Stadtlexikon Darmstadt

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Jahn, Kurt

Architekt, Stadtentwickler
* 01.03.1903 Weimar
† 17.12.1978 Darmstadt
Nach Volkswirtschafts- und Architekturstudium leitete Kurt Jahn die elterliche Bauunternehmung in Erfurt und ließ sich als freier Architekt nieder. Während der NS-Zeit hatte er zeitweilig Arbeitsverbot und saß in Haft, bei Kriegsende war er Soldat. Jahn war eng mit dem OB von Jena, Heinrich Troeger, befreundet. Troeger ging bald nach Kriegsende in den Westen, wo er Ministerialdirektor des hessischen Finanzministers Hilpert wurde. Jahn folgte dem Freund und zog 1947 nach Heppenheim, 1948 nach DA. Hier erwartete ihn die Aufgabe seines Lebens: Der zerstörten und nach dem Abzug der Landesbehörden 1945 existenziell bedrohten Stadt durch Ansiedlung zukunftsträchtiger Industrien eine neue Lebensgrundlage zu schaffen. Jahn, Troeger und Stadtkämmerer Gustav Feick nahmen diese Herausforderung mit großer Tatkraft an. 1949 wurde die Wiederaufbau GmbH gegründet: 55 Prozent ihrer Anteile hielt Jahn, 45 Prozent die Stadt. Trotz der scharfen Konkurrenz umliegender Großstädte siedelte die Gesellschaft namhafte Unternehmen aus der sowjetischen Besatzungszone und Berlin, vor allem solche der grafischen Industrie (aber auch Wella, Fink, Engel, Refa u. a.) auf dem ehemaligen Exerzier- und Kasernengelände (Kasernen) im Südwesten der Stadt an. Jahn kümmerte sich um Grundstücksbeschaffung, Finanzierung, Bauplanung und Wohnraum für die Mitarbeiter der angeworbenen Firmen; insgesamt hat die Wiederaufbau GmbH fast 20.000 Arbeitsplätze geschaffen. Jahns Initiative war auch der Zuzug der technischen Zentralämter der Bundespost (FTZ, PTZ) an den Darmstädter Kavalleriesand im Jahr 1948 zu verdanken. Mit der parkartigen Gestaltung des Industriegebiets Südwest und der Ansiedlung „Rauchloser Industrie“ nahm Jahn spätere Umweltschutzgedanken vorweg. Die von der Wiederaufbau GmbH erwirtschafteten Überschüsse flossen in kulturelle und karitative Einrichtungen. Die Initiative und das Engagement für die Darmstädter Bürgerstiftung gingen auf ihn zurück. 1961 verlieh die Stadt Kurt Jahn die Silberne Verdienstplakette. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA. Seit 1981 trägt das Wohnheim für geistig Behinderte den Namen Kurt-Jahn-Anlage (Darmstädter Werkstätten und Wohneinrichtungen).

Lit.: Kurt Jahn zum Gedächtnis, Hrsg. Max Bach, Darmstadt 1979; Ortkamp, Fabian: Aufbauplanung in Darmstadt 1944-1949, Konzepte für einen baulichen und wirtschaftlichen Neuanfang, Darmstadt 2017 (Beiträge zur hessischen Wirtschaftsgeschichte Bd. 11).