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Moller, Georg
Stadtarchiv Darmstadt

Architekt
* 22.01.1784 Diepholz
† 13.03.1852 Darmstadt
Georg Moller begann seine Ausbildung nach Abschluss des Gymnasiums 1800 bei dem Architekten Christian Ludwig Wittig in Hannover und setzte sie von 1802 bis 1807 in Karlsruhe bei Friedrich Weinbrenner fort, der ihm die Kenntnis der klassizistischen Architektur vermittelte, die der junge Moller anschließend auf einer Romreise vertiefte. Im Februar 1810 wurde er nach DA berufen, wo Großherzog Ludewig I. ihn als Nachfolger Michael Mittermayers mit der endgültigen Planung der neuen Vorstadt im Westen beauftragte, die nach ihm den Namen Mollerstadt erhielt. Mollers Konzept, dessen Umsetzung ihn während seiner gesamten restlichen Lebenszeit beschäftigte, sah einen regelmäßigen Grundriss mit breiten Straßen und Plätzen vor, wobei die Planung sich nach Westen und Süden in Richtung Bessungen gleichermaßen orientierte. Die Gebäude der Vorstadt waren nach einheitlichen Kriterien gestaltet, vor allem in der Fassadengestaltung, wobei Moller in den ersten Jahren noch jeden Hausentwurf persönlich prüfte.

Daneben wurde er mit der Planung mehrerer repräsentativer Gebäude betraut, mit denen er selbst die architektonische Gestalt der neuen Vorstadt prägte. 1816 bis 1817 errichtete er das Kasino der Vereinigten Gesellschaft an der Ecke Rhein- und Neckarstraße, ein Jahr später die Freimaurerloge (Logen, Moller-Haus) in der Sandstraße, von der sich nur der Portikus erhalten hat. 1819 folgte das neue Hoftheater am Herrngarten, ein Hauptwerk Mollers ebenso wie die von 1822 bis 1827 nach dem Vorbild des römischen Pantheons erbaute St. Ludwigskirche. Es folgten das Neue Kanzleigebäude am Mathildenplatz (1825), das Alte Mausoleum (Mausoleen) auf der Rosenhöhe (1826), das Prinz-Carl-Palais (Palais) an der oberen Wilhelminenstraße (1836) und als bis heute augenfälligstes Bauwerk der „Lange Ludwig“ (Ludwigsmonument). Zu den bedeutenden Bauten Mollers außerhalb DAs zählen die St. Georgs-Kirche in Bensheim (1825), das Stadttheater Mainz (1829-33), das Stadtpalais Herzog Wilhelms von Nassau in Wiesbaden (1837-41, heute Hessischer Landtag) sowie der Umbau der Schlösser Johannisberg im Rheingau (1826-36), Lich (1833-38) und Homburg v. d. Höhe (1834-41).

Georg Moller ist einer der Wegbereiter des Klassizismus, nicht nur in Hessen. Er vereinte die klare Formensprache antiker, vor allem griechischer Architektur mit den Erfordernissen moderner Baukunst. Moller interessierte sich jedoch auch für andere Epochen der Baugeschichte, vor allem für die Gotik. Als 1814 der Originalriss des Nordturms der Westfassade des Kölner Doms auf dem Dachboden der Traube aufgefunden wurde, veröffentlichte Moller einen Kupferstich der Zeichnung, bevor er sie dem preußischen König übergab. Seiner eingehenden Beschäftigung mit gotischer Architektur sind die von ihm herausgegebenen „Denkmäler der deutschen Baukunst“ zu verdanken, die an einzelnen Objekten einen Überblick über mittelalterliche Bausysteme und Ornamentik bieten. Der offensichtlichen Vorliebe für gotische Treppengiebel ist der wenig geglückte Umbau des Mittelrisalits von Jagdschloss Kranichstein (1845) zu verdanken, der bereits 1863 wieder revidiert wurde. Der Spanische Turm auf der Rosenhöhe, ebenfalls mit einem solchen Giebel versehen, kann deshalb möglicherweise ebenfalls Moller zugeschrieben werden. Nicht von ihm ist hingegen ein ihm häufig zugeschriebenes Wohnhaus Ecke Elisabethen- und Wilhelminenstraße, angeblich für sich selbst gebaut, das aber bereits auf einem Stadtplan von 1791 eingezeichnet ist. Georg Moller wurde auf dem Alten Friedhof in DA beigesetzt. Seit 1889 erinnert die Mollerstraße, seit 1999 der Mollerplatz, beide im Martinsviertel, an ihn.

Lit.: Neue Deutsche Biographie. Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 17, S. 742-744; Darmstadt in der Zeit des Klassizismus und der Romantik. Katalog zur Ausstellung auf der Mathildenhöhe Darmstadt (19.11.1978–14.01.1979), bearb. von Bernd Krimmel und Eckhart G. Franz, Darmstadt 1978, S. 71-266; Rett, Sigrid Eleonore: Das Großherzogliche Hoftheater in Darmstadt. Seine Entwicklung zum Haus der Geschichte, Darmstadt 1998, S. 13-116; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 154-157.