Stadtlexikon Darmstadt

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Herrgottsberg
Goethefelsen auf dem Herrgottsberg, 2002, Foto: Uli Emig, Darmstadt

Der Name rührt von einem angeblich schon in uralten Zeiten hier befindlichen Heiligtum her, um das sich viele Legenden ranken. Der Sage nach soll der Teufel von den Bewohnern Bessungens unter einem Vorwand dazu gebracht worden sein, eine christliche Kapelle zu bauen. Als er die Täuschung merkte, soll er vergebens versucht haben, die Kapelle mit einem Felsblock zu zerstören. Dieser Felsblock, die „Teufelskralle“ – so genannt, weil an ihm noch die Spuren der Krallen des Teufels sichtbar sein sollen – ist aber ein Relikt aus jener Zeit, als am Herrgottsberg zwei Steinbrüche betrieben wurden. Von hier kamen die Steine zum Bau der Orangerie und des Schlosses. Die historisch verbürgte Martinskapelle auf dem Herrgottsberg wurde erst im 15. Jahrhundert errichtet und war 1557 bereits verschwunden. Die am Südhang befindlichen Quellen wurden gefasst und das Wasser nach Bessungen geleitet. Anlagen auf dem Herrgottsberg gab es bereits im 18. Jahrhundert, vielleicht seit Goethe und der Kreis der Empfindsamen diesen schönen Ort entdeckt hatten. Im Frühjahr 1800 wurde die bestehende Anlage erweitert. Unter anderem pflanzte man um den Brunnen und unweit des Forsthauses (heute Gaststätte Böllenfalltor) Pappeln an, Bänke wurden repariert, Wege ausgebessert. Seit 1863 betreute der Verschönerungsverein (Stadtwerbung) den Herrgottsberg. Goethe soll am Fuß der Teufelskralle seinen „Fels-Weihegesang an Psyche“ gedichtet haben, weshalb der Felsen auch „Goethefelsen“ heißt. Am 27.08.1871 weihten Darmstädter und Bessunger Goethefreunde die heute noch vorhandene Gedenktafel ein. Nachdem der frühere OB Heinz Winfried Sabais festgestellt hatte, dass der wahre Goethefelsen weiter südwestlich an der Salzlackschneise steht, wurde 1976 auch dort eine Goethe-Gedenktafel errichtet. Bei diesem Felsen handelt es sich um den Gervinus-Stein. Als Georg Gottfried Gervinus in seiner Schulzeit mit Freunden häufiger zum Herrgottsberg kam, schlug einmal der Bildhauer Scholl (wohl Johann Baptist Scholl d. Ä.) das Zeichen „G:“ in den Fels, das noch zu sehen ist. Heute laden ein Abenteuerspielplatz und ein Grillplatz Ausflügler am Herrgottsberg ein.