Stadtlexikon Darmstadt

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Dächert, Fritz
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Kommunalpolitiker
* 19.01.1902 Eberstadt
† 08.11.1963 DA-Eberstadt
Der jüngste Sohn des Eberstädter Maurermeisters und Bauunternehmers Georg Dächert erlernte in der Eberstädter Eisenfabrik Riesterer das Maschinenschlosserhandwerk und arbeitete 1920 bis 1927 bei der Darmstädter Maschinenfabrik MODAG (Maschinen- u. Apparatebau). Eine in dieser Zeit stattfindende Politisierung führte ihn in die Gewerkschaftsbewegung und zur Sozialdemokratie. Nach außerberuflicher Fortbildung übte er seit 1927 den Beruf eines Arbeitsvermittlers aus, zuerst beim Arbeitsamt DA und seit 1930 als Leiter der Arbeitsamtsnebenstelle Bensheim. In Eberstadt wählte man ihn 1929 zum 1. Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins, während der letzten Jahre der Weimarer Republik führte er ferner die örtlichen Ableger der republikanischen und antifaschistischen Verbände „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ und „Eiserne Front“. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und dem Verbot der SPD verlor Dächert 1933 seine berufliche Stellung sowie alle Parteiämter. Es folgte die berufliche Neuorientierung als Handelsvertreter und 1937 die Dienstverpflichtung in die Rüstungsproduktion der Firma Opel in Rüsselsheim. Trotz wiederholter Repressionen blieb Dächert während der Gesamtdauer des Dritten Reichs ein unbeugsamer Gegner des Nationalsozialismus.

Nach dem Einmarsch der US-Armee in DA ernannte ihn OB Ludwig Metzger mit Wirkung vom 02.04.1945 zum Bezirksverwalter in Eberstadt. Von 1948 bis 1963 war Dächert Mitglied der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung und arbeitete in deren Liegenschafts-, Rechts- und Bauausschüssen mit. Als Bezirksverwalter und Stadtverordneter der SPD hat er sich namentlich für den Aufbau der Kirchtannensiedlung, des Mühltalbads und der Ludwig-Schwamb-Schule (Schulwesen) eingesetzt. Auch die Wiederbelebung der Eberstädter Kirchweihtradition nach 1945 wird mit seinem Namen in Verbindung gebracht. Dächerts Bekenntnis zum christlichen Glauben fand aktiven Ausdruck in seinem Engagement als Kichenvorstand der ev. Dreifaltigkeitsgemeinde (Ev. Kirchengemeinden) und in der amtlichen wie privaten Unterstützung der Ev. Marienschwesternschaft. In der Eberstädter Kirchtannensiedlung wurde Ende 1963 eine Straße nach Dächert benannt (Fritz-Dächert-Weg, ehem. Am Eichen).

Lit.: Metzger, Ludwig: In guten und in schlechten Tagen. Berichte, Gedanken und Erkenntnisse aus der politischen Arbeit eines aktiven Christen und Sozialisten, Darmstadt 1980.