Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Metzger, Ludwig
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Jurist, Politiker, OB
* 18.03.1902 Darmstadt
† 13.01.1993 Darmstadt
Ludwig Metzger ist in DA vor allem als erster OB der Nachkriegszeit in Erinnerung geblieben. Von 1945 bis 1951 führte er mit großer Kraft und Entschlossenheit und gemeinsam mit vielen engagierten Mitarbeitern die Stadt durch die ersten Nachkriegsjahre und trieb den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbau voran. Metzger war der erste Sohn eines Wagenwärters im großherzoglich-hessischen Marstall und wuchs in DA auf. Nach Volksschule und Ausbildung beim Kreisamt DA holte Metzger das Abitur nach und studierte Rechtswissenschaften. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für die politischen Fragen seiner Zeit und wollte aus christlichen und sozialistischen Idealen heraus an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken. So engagierte er sich in einem ev. Jugendbund, ab 1929 im Bund der religiösen Sozialisten Deutschlands und ab 1932 in der SPD. Die NS-Zeit verbrachte der aus dem Staatsdienst entlassene Metzger vorwiegend als Rechtsanwalt in DA. Er war in der Bekennenden Kirche aktiv und setzte sich für Verfolgte des NS-Regimes ein. Um selbst einer befürchteten Verfolgung zu entgehen, war Metzger ab Januar 1943 bis März 1945 als Leiter der Rechtsabteilung bei der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand-Gesellschaft (D.U.T.) in Luxemburg tätig.

Nach Kriegsende war er neben seiner Tätigkeit als OB u. a. Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung Groß-Hessens und ab 1946 Mitglied des Hessischen Landtags. Von 1951 bis 1953 widmete er sich als hessischer Minister für Erziehung und Volksbildung vor allem der Schulpolitik und legte mit seinen Schulgesetzen den Grundstein für eine Neuorganisation des hessischen Schulwesens. Von 1953 bis 1969 vertrat Metzger als Direktkandidat den Wahlkreis DA-Stadt im Deutschen Bundestag. Hier engagierte er sich besonders bei der Neuordnung des Familienrechts und in der Wehr- und Sicherheitspolitik. Über seiner Arbeit stand stets das Bekenntnis zur deutschen Wiedervereinigung und zur Erhaltung des Friedens. Als Sozialdemokrat setzte er sich besonders für eine Annäherung von Ev. Kirche und SPD ein. Besonders wichtig war ihm das Ziel eines vereinten Europas. Seit Gründung des Europäischen Parlaments 1958 war er zwölf Jahre lang dessen Mitglied. Parallel zu seiner politischen Arbeit widmete sich Metzger als Synodaler der EKHN und der EKD der Kirchenpolitik. Wegen seiner Verdienste um die Demokratie wurde Metzger vielfach geehrt, u. a. mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen und dem Darmstädter Ehrenbürgerrecht (1976). Seit März 1998 trägt der Platz vor dem Justus-Liebig-Haus seinen Namen, seit 1999 verleiht die Sparkasse DA den nach ihm benannten Ludwig-Metzger-Preis. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA.

Lit.: Király, Susanne: Ludwig Metzger – Politiker aus christlicher Verantwortung, Darmstadt 2004; 146-149.