Stadtlexikon Darmstadt

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Kirchtannensiedlung
Kirchtannensiedlung um 1958, Stadtarchiv Darmstadt

Wohnsiedlung im Süden Eberstadts, die zwischen 1946 und 1958 auf dem demilitarisierten Gelände einer Heeresmunitionsanstalt („MUNA") errichtet wurde. Die Initiative für das Siedlungsprojekt ging auf den Eberstädter Ortsverwalter Fritz Dächert zurück, dem OB Ludwig Metzger 1945 die Verantwortung für die Räumung und Verwertung der ehemaligen MUNA übertragen hatte. Der Bau der Siedlung erfolgte in drei Abschnitten mit unterschiedlichen Haustypen: Bis April 1949 entstand zunächst ein Carrée aus 40 Siedlerhäusern zwischen Fritz-Dächert-Weg, Nußbaumallee, Stockhausenweg und Eschelkopfweg. Die ersten Siedler kamen in den Genuss niedriger Grundstückspreise, ferner durften sie das vorhandene Baumaterial der MUNA ausschlachten. Als zweiter Bauabschnitt, für den der erste Spatenstich am 22.05.1949 in Anwesenheit des hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock erfolgte, wurden bis 1958 die Wohnblocks im Westen der Siedlung errichtet. Gleichzeitig genehmigte man den Bau weiterer Siedlerhäuser südlich des Eschelkopfwegs. Die Bauträgerschaft für die großen Wohnblocks lag beim Bauverein für Arbeiterwohnungen, die Eberstädter Ortsverwaltung sorgte für Arbeitsorganisation und Auswahl der Mieter. Ein von der Ortsverwaltung aufgelegtes Selbsthilfe- und Sparprogramm, das die zukünftigen Mieter auch zur praktischen Mitwirkung am Bau verpflichtete, galt als vorbildlich für die Bewältigung der akuten Wohnungsnot in der Nachkriegszeit. Der Wohnraum der Kirchtannensiedlung stand anfänglich bevorzugt den vom Zweiten Weltkrieg hervorgerufenen Problemgruppen des Wohnungsmarkts zur Verfügung, d. h. Ausgebombten, Heimatvertriebenen und Ostzonenflüchtlingen. Für Letztere legte in den frühen 1950er Jahren auch die Nassauische Heimstätte ein Bauprogramm in der Kirchtannensiedlung auf. Mittlerweile gelten die Wohnblocks der Kirchtannensiedlung als nicht mehr mit den Ansprüchen des zeitgenössischen Wohnungsmarkts kompatibel. Der Bauverein als ihr heutiger alleiniger Eigentümer plant daher ab 2006 ihren sukzessiven Austausch gegen zeitgemäße Neubauten.