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Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt
Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek, Innenstadt, Foto: Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (ULB) ist die Zentralbibliothek der Technischen Universität Darmstadt. Sie dient der Forschung, der Lehre und dem Studium an der TU Darmstadt und an den Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen der Region. Als öffentliche wissenschaftliche Bibliothek versorgt sie auch die Bevölkerung Südhessens sowie die hier angesiedelten Behörden und Kulturinstitute mit Literatur. Die Bibliothek bietet ein breites Spektrum aktueller Informationsmedien in gedruckter und digitaler Form. Ihre Sammelschwerpunkte sind naturwissenschaftlich-technische Werke, geistes- und gesellschaftswissenschaftliche sowie landeskundliche Literatur. Insgesamt stehen ca. 2,3 Millionen Bücher, 3.000 gedruckte Zeitschriften, 25.000 elektronische Zeitschriften, 450.000 elektronische Medien und eine Vielzahl von Online-Datenbanken zur Verfügung. Mit Ausnahme der Literatur, die vor mehr als 100 Jahren erschienen ist, und besonders schützenswerter Bestände, ist die aktuell benötigte Literatur freihand und für jedermann zugänglich aufgestellt. Nahezu alle Bestände können online recherchiert, bestellt oder vorgemerkt werden. Seit 1805 hat die ULB das Pflichtexemplarrecht für den Bereich Südhessen und die Region Gießen. Sie ist Depot- und Tauschbibliothek für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und den Historischen Verein für Hessen. Zur Universitäts- und Landesbibliothek gehören das Universitätsarchiv der TU Darmstadt, das Patentinformationszentrum und eines von 50 bundesweiten Europäischen Dokumentationszentren (EDZ). Weiterhin beherbergt die Bibliothek das Darmstädter Glockenspiel.

Geschichte

Den Grundstock der Bibliothek bildete die Büchersammlung Landgraf Georgs I. Das Jahr 1568, in dem erste Bücherkäufe belegt sind, wird als Gründungsdatum der Darmstädter Hofbibliothek angenommen. 1685 wurde die Hofbibliothek erstmals geschlossen aufgestellt. Den größten Zuwachs erlebte die Bibliothek unter Ludwig X., dem späteren Großherzog Ludewig I., der sich durch den gezielten Erwerb von Privatbibliotheken für die Vermehrung des Bestandes einsetzte. Während der Säkularisation von 1803 gelangten eine Reihe von Klosterbibliotheken in die Hofbibliothek. 1817 öffnete sich die Hofbibliothek für das Publikum. 1871 wurden die Großherzogliche Militärbibliothek und 1873 die Musikalien der Hofmusikbibliothek eingegliedert. 1902 besaß die Darmstädter Bibliothek 454.000 Bände und zählte zu den neun größten Bibliotheken des Deutschen Reiches. 1920 erhielt sie den Titel „Hessische Landesbibliothek“. 1921 wurden die Bibliothek des Landestheaters und 1931 die Bibliothek des Hessischen Gewerbemuseums übernommen. Auf diesem Wege gelangte auch die Patentschriftenauslegestelle ins Schloss. Als Dauerleihgabe kam 1922 die Freiherrlich von Closen-Günderrodische Fideikommiß-Bibliothek aus Höchst an der Nidder in die Landesbibliothek (Schriften des 16. bis 18. Jahrhunderts). Die bislang größte Zäsur in der Geschichte der Landesbibliothek setzte 1944 der große Bombenangriff auf DA, durch den ca. 400.000 von 720.000 Bänden verbrannten. Ein ähnliches Schicksal erlitt die 1872 gegründete Bibliothek der Technischen Hochschule, die ca. 80.000 von 120.000 Bänden verlor. Ein Erlass des Hessischen Ministers für Kultus und Unterricht vom 16. Juli 1948 verfügte die Zusammenlegung der beiden Bibliotheken zur „Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek“.

1971 erhielt die Bibliothek auf dem Campus der TU Darmstadt auf der Lichtwiese einen zweiten Standort. Auf Grund der Raumnot im Schloss mussten 1989 das Patentinformationszentrum sowie 1993 die Theatergeschichtliche Sammlung und die Kartensammlung ausgelagert werden. 1994 bis 1997 erfolgte eine grundlegende Renovierung der Lesesäle im Ostflügel des Schlosses. Bis 1999 war die „Hessische Landes- und Hochschulbibliothek“ dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst unmittelbar unterstellt. Sie wurde im Januar 2000 organisatorisch in die TU Darmstadt eingegliedert und heißt seit 2004 „Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt“. Damit wurde die Zugehörigkeit auch in der Namensgebung vollzogen und die Funktion als zentrale Universitätsbibliothek manifestiert.

Universitäts- und Landesbibliothek, Standort Lichtwiese, Foto: Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Nach rund 10 Jahren Planungs-, Vorbereitungs- und Bauzeit wurden 2012/13 zwei neue Bibliotheksgebäude bezogen. Der Neubau Stadtmitte in der Magdalenenstraße, entworfen vom Architekturbüro Bär, Stadelmann und Stöcker (BSS) aus Nürnberg, wurde am 12. November 2012 eröffnet. Am 27. Mai 2013 öffnete der Standort Lichtwiese im dortigen zentralen Hörsaal- und Medienzentrum, für dessen Entwurf das Frankfurter Architekturbüro Ferdinand Heide verantwortlich zeichnete. Der alte Standort der Zentralbibliothek im Residenzschloss, der die Bibliothek 444 Jahre beherbergt hatte, wurde komplett geräumt und 24 vormals dezentrale Bibliotheken an den beiden neuen Standorten mit den Beständen der Zentralbibliothek zusammengeführt. Nach einer Komplettsanierung soll im Schlossgebäude ein dritter Bibliotheksstandort mit einem geisteswissenschaftlichen Schwerpunkt eingerichtet werden.

Handschriften- und Musikabteilung

Die ältesten Bestände der ULB entstammen der landgräflichen Hofbibliothek. Nach der Säkularisation gelangten weitere wertvolle mittelalterliche Handschriften aus südhessischen und westfälischen Klöstern in die Bibliothek. Diese Bestände wurden durch die Sammlung Hüpsch ergänzt, die als Vermächtnis an Ludewig I. fiel. Insgesamt umfasst der Bestand heute über 8.600 Handschriften und 2.050 Wiegendrucke verschiedener Wissensgebiete vom 10. bis ins 20. Jahrhundert. Zu den schönsten Codices zählen der Hitda Codex, das Seligenstädter Evangeliar und das Lochner Gebetbuch. Die Abteilung bewahrt zwei Dokumente aus dem „Memory of the World“-Programm der UNESCO: das Kölner Exemplar der Goldenen Bulle und den Gero Codex aus der Reichenauer Schule. Neben Handschriften umfasst die Abteilung historische Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts sowie bibliophile Ausgaben, Pressendrucke und Künstlerbücher. Die Musiksammlung verwahrt 4.774 Autografen vor allem aus barocker und frühklassischer Zeit, in deren Zentrum das Gesamtwerk des Darmstädter Hofkapellmeisters Christoph Graupner steht.

Einen weiteren Sammelschwerpunkt bilden die 150 Nachlässe von Persönlichkeiten mit historischem Bezug zur Stadt DA bzw. zur Region. Zu den bedeutendsten gehören die Nachlässe des Philosophen Hermann Graf Keyserling und seines Großvaters Alexander Graf Keyserling.

Werkstätten

Das Digitalisierungszentrum ist aus der ehemaligen Fotowerkstatt entstanden, die seit 1950 bestand und für alle Arten fotografischer Reproduktion zuständig war. Der heutige Schwerpunkt liegt im Bereich des Scanning und umfasst neben Projektplanung, Qualitätsmanagement, Erschließung und Präsentation der digitalen Objekte auch die konservatorische Projektbegleitung und die Langzeitarchivierung. Die Restaurierwerkstatt ist mit ihren fünf hauptamtlichen Mitarbeitern die größte in Hessen. Seit 1972 widmet sie sich der Restaurierung wertvoller Bände. Der Aufgabenschwerpunkt der Buchbinderei liegt im Bereich der Neueinbindungen und Erhaltung der bibliothekseigenen Bestände.

Sondersammlungen

Die Theatersammlung dokumentiert die Aufführungen des Darmstädter Staatstheaters und seiner Vorläufer und gehört zu den wenigen Spezialsammlungen dieser Art im deutschen Sprachraum. Die ältesten Belege stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Heute werden hauptsächlich Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Szenenfotos, Künstlerporträts, Programmhefte und -bücher, Plakate, Presseberichte, Bühnenjahrbücher und Theaterzeitschriften archiviert.
Die Kartensammlung der ehemaligen Hofbibliothek reicht bis in die Anfänge der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im 16. Jahrhundert zurück. Der größte Teil besteht aus gedruckten Karten mit ca. 26.000 Einzelblättern. Weitere Teile beinhalten Kriegs- und Manöverkarten sowie handgezeichnete Karten und Pläne, darunter Stadt- und Gemarkungspläne, Gartenanlagen und Parks. Sammlungen von Ortsansichten und Porträts sowie eine Plakatsammlung mit politischen und graphischen Plakaten schließen sich an.

Lit.: Durch der Jahrhunderte Strom: Beiträge zur Geschichte der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt [zum 400jährigen Bestehen der Bibliothek hrsg. von Erich Zimmermann], Frankfurt 1967; Nolte-Fischer, Hans-Georg: Hessische Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt. In: Regionalbibliotheken in Deutschland: mit einem Ausblick auf Österreich und die Schweiz, hrsg. von Bernd Hagenau, Frankfurt am Main 2000 (ZfBB: Sonderheft; 78), S. 263-269; Neue Mitte[n]: die Bibliotheksneubauten der Technischen Universität Darmstadt, hrsg. von der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt [Red. Helge Svenshon...], Darmstadt 2014; 450 Jahre Wissen - Sammeln - Vermitteln. Von der Hof- zur Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Darmstadt 2017.