstverwaltung abgegeben. 1966 strich man durch die Umbenennung in „Verkehrsverein“ die Verschönerungsarbeit aus dem Namen und aus dem Programm. Außerdem schuf sich der Verein ein ganz neues Betätigungsfeld mit der am 03.03.1966 vollzogenen Konstituierung des Kuratoriums „Freizeit und Erholung“, einer Vereinigung zur Betreuung von Freizeitanlagen und zur Förderung der Bewegung. Das Kuratorium wurde bis 2006 wie ein Tochterunternehmen des Verkehrsvereins geführt. Der Zweck bestand darin, Gelegenheiten zu Spiel, Sport und Erholung zu schaffen. Die ersten beiden Projekte waren die Anlage von Minigolfplätzen an der Stadtmauer neben dem im selben Jahr angelegten Kinderspielplatz und im Prinz-Emil-Garten sowie die Umgestaltung des Wiesengeländes am Steinbrücker Teich zu einem Freizeit- und Erholungszentrum (1967), das bis heute von der Bevölkerung DAs und der Umgebung reichlich frequentiert wird.

Professionalisierung der Fremdenverkehrsarbeit

In der Fremdenverkehrsförderung beschritt man neue Wege. Für die Stadt wurde seit den 1970er Jahren als Kongress-, Kultur-, Einkaufs- und Wirtschaftszentrum geworben, Geschäfts-, Bildungs- und Ferienreisende und die Bewohner der Region sollten gleichermaßen angesprochen werden. Die neuen Ideen trugen in den 1970er und 1980er Jahren Früchte durch die Verbesserung und Ausweitung des Hotelangebots und den Bau des Luisencenters mit Kongresshalle. Die Steigerung des Städtetourismus und des Geschäftsreiseverkehrs ließ die Übernachtungszahlen auf die Rekordmarke von 424.372 Übernachtungen im Jahr 1992 ansteigen. 24 Stadtrundfahrten, 270 Stadtführungen und 135 Museumsführungen wurden in diesem Jahr durchgeführt. 1995 waren es sogar 599 Rundfahrten und Führungen. Zur Bewältigung des enormen Bedarfs hatte die Stadtverwaltung seit 1972 nach österreichischem Vorbild „hauptamtliche“ Stadtführerinnen eingestellt.

Die 1990er Jahre bedeuteten dann die endgültige Abkehr von der traditionellen Tätigkeit des Verkehrsvereins. Touristische Pauschalarrangements und das „Event Marketing“, etwa Jugendstilwochenenden und die „Lange Nacht der Musen“, lösten die althergebrachten Dienstleistungen ab. Angebote wie Stadtrundfahrten und -führungen blieben bestehen, wurden aber thematisch gegliedert in Stadtteilrundgänge, literarische und botanische Rundgänge, Führungen zu bestimmten Themen wie Nationalsozialismus, Frauengeschichte, Architektur und Jugendstil. Neben der klassischen Raumvermietung für Tagungen und Zimmervermittlung wurden jetzt auch Begleitprogramme und zusätzlicher Service wie Dolmetscher, Sekretärinnen und Hilfskräfte angeboten, Kongressmappen zusammengestellt und Presse- und Medienkontakte hergestellt. Verkehrsamt und Verkehrsverein waren schon seit Anfang der 1990er Jahre organisatorisch verschmolzen. Deshalb löste die Stadt das Verkehrsamt zum 01.01.1997 offiziell auf. Der Verkehrsverein übernahm in städtischem Auftrag die Aufgaben des Amts und bildete unter dem Namen „touristic event marketing congress“, kurz „tourcongress“, zunächst eine Bürogemeinschaft mit dem städtischen Eigenbetrieb Bürger- und Kongresshäuser. 1999 verschmolz der Darmstädter Verkehrsverein mit dem wenige Jahre vorher zur lokalen Wirtschaftsförderung und Stadtbelebung gegründeten Verein „Pro Regio Stadt- und Regionalmarketing Gesellschaft“ – dessen Aufgabe vor allem in der Organisation innerstädtischer Veranstaltungen zur Verkaufsförderung und Innenstadtbelebung bestand – zur „ProRegio Darmstadt, Stadt- und Touristikmarketing-Gesellschaft“. Der neue Verein hatte den Zweck, die Position DAs als Oberzentrum in allen Bereichen und insbesondere den Tourismus zu fördern. In seinen Arbeitskreisen saßen Wissenschaftler, Politiker, Wirtschaftsfachleute, Hoteliers u. a. zusammen, erarbeiteten Leitbilder für Stadtwerbung, Verkehrsplanung und Tourismus.

Verändertes Freizeit- und Reiseverhalten der Darmstädter und der auswärtigen Gäste erforderten im letzten Jahrzehnt neue Marketingkonzepte, um im Konkurrenzkampf um Touristen und Kongresse, um Ansiedlung von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen zu bestehen. Auch Imagewerbung und die Präsentation DAs auf Messen und Tourismusforen gehören dazu. Die Eröffnung des Kongresszentrums „Darmstadtium“ ließ Übernachtungszahlen (2013 ca. 600.000) und Stadtführungen (2013 über 2100) sprunghaft ansteigen. Angesichts geplanter großer Einkaufszentren vor den Toren Darmstadts standen auch Innenstadtbelebung und Förderung der Darmstädter Geschäftswelt vor neuen Herausforderungen. Die Umsetzung der neuen Konzepte führte im Juli 2006 zur Gründung der „Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH“ und des angeschlossenen Vereins „Darmstadt City Marketing e. V.“ Das Modell des bürgerschaftlich organisierten und an Stadtwerbung und Stadtverschönerung interessierten Verkehrsvereins hat damit endgültig ausgedient und ist Teil der Geschichte geworden.

Lit.: Engels, Peter: Die Geschichte der Darmstädter Verkehrs- und Tourismuswerbung 1863-1913, hrsg. von der Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH, Darmstadt 2013.

Stadtarchiv Darmstadt