Stadtlexikon Darmstadt

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Post
Postillione der Großherzoglichen Hessischen Post, um 1820, Stadtarchiv Darmstadt

Im Jahr 1580 begründete der Taxis’sche Postmeister in Rheinhausen, Mathias Sulzer, eine Post von Rheinhausen über Heidelberg, Zwingenberg, Eberstadt nach Frankfurt/Main. Diese zunächst unregelmäßige Fußbotenpost wurde durch den Frankfurter Postmeister Johann von den Birghden ab 1615 zu einem regelmäßig zweimal wöchentlich verkehrenden Postkurs ausgeweitet. Poststation war Eberstadt. Post aus DA musste zur Weiterbeförderung zunächst nach Eberstadt gebracht werden. Parallel zu dieser Post bestand in DA bereits eine Boten- und Kanzleipost (Botenwesen), die aber nur dem Fürstenhaus vorbehalten war. Landgraf Ernst Ludwig ordnete am 04.12.1695 eine Verlegung der Taxis’schen Poststation von Eberstadt nach DA an. Der aus Speyer stammende Friedrich Jacob Brandt wurde zum 01.01.1696 erster kaiserlicher Postmeister in DA. Die Briefpost wurde zunächst im Gasthaus „Zum grünen Laub“, die Fahrpost an der Stelle der heutigen Ludwigstraße 13 untergebracht. 1709 erwarb Brandt, der zu diesem Zeitpunkt auch Gasthalter der Traube war, das Reuß’sche Haus (im Bereich des heutigen Luisencenters). Bereits 1715 bezog die Post ein neues Domizil, das „Struve’sche Haus“ Luisenstraße 32. Brandt, der im Auftrag des Landgrafen unter großen Schwierigkeiten in der Freien Reichsstadt Frankfurt ein hessen-darmstädtisches Postamt errichtete, starb 1727. Die Nachfolge wurde in den späteren Jahren erst durch einen Mandatsprozess zwischen Ernst Ludwig und dem Haus Thurn und Taxis zugunsten des Letzteren entschieden.

Ernst Ludwig ignorierte aber das Urteil bis 1744. Zeitweise waren in DA gleichzeitig zwei Posthalter eingesetzt, einmal vom Haus Thurn und Taxis Baltasar Staubach, später Johann Heinrich Gruber, und vom Landgrafen der Posthalter Wunderlich, ab dem 23.04.1744 Joseph Christoph Biehler. Der ab 01.11.1745 gemeinsam eingesetzte Trauben-Wirt Georg Immler musste bereits Anfang 1749 dem aus Frankfurt stammenden Postmeister Klees weichen. Die Poststationen wechselten in dieser Zeit mehrfach. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25.02.1803 wurden unter Landgraf Ludwig X. (Ludewig I.) am 30.10.1803 die drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Westphalen gebildet. Für das Landespostwesen wurden in DA eine General-Postkommission und in den drei Provinzialhauptstädten je eine Post-Deputation eingesetzt. Hofrat Wilhelm Christoph Nebel wurde als Oberpostmeister das hessische Postwesen übertragen. Sofort nach dem Erlöschen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nahm Ludwig X. 1806 Verhandlungen mit Taxis zur Fortsetzung der Besorgung der Post auf. Das Ergebnis war der Postlehensvertrag von 1806, der bis zum Ende der Thurn und Taxis Post zum 30.06.1867 galt. In DA wurde neben dem Postamt am 31.03.1818 eine Ober-Post-Inspektion eingerichtet. Ihr unterstand das gesamte Postwesen im Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Die Taxis’sche Postverwaltung erwarb 1847 für den Sitz des Oberpostamts das Anwesen Rheinstraße 11. Der Neubau blieb Verwaltungssitz bis zum Abriss 1878. Am 01.05.1851 erfolgte der Anschluss an den Deutsch-Österreichischen Postverein, am 01.01.1852 die Einführung von Briefmarken des Hauses Thurn und Taxis, zunächst nur für bestimmte Postsendungen.

Altes Postamt und Sitz der Oberpostdirektion am Luisenplatz, untergebracht in einem der ältesten Häuser der Mollerstadt, 1791-93 errichtet von Johann Helfrich Müller, abgerissen 1879, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Eine erste Telegrafenstation entlang der Main-Neckar-Bahn (Eisenbahn) war vom 01.10.1852 bis 01.07.1872 in Betrieb und verband DA mit Frankfurt und Mannheim. Am 01.04.1853 eröffnete Bayern die Strecke Aschaffenburg-DA-Mainz-Worms. Ab Januar 1853 erfolgte die Abstempelung der Taxis’schen Briefmarken durch Ringnummernstempel „104“ für DA (Vorläufer der Postleitzahl), am 15.02.1862 die Eröffnung der Bahnhofsexpedition im Hauptgebäude der beiden Bahnhöfe am heutigen Steubenplatz. 1863 wurde das Großherzogliche Oberpostamt als Oberbehörde unter der Leitung von Adolph Pfaltz vom Betriebsdienst gelöst. Die Ober-Postamtsexpedition wurde in ein selbstständiges Postamt unter Leitung von Wilhelm Müller umgewandelt. 1866 erfolgte die Auflösung der Thurn und Taxis’schen Post, die am 01.07.1867 vom Königreich Preußen übernommen wurde. Die Oberbehörde wurde kurzzeitig Königlich Preußische Ober-Postdirektion. Die Postexpedition erhielt erstmals die Bezeichnung Postamt I. Zum 01.01.1868 schlossen sich eine Reihe deutscher Staaten zum Norddeutschen Bund zusammen. Starkenburg (und damit auch DA) sowie Rheinhessen banden sich lediglich an den Norddeutschen Postbezirk. Im Deutsch-Französischen Krieg versorgte die Ober-Postdirektion die Großherzoglich Hessische 25. Division mit einer Feldpostexpedition. Am 04.05.1871 entstand durch die Reichsgründung die Kaiserlich-Deutsche Reichspost. Die erste Postagentur wurde am 01.01.1874 in der selbstständigen Gemeinde Bessungen eröffnet und am 01.08.1875 in ein Zweigpostamt umgewandelt (Bezeichnung Postamt 3). 1876 eröffnete das Zweigpostamt auf dem Übungsplatz (Schießplatz) und späteren Flugplatz Griesheim. Es bestand bis zur Besetzung durch die Franzosen im Jahr 1918. In der Rheinstraße wurde 1879 das neue Gebäude der Reichspostdirektion errichtet (auf dem Gelände Ecke Rheinstraße/Luisenplatz wurde nach dem Krieg das PTZ errichtet). Am 04.08.1885 erfolgte die Einrichtung einer Postagentur in Arheilgen, Umwandlung 1906 in ein Postamt III. Klasse, ab 01.04.1924 Zweigpostamt des Postamts DA. Am 25.04.1898 wurde eine Postagentur in Wixhausen eingerichtet, deren anfängliche Versorgung nur durch die Bahnpost erfolgte. 1890 wurde das neue Postgebäude in Eberstadt eröffnet. Bereits seit dem 01.07.1845 hatte Eberstadt eine eigene Postexpedition, erster Posthalter war Philipp Grimm. Am 01.02.1900 erfolgte die Eröffnung des Postamts 2 am neuen Hauptbahnhof.

Anlässlich der Postkarten- und Flugpostwochen vom 10.-23.06.1912 (Gelber Hund) wurde das erste Luftpostamt in Deutschland in der Rheinstraße 14 eröffnet. Der Stempel „Flugpost am Rhein und Main“ war der erste Sonderstempel DAs. Nach der Aufnahme des Linienflugverkehrs am Darmstädter Flugplatz auf der Lichtwiese (12.04.1926) übernahm das Flugzeug D 724 Junkers auch die Beförderung von Post. Das Postamt führte einen eigenen Stempel. Die darmstädter Ober-Postdirektion wurde zum 31.03.1934 aufgehoben und der Ober-Postdirektion Frankfurt zugeteilt. Am 19.12.1943 erfolgte die Einteilung des Reichspostgebiets mit Postleitzahlen, DA gehörte zum Postleitgebiet 16 (Hessen-Nassau, Hessen). Nach der Zerstörung des Hauptpostamts am Luisenplatz im Zweiten Weltkrieg richteten die amerikanischen Streitkräfte für ihre Soldaten 1945-49 eine APO-Feldpost ein (Kurzbezeichnung für Army Post Office), DA hatte die Feldpostnummer 175.

Modell des neuen Postamtes am Hauptbahnhof, 1988, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Am 14.05.1945 wurde die Ober-Postdirektion als „Verwaltung des Post- und Fernmeldewesens des Landes Hessen“ wieder eingerichtet, aber bereits am 30.09.1945 aufgehoben und der Ober-Postdirektion Frankfurt erneut zugeteilt. Weitere Postämter im Stadtgebiet nahmen nach und nach wieder ihre Arbeit auf. Eine Sonderstellung nahmen die Devisen-Postämter in den amerikanischen Kasernen ein. In DA waren dies je ein Postamt in der Ernst-Ludwig-Kaserne und den Kelley-Barracks und zwei Postämter in der Cambrai-Fritsch-Kaserne (bis auf Letztere alle aufgehoben 1957). 1949 wurde das Post- und Fernmeldetechnische Zentralamt in DA ansässig. Standort war zunächst eine ehemalige Kaserne auf dem Gebiet des Internierungslagers. Nach der Trennung von Posttechnischem (PTZ) und Fernmeldetechnischem Zentralamt (FTZ) mussten zur Bewältigung der ständig anwachsenden Arbeiten in der Folgezeit Neubauten am Hauptbahnhof und in der Eschollbrücker Straße entstehen. Bei der Einführung neuer vierstelliger Postleitzahlen zum 01.11.1961 erhielt DA-Stadt die 6100. Neue vollautomatische Briefsortierungs- und Stempelmaschinen wurden im PTZ geplant und eingesetzt. Nach der Wiedervereinigung wurden zum 01.07.1993 neue fünfstellige Postleitzahlen eingeführt.

Lit.: Koehler, Max / Goldmann, Rudolf: Geschichte des Postwesens im Großherzogtum Hessen, Darmstadt 1909.