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Kirchenmusik

An der Stadtkirche war im Mittelalter nur der einstimmige gregorianische Choral einer Schola zu hören. Nach der Reformation (Kirchengeschichte) wurde die Kirchenmusik Aufgabe der Lateinschüler. Sie musizierten unter Leitung ihres Musiklehrers, des Kantors, ein- und mehrstimmig, und nicht nur die deutschen Gemeindelieder. Im 18. Jahrhundert wurden unter den Kantoren Georg Philipp Zahn und seinem Nachfolger Albrecht Ludwig Abele sonntäglich Kantaten aufgeführt. Nach 1771 stellte man diese Aufführungen ein. Die Orgelbegleitung des Gemeindegesangs ist wahrscheinlich erst um 1700 üblich geworden. In der Schlosskirche musizierten die aus Berufsmusikern (Sängern und Instrumentalisten) bestehende Hofkapelle und ausgewählte Pädagogschüler als Kapellknaben. Bedeutende Hofkapellmeister haben durch ihre Werke die Kirchenmusik am Landgrafenhof geprägt: Johann Andreas Herbst (tätig 1618-1623); Wolfgang Carl Briegel (tätig 1671-1709); Christoph Graupner (tätig 1709-1760, er schrieb 1.414 Kantaten) und der Vizekapellmeister Gottfried Grünewald. Die regelmäßigen Kantatenaufführungen endeten, als die Hofkapelle 1769 aufgelöst wurde. In den folgenden Jahrzehnten wurden gelegentlich Oratorien und Passionen im Kaisersaal (Schloss), seit 1801 regelmäßig am Karfreitag in der Stadtkirche aufgeführt. Der 1832 gegründete Musikverein führte dies weiter bis nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts gab es in den Kirchen DAs nur Orgelspiel (s.a. Orgeln). Bedeutend war als Organist und Orgelkomponist Christian Heinrich Rinck, tätig seit 1805 an der Stadtkirche und 1813 bis 1846 als Hoforganist an der Schlosskirche. Als das Interesse an Chormusik im 19. Jahrhundert wieder zunahm, wurden gemischte Chöre eingerichtet. An der St. Ludwigskirche entstand 1845 ein Kirchengesangverein (seit 1856 von Hofmusikus Mickler geleitet). 1874 wurde ein Kirchengesangverein an der Stadtkirche gegründet, den 1891 bis 1908 Arnold Mendelssohn dirigierte. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Borngässer, der hier 50 Jahre lang Organist und Chorleiter war. Auch an den übrigen Kirchen entstanden Kirchengesangvereine. An der Martinskirche hat Friedrich Noack 1920 bis 1950 zahlreiche Aufführungen veranstaltet. 1958 wurde an der Stadtkirche eine hauptamtliche Kirchenmusikerstelle eingerichtet und mit Hermann Unger besetzt. Es folgten weitere hauptamtliche Kirchenmusikerstellen. 2013 bestehen solche Stellen an der Stadtkirche (Christian Roß), Pauluskirche (Wolfgang Kleber), Auferstehungskirche Arheilgen (Burkhard Engelke), in Eberstadt (Stefan Mann) und an der St. Ludwigskirche (Jorin Sandau).

Lit.: Balz, Hans Martin: Zur Geschichte der Kirchenmusik in DA. In: Jahrbuch der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung, Darmstadt 1949–2004, Bd. 32, 1981, S. 93-107.