Stadtlexikon Darmstadt

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Verlage in Darmstadt
Genossenschaftsdruckerei GmbH, Verlag des Hesssischen Volksfreunds, 1920er Jahre, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

In DA wurden schon im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert Bücher hergestellt, wobei es sich meist um Druckereien handelte, die auch Bücher publizierten (Buchhandlungen), etwa die Buchhandlung von Georg Friedrich Heyer (1798) und die von Johann Philipp Diehl (1834), der u. a. 1835 und 1838 erstmals Briefe von Johann Heinrich Merck im Druck herausbrachte. Auch Gustav Jonghaus (1833) und Gustav Georg Lange (1831) verlegten Bücher. Der 1821 von Carl Wilhelm Leske gegründete Verlag wurde 1940 von der Wittich’schen Hofbuchdruckerei übernommen. Ebenfalls in DA wurde 1888 die Verlagsanstalt von Alexander Koch gegründet, der hier zunächst die „Tapeten-Zeitung“ herausgab. Bald folgten weitere Zeitschriften, so 1890 die „Innendekoration“, mit der Koch zum Vorkämpfer neuzeitlicher Wohnkultur wurde. 1896 erschien „Deutsche Kunst und Dekoration“, 1900 „Stickereien und Spitzen“, 1904 „Kind und Kunst“ sowie zahlreiche Einzelveröffentlichungen, die das gesamte Gebiet der bildenden Kunst und des Kunstgewerbes in seinen neuen Formgebungen in Wort und Bild darstellten und bei ihrem (Fach-)Publikum auf größtes Interesse stießen. 1932 ging der Verlag nach Stuttgart und gehört seit 1971 zur traditionsreichen Weinbrenner-Gruppe.

Viele Verlage ließen sich nach dem Zweiten Weltkrieg in DA im Rahmen der Ansiedlung einer rauchlosen Industrie (Kurt Jahn, Industrialisierung) nieder. Im Westen auf dem ehemaligen Exerzierplatz entstand ein ganzes Verlagsviertel, das einen lange Jahre blühenden Wirtschaftszweig repräsentierte. Gute Ansiedlungsbedingungen und die Nähe zur Messestadt Frankfurt/Main machten DA zu einer Verlagsstadt, die 1968 gemessen an der Zahl ihrer Verlage im bundesdeutschen Vergleich an neunter Stelle stand. Eine Verlagsneugründung in dem genannten Verlagsviertel war 1949 die Neue Darmstädter Verlagsanstalt in der Holzhofallee 36. Ihr Inhaber Adam Holzapfel (1899-1958) hatte in Berlin eine Schulbuchhandlung betrieben, musste 1946 die Sowjetische Besatzungszone verlassen und kam über Heppenheim nach DA. Erste Veröffentlichung war hier der „Deutsche Fußball-Kalender“. Die Verlagsanstalt, die später nach Bad Honnef verlegt wurde, gab ferner die Protokolle der „Darmstädter Gespräche“ und das „Handbuch des Deutschen Bundestages“ heraus. Der Verlag Werner E. Stichnote (1908-1994) kam 1950 aus Potsdam nach DA. Stichnote, der bisher geisteswissenschaftliche Literatur verlegt hatte, stellte nun auf Gartenliteratur um und übernahm die Fachzeitschrift „Pflanze und Garten“. Frühzeitig erkannte er die Chancen des Taschenbuchs und gründete den Taschenbuch-Verlag „Das goldene Vlies“, aus dem 1955 der Ullstein-Taschenbuch-Verlag entstand, dessen Geschäftsführer er wurde. Der Verlag nahm auf Stichnotes Empfehlung zunächst seinen Sitz in DA, ging aber 1967 nach Berlin. Seinen eigenen Verlag behielt Stichnote in DA bei. Für seine Verdienste als Verleger erhielt er, der von 1968 bis 1971 Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels war, 1968 die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung und 1976 das Bundesverdienstkreuz. Der Franz Schneekluth Verlag kam 1951 über Celle nach DA. Franz Schneekluth (1896-1971) war seit 1940 Mitinhaber des Wilhelm-Heyne-Verlags in Dresden, bevor er nach Kriegsende nach Westdeutschland ging. Sein Verlagsprogramm umfasste ein breites Spektrum: Romane, Jugendliteratur, Bildbände, Sach- und Tierbücher. Unter den Autoren befanden sich u. a. Utta Danella und der Chefredakteur des Darmstädter Echos Hans J. Reinowski mit seinem Buch „Ein Mann aus Deutschland besucht Onkel Sam“. Im Juli 1967 wurde der Verlag nach München verkauft und gehört heute zur Verlagsgruppe Droemer Knaur.

Deutscher Adressbuch-Verlag, Holzhofallee 38, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Auch die Geographische Verlagsanstalt Justus Perthes, 1785 in Gotha durch Johann Georg Justus Perthes gegründet, siedelte 1953 aus der DDR nach DA um, wo Joachim Perthes mit seinem Verlag das Haus am Donnersbergring 14 bezog. Hier wurden v. a. Schullandkarten und schulkartografische Erzeugnisse produziert. Durch die neuen Grenzziehungen in Deutschland und Osteuropa im Gefolge der Wende stieg der Umsatz des Verlags erheblich. Stephan Perthes gelang es 1992, das Stammhaus in Gotha, das in der Zwischenzeit als VEB Hermann Haack ein Monopol in der Herstellung von Schulatlanten in der DDR hatte, mit Hilfe der Treuhand zurückzuerhalten. Der wiedervereinte Verlag wurde im selben Jahr vom Ernst Klett Schulbuchverlag übernommen und 1994 nach Gotha verlegt. Der künstlerischen Seite des Buchdrucks und dem Qualitätsdruck verpflichtet war die Peter-Presse Christoph Kreickenbaum (1904-1973), die 1952 aus Leipzig nach DA wechselte. Mit sechs alten Mitarbeitern fasste Kreickenbaum am Donnersbergring wieder Fuß und baute von neuem eine Notenstecherei auf, wie er sie auch schon in Leipzig betrieben hatte. Systematische Erweiterungen des Unternehmens folgten: Werksatz und -druck, Offset- und Prägedruck. Ob Briefpapier, Firmenembleme oder Logos, die Peter-Presse konnte für ihre Kunden jede Vorstellung realisieren. Kreickenbaums Arbeit galt aber besonders dem „schönen“ Buch: Viele Erzeugnisse seiner Presse wurden in die Reihe der „50 schönsten Bücher“ aufgenommen. Kreickenbaum, der an der TH Darmstadt einen Lehrauftrag für Buch- und Offsetdruck hatte, wurde 1969 mit der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung ausgezeichnet und 1972 zum Ehrensenator der TH Darmstadt ernannt. Im September 1973 musste die Peter-Presse Konkurs anmelden. Eher ein Gastspiel war die Anwesenheit des Luchterhand-Verlags in DA. Die schöngeistige und geisteswissenschaftliche Literatur, die 30 Prozent des eigentlich juristisch orientierten Verlagsprogramms ausmachte und 1954/55 in Berlin begonnen worden war, hatte schon von 1956 bis 1960 ihren Platz in DA gehabt, war nach der Fertigstellung des neuen Verlagsgebäudes in Neuwied aber dorthin verlegt worden. Im April 1972 kam diese Abteilung wieder nach DA in die Ahastraße 5, das heutige Helmut-Hild-Haus mit Bibliothek und Archiv der EKHN. Gründe waren die Bindung an die zur Luchterhand-Gruppe gehörende Druck- und Verlagsgesellschaft am Donnersbergring, die Nähe zur Buchmesse Frankfurt und vor allem die Tatsache, dass die Stadt des Georg-Büchner-Preises, mit dem eine Reihe von Luchterhand-Autoren ausgezeichnet worden waren, besser zur ihrer Literatur passte als die rheinische Provinz. 1987 wurde Luchterhand an den niederländischen Verlagskonzern Kluwer verkauft, der damit zu einem der größten Juristik-Verlage in Europa wurde. Die literarisch-belletristische Abteilung in DA ging an den Arche-Verlag Zürich, die „Sammlung Luchterhand“ an den Deutschen Taschenbuch Verlag.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Verlagslandschaft in DA gewandelt. Von den heute hier ansässigen Unternehmen reichen nur noch bei einem Teil (wie bei Hoppenstedt und der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft) die Wurzeln zurück in die Zeit der von der Wiederaufbau GmbH geförderten Verlagsansiedlung. Bemerkenswert ist die lange Geschichte der S. Toeche-Mittler-Verlagsbuchhandlung, die 1789 in Berlin Wilhelm Dieterici gründete. Erster großer Erfolg war 1815 ein „Soldatenliederbuch“, von dem 50.000 Exemplare an die preußische Armee geliefert wurden. In der Folgezeit widmete sich der Verlag intensiv der Militärliteratur, daneben auch der Wissenschaft und Belletristik. Konrad Toeche-Mittler, Ururenkel des Gründers, führte den Verlag nach dem Ersten Weltkrieg mit philosophischer Literatur zu neuer Blüte. Sein Sohn Siegfried Toeche-Mittler siedelte 1949 nach DA über. Die zum Verlag gehörende Druckerei musste bereits 1953 Konkurs anmelden, aus ihr ging später das Druckhaus Darmstadt hervor. Wichtige Standbeine des in achter Generation geführten Familienunternehmens sind heute das Serviceangebot der Buchbesorgung und eine Versandbuchhandlung (Triops), die international führender Anbieter von Fachliteratur zum Thema Naturwissenschaft in den Tropen und Subtropen ist. Als Verleger konzentriert sich Ernst Toeche-Mittler auf die Themen Wirtschaftswissenschaft, Informatik und Sportfachliteratur.

Der von Kurt Robert Selka gegründete ABC-Verlag in der Berliner Allee gibt Wirtschaftsnachschlagewerke und Fachzeitschriften heraus. 1949 erschien die erste Ausgabe des „ABC der deutschen Wirtschaft“. Mit den so genannten „Gelben Büchern im Dienste der Wirtschaft“ machte sich die ABC-Unternehmensgruppe, zu der seit 1974 der Verlag Wirtschaft und Finanzen, die Industrieschau Verlagsgesellschaft und die Europ-Export-Edition gehören, einen Namen. Produkte waren u. a. ein Börsenlexikon, ein Produktionsnachweis der europäischen Export-Industrie und ein Verzeichnis über afrikanisch-arabische Unternehmen (Arab-Afro-Trade). Nach der Insolvenz des Verlags 2004 wurde der ABC-Verlag im August desselben Jahres an ein Unternehmen aus dem Großraum Stuttgart verkauft, der Standort an der Berliner Allee 8 blieb erhalten. 2007 wurde der ABC-Verlag von Hoppenstedt gekauft. Das Verlagsgebäude des ABC-Verlages wurde 2010 abgebrochen. Seit 1950 hat die Paul August Hoffmann KG ihren Sitz in DA und gibt das „Deutsche Bundes-Telefonbuch“ heraus. Vorläufer dieses Werks war 1884 das „Telephon-Adreßbuch für das deutsche Reich“, ein Oktavheftchen mit den Anschlussnummern der Teilnehmer in Berlin und anderen Großstädten, das sich ebenso wie das Telefonnetz kontinuierlich erweiterte. Der Verlag versuchte 1948 zunächst am alten Standort in Berlin den Neuaufbau und kam dann über Essen und Bad Honnef nach DA, wo er heute in der Viktoriastraße zu finden ist. In Berlin gegründet wurde 1871 die Otto-Elsner Verlagsgesellschaft, die v. a. Fachzeitschriften herausgab. 1953 begann sie den Neuanfang in DA und verlegte fachliche Bestseller wie „Der Elsner“ ein Handbuch für Straßenbau- und Straßenverkehrstechnik sowie Bücher für die Bauwirtschaft. Verleger Eberhard Elsner wurde 1971 von der Stadt DA mit der Bronzenen Verdienstplakette ausgezeichnet. Der Elsner-Verlag hat heute seinen Sitz in Dieburg. Ganz anderen Inhalten widmet sich der Verlag Otto Teich in der Hilpertstraße. Er wurde 1889 in Leipzig als Musikalienverlag gegründet. Nach der Zerstörung des Verlagshauses begann 1949 der Neuaufbau in Frankfurt/Main, 1954 kam das Unternehmen nach DA. Neben Neuauflagen früherer Titel wurden vor allem Laienspiele verlegt. 1965 erfuhr durch die Übernahme des Kölner Bergwald-Verlages nicht nur das Theater- und Buchangebot eine Erweiterung, sondern dies schuf auch die Voraussetzung für die führende Position auf dem Gebiet karnevalistischer Vortragsbücher. 1984 erwarb der Verlag zusätzlich die Laienspielreihe „Bärenreiter-Spieltexte“. Musisch geprägt ist auch der Tonos-Verlag in der Holzhofallee, der 1948 in Reutlingen durch Franz König (1912-1993) gegründet wurde. Er hat ebenfalls seit 1954 seinen Sitz in DA und gibt vor allem Werke zur Neuen Musik sowie zur Tango- und Klezmermusik heraus.

Präsentation von Publikationen des Justus-Perthes-Verlages, 1985, Foto: Ernst Selinger, Stadtarchiv Darmstadt

Eine Gruppe von Architekten gründete 1953 den Verlag „Das Beispiel“, der 1955 aus Süddeutschland nach DA kam und sich in der Spreestraße niederließ. Er arbeitete zunächst v. a. im Auftrag des Bundes Deutscher Architekten (BDA). In sporadisch erscheinenden Sonderheften wurden Arbeiten der BDA-Mitglieder als Beispiele künstlerisch und technisch vorbildlichen Bauens nach dem Krieg gezeigt und erläutert. Neben diesen „Beispiel“-Heften umfasste das Programm Sonderveröffentlichungen und Werke wie „Das Bau-Markenalphabet“, „Laboratorien, Planung, Bau, Einrichtung“, „Bauten in Deutschland seit 1948“. Dazu kam die Herausgabe der unter den Nationalsozialisten verbotenen Zeitschrift „Kunst und Kirche“ und verschiedener anderer Baufachzeitschriften. Durch die Reihe „Gothaer Architekturführer“, kleine und in verständlicher Sprache geschriebene Stadtführer zu zeitgenössischer Architektur, öffnete sich der Verlag einem breiteren Publikum, ebenso durch das Centrum-Jahrbuch, mit dem sich auch Laien über die aktuelle Architekturszene informieren können. Medizinische Literatur verlegt in DA seit 1950 der Dr. Dietrich Steinkopff-Verlag. Das Unternehmen wurde von Theodor Steinkopff in Dresden gegründet. Sein Sohn Dietrich Steinkopff (1901-1970) baute nach 1945 in Frankfurt/Main eine Zweigniederlassung auf, die 1950 nach DA umzog und sich zu einem eigenständigen Verlag entwickelte, der bis heute Bücher und Zeitschriften für Ärzte und Wissenschaftler mit internationalem Renommee verlegt. Jürgen Steinkopff (1928-1979) erweiterte das Verlagsprogramm um moderne Psychologie. Nach seinem Tod wurde der Verlag an den wissenschaftlichen Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York verkauft, behielt aber seinen alten Namen und Sitz in DA und ist heute in der Poststraße ansässig. Seit 1969 besteht der von Ernst Giebeler gegründete GIT-Verlag in der Rößlerstraße, der zunächst nur die Zeitschrift GIT (Glas- und Instrumententechnik) verlegte. Daneben gibt der Verlag, zu dessen Publikum Chemiker, Physiker und Laboranten gehören, Labor-Jahrbücher sowie Zeitungen und Fachzeitschriften zu naturwissenschaftlichen und technologischen Themen heraus. Weitere Verlage in DA sind heute u. a. der Pala-Verlag (Rheinstraße), der sich den Themen Ernährung, Garten, Landwirtschaft und Tierhaltung widmet, der Pharmathek-Medien Verlag (Spreestraße), in dem Apothekenzeitschriften erscheinen, der Primus-Verlag (Riedeselstraße), eine Tochter der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft mit geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt, der Schirner-Verlag (Zerninstraße), der Sachbücher zu spirituellen Themen verlegt, der Thiasos Musikverlag (Birkenweg), der Verlag Peter N. Klüh (Meissnerweg) mit dem Schwerpunkt Falknerei und Greifvogelschutz, der M-Verlag Maarten Schiemer e.K. (Riegerplatz), der die Darmstädter Kulturnachrichten herausgibt, der zur Druckerei Reinheimer gehörende Justus-Liebig-Verlag und der Verlag H.L. Schlapp.