Stadtlexikon Darmstadt

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Friedhöfe
Alter Friedhof an der Stadtkapelle, aufgelassen 1828, Ölgemälde Anfang 19. Jahrhundert, Stadtarchiv Darmstadt

(s. a. Jüdischer Friedhof) Die Friedhöfe einer Stadt spiegeln den Wohlstand der Bevölkerung und die jüngere Geschichte der Stadt wider. Auf den Grabmalen lässt sich die Geschichte der Bewohner ablesen, und die Gestaltung der Grabmale und Grabstätten ist Ausdruck der jeweiligen kulturellen Zeitepoche. Waren Friedhöfe in den rein christlich geprägten Zeitepochen als so genannte Kirchhöfe unmittelbar den Kirchen zugeordnet, so wurden sie mit dem Anwachsen der Bevölkerung in den Städten und aufgrund der Enge innerhalb der Stadtmauern nach außen verlagert. Ein Erlass des Landgrafen Ludwig IX. im Jahr 1786 sollte der schlechten hygienischen Situation der Kirchhöfe Abhilfe schaffen. So erging die Anordnung, „durch die der Gesundheit der Lebenden öfters schädlige Lage verschiedener Kirchhöfe [...] lassen wir die gnädigste Verordnung ergehen, dass die Kirchhöfe außerhalb den Städten und Dörfern verlegt werden“. DAs ursprünglicher Friedhof befand sich um die heutige Stadtkirche und wurde 1739 zugunsten des Friedhofs am Kapellplatz aufgegeben. Aber schon 1828 fanden die ersten Grablegungen auf dem „Neuen Friedhof“ an der Nieder-Ramstädter Straße statt, der ab 1848 als alleiniger Friedhof diente.

 

Kapelle auf dem Alten Friedhof vor der Zerstörung, Foto: Ernst Luckow, Stadtarchiv Darmstadt

Alter Friedhof

Dieser heute als „Alter Friedhof“ bezeichnete Begräbnisplatz wurde insgesamt in drei weiteren Abschnitten, zuletzt 1894 erweitert. Schon 1913 begann die Stadt mit der Anlage eines neuen Hauptfriedhofs, dem Waldfriedhof im Westen der Stadt. Auch in den Stadtteilen wurde entsprechend verfahren.

Der Alte Friedhof ist heute der bedeutendste Friedhof DAs. Er wurde 1828 auf Bessunger Gemarkung als Ersatz für den am Kapellplatz angelegt. Einige Bürger ließen ihre Verstorbenen umbetten. Mehrere Bürger nahmen Grabmale vom Kapellplatz mit auf den „Neuen Friedhof“ und stellten diese in der Abteilung 1 vorwiegend im Bereich der westlichen Mauer wieder auf. Neu an der jetzigen Anlage war eine konsequente Einteilung des Geländes in regelmäßige Rechtecke. Deren wichtigstes Element sind die flächenmäßig großen Grabstätten entlang den Umfassungsmauern und den ebenfalls großflächigen, zusammenhängenden Grabstätten an den Außenrändern der Rechtecke. Diese größeren Grabstätten werden durch breite Wege erschlossen und durch einen Hauptweg in eine rechte und linke Hälfte getrennt. Diese Gliederung und der Bau von Umfassungsmauern wurde auch bei den Erweiterungen fortgeführt. Die Abteilung 2 nach Süden wurde im Oktober 1848, die Abteilung 3 am Herdweg 1870 eingerichtet. Die letzte Erweiterung im Südosten war 1894 erforderlich. Ein Teil der großen Grabstätten ist noch heute im Besitz der Familien. Nur so ist es möglich, dass Ruhestätten von Generationen und kunstvolle Grabmale erhalten bleiben. Der Alte Friedhof steht in seiner Gesamtheit und in einzelnen Bestandteilen unter Denkmalschutz. Mehr als 60 Grabstätten sind als Denkmäler oder Ehrengrabstätten vor einer Veränderung oder Auflösung bewahrt. 1861 wurde das erste Leichenhaus in Betrieb genommen. Dieser spätklassizistische Bau wurde 1883 zur Trauerhalle umgebaut und zuletzt 1980 erneuert. Beim letzen Umbau wurde der Innenraum verändert, außen erhielt die Kapelle einen neuen Farbanstrich. Der sakrale Innenraum ist durch das 1886 von August Noack gemalte Auferstehungsbild geprägt. In jüngster Zeit fanden sechs Galvanoplastiken nach ihrer Restaurierung einen trockenen Platz am Rand der Kapelle. Reichhaltig ist die Gestaltung der Grabmale. Familienwappen, Büsten, symbolische Verzierungen und Grabbauten spiegeln die Geschichte der Stadt und der Verstorbenen wieder. Von den bedeutenden Steinmetzen seien genannt Johann Baptist Scholl d. Ä. und sein Sohn Johann Baptist Scholl d. J., Robert Cauer und die Künstler der Mathildenhöhe Ludwig Habich und Well Habicht. Entsprechend sind die historischen Grabmale dem Klassizismus bis hin zum Jugendstil zuzuordnen. Ihre letzte Ruhe fanden hier bedeutende Personen, von denen hier nur ein kleiner Teil beispielhaft genannt werden kann: Ludwig und Luise Büchner, Kasimir Edschmid, Heinrich Felsing, Heinrich von Gagern, Georg Moller, Ludwig von Hofmann, Johann Jakob Kaup, Erika Köth, Joseph Maria Olbrich, Ludwig Habich, Friedrich von Flotow, Ilse Langner und Elisabeth Langgässer. Hinzu kommen die Grabstätten einiger Landgrafen von Hessen, das Familiengrab Schleiermacher und das der Arztfamilie Heidenreich von Siebold. Am auffälligsten sind das Marmorgrabmal der Familie Keller und das Mausoleum der Familie von Herff. Da die Bomben des Zweiten Weltkriegs nur den Haupteingang trafen, sind damals nur geringe Schäden an den bedeutenden Bildhauerwerken und Gebäuden entstanden. Eine Aufgabe für die Zukunft wird sein, den historischen Charakter der Anlage zu bewahren und gleichzeitig den Bestattungsbetrieb unter Berücksichtigung der Wünsche der Bürger aufrechtzuerhalten.

 

Portal des Waldfriedhofs, um 1936, Foto: Ernst Luckow, Stadtarchiv Darmstadt

Waldfriedhof

Schon um 1910 stellte sich heraus, dass der Alte Friedhof für die rasch wachsende Stadt DA nicht ausreichen würde. Man begann mit der Planung eines neuen im Wald 3 km westlich von der Stadtmitte entfernt. In den dichten Kiefernwald wurde ein neuer Zentralfriedhof geplant, der den Namen „Waldfriedhof“ erhielt und dessen Ausmaß ein Mehrfaches seiner heutigen Fläche von 30 ha betragen sollte. Am Alten Griesheimer Weg wurde senkrecht zur Achse der Rheinstraße eine breite Zufahrt angelegt, die, beidseitig von kleinen Pavillons als Verkaufsflächen für Gärtner und Steinmetze gesäumt, den Zugang zum großen ovalen Friedhofsvorplatz bilden. Dieser Platz wird durch die großen Kuppeln der beiden Trauerhallen bestimmt, die der Architekt und Stadtbaumeister August Buxbaum durch einen rechten und linken Säulengang verbunden hat. In den Säulengang sind große Grüfte eingelassen. Die Hauptachse führt durch das Hauptportal in den Friedhof. An den rückseitigen Wänden des Säulengangs wurden die ersten Urnennischen errichtet. Mit dem Bau des Waldfriedhofs trug man den neuzeitlichen Wünschen einer Verbrennung durch den Bau eines Krematoriums im westlichen Kuppelbau Rechnung. Die erste Einäscherung fand am 08.10.1914 statt. Im Jahr 2000 wurde ein neues Krematorium im Osten der Wirtschaftsgebäude errichtet. Der Friedhof wird durch die Fortführung der Hauptachse innerhalb in eine rechte und linke Hälfte gegliedert. Eine weitere Haupterschließung erfolgt durch den außenseitigen Rundweg mit einer Länge von 2 km. Diese hufeisenförmige Erschließung (in der Form eines Omega) wird durch zahlreiche geradlinige und bogenförmige Zwischenwege gegliedert. Bei der Anlage verzichtete man bewusst auf eine Abgrenzung der Grabstätten durch Steine. Durch die Verwendung von „Pflanzwerk“ konnte bis heute ein natürlicher waldartiger Charakter erhalten bleiben. Die Wahlgrabstätten zwischen den Bäumen sind in ihrer Lage nach den örtlichen Gegebenheiten ausgerichtet. Selbst große expressionistische Grabmale bestechen durch das Grün um sie herum und sind, da ohne Steineinfassung, ein Bestandteil der großen Waldfläche. Als Beispiel sei angeführt das Grabmal von Willi Merck (L 2k) oder der Familie Schmitt (R 6a). Aufgrund des Ersten Weltkriegs konnte der erste Teil des Friedhofs erst 1922 fertig gestellt werden. Bedeutend sind die Gräber der Kriegstoten der Brandnacht. Mehr als 11.000 Personen wurden auf dem Rondell in R 8a bestattet. Um diese herum liegen im Halbkreis Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Darüber hinaus befinden sich angrenzend Ruhestätten französischer und russischer Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und von Zwangsarbeitern, die 1939 bis 1945 in und um DA verstarben. Der Waldfriedhof ist in unserer heutigen Zeit auch der Friedhof für alle besonderen Bestattungsformen. Hier befinden sich Grabstätten für anonyme Bestattungen sowie ein Bestattungsfeld für Muslime; die größte Zahl an Reihengrabstätten wird hier gewählt, und ein Bestattungsplatz für Föten wurde in Zusammenarbeit mit der Klinikseelsorge eingerichtet.

Friedhöfe in den Stadtteilen

Als der Friedhof in Bessungen um die Kirche zu eng wurde, konnten die Bessunger Bürger erst nach längeren Verhandlungen im Mai 1839 den neuen Friedhof an der Seekatzstraße weihen. Man musste auf den Wunsch Großherzog Ludwigs II. eingehen und den Friedhof vom gewünschten Platz unmittelbar an der Klappacher Straße nach Osten vom Orangeriegarten abrücken. Der Friedhof wurde in der gleichen Art wie der Alte Friedhof als gleichmäßiges Rechteck angelegt. Seine letzte Erweiterung erfuhr der räumlich sehr beengte Friedhof im Jahr 1970 an der südwestlichen Seite. Damit rückte er doch in die unmittelbare Nachbarschaft des Orangeriegartens. Eine neue Trauerhalle löste im Juni 1966 eine offene Leichenhalle an der Südostecke ab. An deren Stelle stehen heute Urnennischen. Von der Bedeutung der Bessunger Bürger zeugen noch zahlreiche bedeutende Grabmale. So finden wir ein bedeutendes von Dora Mendelssohn geschaffenes Grabmal auf der Grabstätte des Komponisten Arnold Mendelssohn (Mauer 33).

An der Palisadenstraße im Süden von Eberstadt wurde im August 1839 der heutige Eberstädter Friedhof angelegt. Der älteste Teil mit dem Torbogen als Eingang wurde als Rechteck ausgebildet. Das Gebäude mit dem Torbogen diente vormals als Leichenhaus und Aufseherhaus. Die neue Trauerhalle mit ihrem weit heruntergezogenen Blechdach wurde 1982 errichtet. Damit entstand auch ein neuer zweiter Eingang, der gleichzeitig als Vorplatz zur Trauerhalle durch eine Urnennischenwand begrenzt wird. Der Friedhof selbst wurde mehrmals erweitert. Dabei behielt man zunächst die Rechteckform bei und begrenzte die Wege durch Lindenbäume als Alleen. Erst die neuesten Erweiterungen mussten dann dem zum Frankenstein hin ansteigenden Gelände Rechnung tragen und erhielten eine geschwungene Wegeführung.

Die Verlegung des alten Kirchhofs in Arheilgen gestaltete sich schwieriger als gedacht, weil vermutlich schon damals das hoch stehende Grundwasser die Anlage behindert hat, zum anderen waren die Bauern nicht bereit, die guten ortsnahen Ackerflächen herzugeben. 1820 konnte endlich mit dem Bau eines neuen Friedhofs an der Weiterstädter Straße begonnen werden. Eine Mauer schützte gegen weitere Beweidung. 1825 baute man noch ein Totenbarhäuschen. Schon 1840 war eine Erweiterung fällig. 1862 wurde eine Friedhofshalle gebaut, die man Anfang 1900 durch eine neue angemessene Leichenhalle ersetzte. Jedoch standen die Trauernden im Freien. Immer wieder wurden weitere Flächen aufgekauft. 1960 wurde ein weiterer großer Abschnitt nach Süden erworben und 1964 eine damals als sehr modern gewertete Trauerhalle östlich der alten erbaut. Die alten Gebäude riss man ab. Mit der Erschließung der Baugebiete im Westen von Arheilgen bis zur Bahnlinie wurde ein neuer großer Erweiterungsteil bereitgestellt. Nun ist der Arheilger Friedhof die wirkliche grüne Lunge inmitten einer dichten Bebauung.

Der heutige Friedhofin in Wixhausen am Auwiesenweg wurde 1869 geweiht und mit einer Mauer umgeben. Im Süden der alten Gebäude wurde in den 1950er Jahren von Schülern des Bildhauers Fritz Schwarzbeck eine Gedenkstätte für Kriegstote errichtet. Eine Anfang der 1950er Jahre ergänzte Überdachung der Leichenhalle sollte die Trauergäste vor Regen schützen. Die architektonische Gestaltung dieses Wetterschutzes mit einer runden Öffnung ist typisch für diese Zeit. Eine Erweiterung im Westen wurde 1969 insbesondere für den Bau von Urnennischen erforderlich. Mitte der 1980er Jahre erfolgte eine Erweiterung bis zur Bahnlinie. Nach Bau einer Lärmschutzwand wurde auch eine neue Trauerhalle mit Zugang vom Auwiesenweg errichtet.