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Reinheimer, Druckerei

Friedrich Conrad Schüler gründete 1846 eine Steindruckerei in DA und leitete diese bis zu seinem Tod 1890. Danach übernahm die Druckerei sein Mitarbeiter Adam Mehlbrech, der jedoch schon vier Jahre später starb. 1894 ging die Druckerei auf einen weiteren Mitarbeiter über, auf Philipp Reinheimer (1853-1916), und hieß nun „F. C. Schüler Nachfolger Ph. Reinheimer“, der Standort war Grafenstraße 17. Seither ist die Druckerei in Familienbesitz. 1903 erfolgte der Umzug in die Georgenstraße 9 (heute Gagernstraße) und 1906 die Umbenennung der Firma in „Ph. Reinheimer, Lithographie und Steindruckerei“, bald darauf wurde auch Buchdruck ausgeführt. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der Sohn Peter (1883-1941) 1916 den Betrieb, wegen des Ersten Weltkriegs führte jedoch seine Frau Elisabeth das Geschäft bis 1918. In den 1920er Jahren erfolgte die Umbenennung in „Ph. Reinheimer, Buch- und Steindruck“, 1934 wurde ein Erweiterungsbau für die Satzabteilung errichtet. Nach dem Tod Peter Reinheimers 1941 führte wieder Elisabeth Reinheimer den Betrieb bis zur völligen Zerstörung in der Brandnacht.

Nach Kriegsende erhielt sie 1945 keine Druckereilizenz von der US-Militärregierung, daher ging der Betrieb als Schenkung an ihren Sohn Karl Heinz (1921-1986) über, der 1940 bis 1942 in München die Meisterschule für Buchdrucker absolviert hatte. Nach Kooperationen mit anderen Druckereien konnte Karl Heinz Reinheimer Anfang 1946 mit gebrauchten Maschinen und zehn Mitarbeitern in seinem Wohnhaus am Stadtrand und in der notdürftig reparierten Druckerei den Betrieb aufnehmen. Gleichzeitig übernahm er bis 1947 die kommissarische Leitung einer Druckerei in Reutlingen, den Grafiker Helmut Lortz an seiner Seite. Bis zur Währungsreform 1948 konnte Reinheimer wieder eine komplette Druckerei in der Gagernstraße installieren, danach erfolgte rasch der Wiederaufbau. 1949 gründete er mit einem Partner den Justus von Liebig Verlag, in dem das Kulturamt der Stadt seit 1950 die Darmstädter Schriften herausgibt. 1954 erwarb Reinheimer das Nachbargrundstück Gagernstraße 7, was ihm die Chance bot, einen kompletten Neubau (1956-57) zu errichten. 1960 ersetzte eine der ersten Offsetmaschinen in DA den Steindruck, ab 1970 erfolgte die Umstellung auf Fotosatz. Mit der Einstellung des nicht mehr zeitgemäßen Buchdrucks 1981 erfolgte auch die Umbenennung in „Ph. Reinheimer, Druckerei“. 1986 hatte Karl Heinz Reinheimer Vorbereitungen getroffen, den Betrieb zu seinem 65. Geburtstag an seinen 25-jährigen Sohn Thomas zu übergeben. Der Seniorchef starb jedoch zwei Monate zuvor. Der an der Fachhochschule für Druck in Stuttgart ausgebildete Thomas Reinheimer übernahm den Betrieb, leitet ihn seitdem und stellte ihn 1995 auf Desktop Publishing um. 2002 erfolgte ein Umbau der Druckereigebäude und eine umfassende Modernisierung der Drucktechnik. Seither wurden die Vorgänge der Druckvorstufe vollständig auf digitale Technik umgestellt, mehrere moderne Fünffarben-Druckmaschinen angeschafft und die Technik damit an die Anforderungen des modernen Digitaldrucks angepasst.