Stadtlexikon Darmstadt

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Buchhandlungen
Die Darmstädter Buchhändler Adam Griesheimer, Herbert Gebicke, Gisela Hoffmann-Sigmund, Jürgen Biehler, Karl-Eugen Schlapp am 01.09.1982, Foto: Karl-Eugen Schlapp, Darmstadt

Nach einer älteren Statistik stand in Deutschland DA nach Heidelberg an zweiter Stelle mit der Anzahl von Buchhandlungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl; hier gab es einen lebhaften Buchhandel. So existierten schon im 19. Jahrhundert bedeutende Buchhandlungen, von denen eine noch heute besteht. Die Buchhandlung der Invaliden-Anstalt, verbunden mit einer Leihbücherei, dürfte die älteste sein, die bereits bestand, als Georg Friedrich Heyer (2.3.1771-28.02.1847), der 1791 in Gießen eine Buchhandlung eröffnet hatte, 1798 auch für DA die Konzession erteilt wurde, „dahier einen Buchhandel treiben zu dürfen“. Carl Wilhelm Leske (1784-1837) wurde 1806 Teilhaber im Darmstädter Geschäft von Heyer, 1811 erfolgte die Umbenennung in „Heyer und Leske“. Heyer übergab 1820 seinen Anteil an seinen Sohn Johann Wilhelm Heyer (1796-1828), worauf am 29.01.1821 die Trennung erfolgte in die Firmen J. W. Heyer Sohn und C. W. Leske, der damit Buchhandlung und Verlag begründete. Er übernahm zugleich die Verwaltung der Invaliden- Buchhandlung, deren Angelegenheiten er wahrscheinlich schon mitbesorgt hatte. Mit dem 01.01.1832 hat Carl Wilhelm Leske den Verkauf an Privatkunden an seinen Schwiegersohn Ludwig Pabst abgetreten, der die Buchhandlung unter seinem Namen weiterführte. Die Hofbuchhandlung Ludwig Pabst annoncierte am 11.04.1841 im „Hessischen Hausfreund“ als Neuerscheinung „Datterich. Localposse in der Mundart der Darmstädter“ (Datterich, Ernst Elias Niebergall). Leske konzentrierte sich auf den Verkauf seiner eigenen Verlagsartikel an Buchhandlungen, auf den Verlag der Großherzoglichen Invaliden-Anstalt sowie auf seine Buchdruckerei. Sein Sohn Carl Friedrich Julius Leske (1821-1886) übernahm nach Buchhändlerlehre und Studium den Verlag. Nach dem Tod seines jüngsten Sohns Alexander Leske (1862-1934) ging die Firma 1940 an die Wittich’sche Hofbuchdruckerei; 1960 wurde sie von Friedrich Middelhauve gekauft und in seinen Westdeutschen Verlag in Opladen eingegliedert. Die Heyer’sche Hofbuchhandlung ging 1834 an den Elberfelder Kaufmann Gustav Jonghaus (1807-1870) über, der auch verlegerisch tätig war. Nach seinem Tod erwarb August Klingelhoefer das Geschäft, 1905 Karl Buchner und 1911 schließlich der bislang letzte Namensgeber, der Stuttgarter Heinrich Schroth (21.09.1886-26.11.1963). Von 1800 bis 1944 befand sich das Unternehmen in der Rheinstraße 15. Mit Vorträgen und Kunstausstellungen zog Schroth sein Publikum an, doch empfahl er nach 1933 in Anzeigen auch sein Angebot: „Bücher aus allen Gebieten der Literatur, besonders der national-sozialistischen“. Nach der Zerstörung am 11.09.1944 und einem Zwischenaufenthalt in der Ohlystraße zog Schroth 1951 in die wieder aufgebaute Schulstraße 11. Zum 01.01.1963 übernahm der aus Kassel kommende Buchhändler Hans-Dietrich zur Megede (12.05.1933-23.03.2016) die Buchhandlung und machte mit Lesungen bekannter Autoren auf sich aufmerksam. 1976 übernahm seine frühere Ehefrau Waldtraut von Zabiensky (1933-1985) und nach ihrem Tod beider Tochter Marijke zur Megede (*1958) die Buchhandlung; im November 1997 konnte sie noch das 200-jährige Bestehen dieser ältesten Darmstädter Buchhandlung feiern, im Januar 2008 musste sie schließen.

Neben Heyer, Jonghaus, Pabst und Leske zählte Georg Wilhelm Justin Wagner 1840 in seiner „Geschichte und Beschreibung von Darmstadt“ noch weitere „Anstalten, die den literarischen Verkehr bezwecken“, auf: Johann Philipp Diehl, Verlagsbuchhandlung (seit Juni 1834); Carl Dingeldey, Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung (Februar 1834); Gustav Georg Lange, Buch- und Kunsthandlung (November 1840); Ralph Sanzio, Kunsthandlung. 1850 gab es neun Buchhändler. Nicht genannt, aber seit 26.01.1836 bereits existent, war die Buchhandlung H. L. Schlapp. Es folgten am 01.10.1847 Wilhelm Küchler (seit 1949: Gutenberg-Buchhandlung), 1871 Johann Schmitt, Schulbuchhandlung des Hessischen Landeslehrervereins, die 1892 an den bisherigen geschäftsführenden Teilhaber Ludwig Saeng überging und zum 01.04.1976 an H. L. Schlapp. Daneben bestanden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch weitere Buchhandlungen: Die Buchhandlung Griesheimer Buch und Kunst (Katholica) wurde am 03.07.1919 von Wilhelm Griesheimer (10.04.1890-14.10.1974) am Wilhelminenplatz 2 gegründet. Nach der Zerstörung am 11.09.1944 führte er die Buchhandlung mit amerikanischer Lizenz ab August 1945 am Wilhelminenplatz 9 weiter. Am 04.11.1948 erfolgte der Umzug in die Wilhelminenstraße 10, am 04.11.1959 in das Haus der Familie Wilhelminenstraße 4. 1948 übernahm der Sohn Adam Griesheimer (* 05.12.1922), 1993 die Enkelin Hildegard Griesheimer (* 12.02.1965) die Buchhandlung, die dann zum 30.09.1993 geschlossen wurde. Die Buch- und Kunsthandlung Georg Wagner, Elisabethenstraße 7, 1919 gegründet, wurde nach 1945 von der Tochter des Gründers Annerose Wichmann-Wagner (01.04.1921-08.02.2006) übernommen, war zeitweilig in Seeheim angesiedelt und wurde 1984 durch die Gutenberg-Buchhandlung übernommen. Über die Buchhandlung Karl Heß, Nachf. Alfred Hoefer am Ludwigsplatz (genannt 1916), Carl Köhler – Otto Carius in der Schulstraße (genannt 1940) und L. Vogelsberger (genannt 1916) ist nichts Weiteres bekannt.

Weitere Buchhandlungen haben in den letzten Jahrzehnten, teils aus Altersgründen und wegen fehlender Nachfolger, teils aus wirtschaftlichen Zwängen, geschlossen, z. B. die Buchhandlung Kurt Bick (1977), die Ev. Buch- und Kunsthandlung Johannes Waitz, Inhaber Eberhard Waitz, Elisabethenstraße 14 (erloschen 1972), die 1956 von Baldur Becker gegründete und ca. 1979 von Jürgen Biehler übernommene Lichtenberg-Buchhandlung, Dieburger Straße 32 und 36 (31.12.2001), die Buchhandlung Karl J. Gebicke, zuletzt Rheinstraße 8 (10.03.2003), Tutti Booki Michael Schardt, Buch- und Comic-Handlung (31.12.2004); Bentlin Art & Comics, Dirk Bentlin, Schleiermacherstraße 2 (03.05.1989-31.03.2006, Kunst u. Comics), Gutenberg-Buchhandlung (30.06.2010).

Weitere heute noch existierende Buchhandlungen sind: Bessunger Buchladen, Mechthild Steiger-Kühn seit 1994, am 01.01.2006 übernommen von Alfred Hofmann, Heidelberger Straße 81B, (gegründet 01.09.1978 mit Wolfgang Schmahl, Bessunger Stadtteilbuchhandlung; Schöne Literatur, Kinder- und Jugendbücher); Der Bücherwurm, Inh. Ursula Bödeker und Wolfgang Schmahl, Jahnstraße 1-5 (Bessunger Stadtteilbuchhandlung); Buchladen Artemis, Birgit Feldmann, Mathildenplatz 5 (gegründet 01.11.1997; Frauen-, Lesben- und Schwulenbuchladen); Georg-Büchner-Buchladen Oppermann Ott GmbH, Lauteschlägerstraße 18, als Kollektiv geführt seit 01.02.1975, neu gestaltet 1984 (Architektur, Design, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, Schöne Literatur); Buchhandlung Lesezeichen Iris Massuthe, Liebfrauenstraße 69 (Stadtteilbuchhandlung im Martinsviertel); Goldmann, Annemarie u. Joachim Goldmann, Thomas-Mann-Platz 4 (01.06.1997, Arheilger Stadtteilbuchhandlung); Arheilger Bücherstube, Sandra Ullrich, Frankfurter Landstraße 167 (ursprüngliche Filiale von Buchhandlung Gebicke, 2002 übernommen von Veronika Gause, 2013 von Sandra Ullrich, Stadtteilbuchhandlung); Bahnhofsbuchhandlung im Hauptbahnhof, Platz der deutschen Einheit 2, HDS Retail Deutschland GmbH. Die am 01.05.1979 in Wiesbaden gegründete „bauer press international“ übernahm am 01.09.1990 die Bahnhofsbuchhandlung in DA und erweiterte sie auf die doppelte Größe. Sie gehört heute zur französischen weltweit operierenden Lagardère-Gruppe und bietet das größte Zeitschriftenangebot am Ort; Antiquariat Bläschke, Brigitte Neugebauer, Sandstraße 38 (vormals Bläschke); Antiquariat Dorner, Anton Dorner, Holzstraße 11; Büchergilde Buchhandlung am Markt, Monika Prause (1955-2013), Marktplatz 10 (gegr. 01.09.1998); Schirner, Markus, Elisabethenstraße 20-22, Markus u. Heidi Schirner (15.03.1987, größte Esoterik-Buchhandlung in Deutschland, mit Verlag für Esoterik und Spiritualität).

1. Darmstädter Büchermarkt, 11.-16.06.1970,

1972 gründeten sieben Darmstädter Buchhandlungen die „Arbeitsgemeinschaft Darmstädter Buchhandlungen“, eine in der Bundesrepublik einmalige Zusammenarbeit, die dem Publikum viele Jahre eine Jugendbuchmesse, den Vorlesewettbewerb, den Darmstädter Büchermarkt (1970-1995), einen großen Verkauf von Restauflagen und Mängelexemplaren vor dem Schloss auf dem Friedensplatz und regelmäßige literarische Veranstaltungen im Rahmen der Aktion Theaterfoyer geboten hatte. Durch veränderte Marktverhältnisse mussten diese Aktionen zum 31.12.1999 beendet werden. Im Herbst 2006 hat die zur Douglas Holding AG gehörende Buchhandelskette Thalia mit damals 137 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in DA in der Schuchardstraße und Ludwigsplatz eine Großflächenbuchhandlung mit 2.800 qm eröffnet.
Der Wettbewerb zwischen den Großbuchhandlungen, die Abwanderung zum Internet (vor allem Amazon) und die Entwicklung der  elektronischen Medien hat den traditionellen Buchhandel in eine Strukturkrise gestürzt und nachhaltig verändert.

Lit.: Esselborn, Karl: Aus der Geschichte des Darmstädter Buchhandels I + II. In: Darmstädter Zeitung 190 / Nr. 41, 19.06.1909; Herchenröder, Max: Darmstadt und seine Buchläden. In: Darmstädter Wochenschau, 1940/ Nr. 12/Dezember, S. 1f.; Wichmann-Wagner, Annerose: Des vielen Büchermachens ist kein Ende (Salomo). Der Darmstädter Buchhandel vorgestern, gestern, heute. In: Heiner, 1992/April, S. 5.; Bauer Press International, Anzeigen-Beilage. In: Darmstädter Echo, 27.11.1992; Bentlin schließt »Bücherland«. In: www.dafacto.de/artikel/kk04019, 24.01.2006; Adam Griesheimer wird 90 Jahre alt. In: Darmstädter Echo, 05.12.2012; Honold, Klaus: Bücher kaufen und über Bücher reden. Darmstadts älteste: Die Buchhandlung Schroth besteht seit zweihundert Jahren. In: Darmstädter Echo, 30.11.1998, S. 8; Honold, Klaus: Buchhandlung Schroth vor dem Ende. In: Darmstädter Echo, 23.01.2008, S. 12.