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Schleiermacher, Ernst Christian Friedrich Adam
Stadtarchiv Darmstadt

Kabinettssekretär
* 18.01.1755 Alsfeld
† 20.04.1844 Darmstadt
Im Alter von zehn Jahren kam Ernst Christian Friedrich Adam Schleiermacher nach DA, da sein Vater zum Leibarzt der Landgräfin Charlotte Christiane, der Gemahlin Ludwigs VIII., berufen geworden war. Aufgrund der Stellung seines Vaters wuchs Schleiermacher in engem Kontakt zur landgräflichen Familie auf und stand ebenfalls in Kontakt zu dem älteren Johann Heinrich Merck. Er besuchte das Pädagog (LGG) und studierte seit 1775 in Gießen Jura. 1777 wechselte er an die Universität Göttingen, wo er neben seinem Jurastudium durch Georg Christoph Lichtenberg mit physikalischen Versuchen bekannt wurde. Schon vor Abschluss des Studiums wurde er am 06.12.1779 zum Kabinettssekretär des damaligen Erbprinzen Ludwig X. (Großherzog Ludewig I.) berufen und kehrte nach DA zurück. In dieser Funktion war er maßgeblich am Aufbau der Kunst- und Naturaliensammlungen in DA beteiligt, deren erster Direktor er wurde. Ludwig X. hatte 1774 von seiner Mutter Karoline ein kleines Mineralienkabinett geerbt, das er ab 1778 durch den Erwerb von Kupferstichen, Gouachen, Gemälden und optischen Geräten zielgerichtet zu einem Museum ausbaute. Schleiermacher führte diese Ansätze durch die Vermittlung des Erwerbs ganzer Komplexe und Sammlungen in Zusammenarbeit mit Ludwig X. fort. So kamen ab 1790 die Korkmodelle antiker Bauten von Antonio Chichi, 1792 der Nachlass Johann Heinrich Mercks, 1805 die Sammlung Hüpsch, 1809 die Gemäldesammlung des Nikolaus Reber, 1812 die Zeichnungen aus der Sammlung von Dalberg, 1813 die Gemäldesammlung des Grafen Truchseß und zahlreiche Einzelerwerbungen nach DA.

Schleiermacher richtete die stets wachsenden Sammlungen zunächst im Westflügel des Alten Schlosses, später auch im südlichen und westlichen Teil des Neuen Schlosses von Remy de la Fosse ein. Er wird in allen Katalogen und Reiseberichten als die treibende Kraft in der Frühzeit des Museums gerühmt, der zunächst in eigener Person ordnend, konservierend und erklärend auftrat. Bald wurden ihm jedoch Hilfen in der Verwaltung des Großherzoglichen Museums (Hessisches Landesmuseum) in der Form von Museumsinspektoren zugeordnet: 1804 Oberforstrat Georg Balthasar Bekker für die Naturaliensammlungen, 1808 sein Sohn Ludwig Johann Schleiermacher für das Physikalische Kabinett und 1817 Franz Hubert Müller für die Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett. Schleiermacher, mittlerweile Ehrendoktor der Universität Gießen, behielt jedoch die Gesamtdirektion bis 1835. Nach dem Tod Ludewigs I. 1830 wurde Schleiermacher zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. In der Gesamtdirektion des Museums folgte ihm sein ältester Sohn Ludwig Johann  Schleiermacher (1785-1844, Direktor 1835-44), danach sein zweitältester Sohn Andreas August Ernst Schleiermacher (1787-1858, Direktor 1844-54), Leiter der Hofbibliothek und Kabinettssekretär Ludwigs II., und schließlich sein Enkel, Ministerialpräsident des Finanzwesens August Schleiermacher (1816-1892, Direktor 1854-92). Ernst Christian Friedrich Adam Schleiermacher wurde auf dem Alten Friedhof in DA beigesetzt. 1918 wurde die Schleiermacherstraße neben dem Hessischen Landesmuseum nach ihm und seinen Söhnen benannt.

Lit.: Brill, Alexander: Leben und Wirken des Kabinettsekretärs Ernst Schleiermacher in Darmstadt. In: Mercksche Familienzeitschrift 20, Heft 1/2, S. 108-115; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 210-212.