Stadtlexikon Darmstadt

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Internierungslager
Eingang des Internierungslagers an der Unteren Rheinstraße, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Als die 3. US-Armee im März 1945 Südwestdeutschland eroberte, wurden aufgrund automatischer Arrestvorschriften alle bekannten Funktionäre der NSDAP und ihrer Organisationen festgenommen und in verschiedenen Internierungslagern untergebracht. Im Westen der Stadt Darmstadt, auf dem Gelände der ehemaligen Kavalleriekaserne, errichtete das Amerikanische Militär im Frühjahr 1945 ein Lager für deutsche Kriegsgefangene. Nachdem die Gefangenen bis Anfang 1946 entlassen waren, richtete das US-Militär im Februar auf dem Gelände ein zentrales Internierungslager in der amerikanischen Besatzungszone ein und löste in der Folge mehrere kleinere Lager auf.

Verteilung von Brennholz an die Insassen des Internierungslagers, Foto: Stadtarchiv Darmstadt


Die mit Stacheldraht und Wachtürmen umgebene Zeltstadt auf dem Gelände der heutigen „Telekom City“ beherbergte zeitweise bis zu 25.000 Inhaftierte von hochrangigen Parteifunktionären, SA- und SS-Führern – wie dem SS-Obergruppenführer und Mussolini-Befreier Otto Skorzeny – bis zu lokalen Parteigrößen und kleinen Beamten. Im Lager gab es eine gewählte Selbstverwaltung, eine eigene Lagerzeitung „Die Bergstraße“, ein Lagertheater mit „zwei Häusern“ und sogar eine Lageruniversität, in der inhaftierte Universitätsprofessoren und Dozenten die Lagerinsassen unterrichteten. Es gab ein eigenes und separiertes Frauenlager. Die Lagerinsassen verließen das Internierungslager nur zu Arbeitseinsätzen in der näheren Umgebung. Sie halfen bei der Beseitigung von Kriegsschäden, beim Straßenbau und in der Landwirtschaft. Für die Entnazifizierung der Insassen gab es eine eigene Spruchkammer „Darmstadt-Lager“. Nachdem die Verwaltung des Internierungslager am 01.11.1946 in deutsche Hände übergegangen war, wurde es von 1948 an nicht mehr belegt, jedoch erst 1950 aufgelöst.

Lit.: Heinl, Falko: „Das schlimme Lager, in dem man gut leben konnte“. Das Internierungslager in Darmstadt 1946-1949, Mag. Arbeit, 2005.