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Martinskirche
Martinskirche und Pfarrhaus kurz nach der Einweihung 1885, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die Martinskirche in der Heinheimer Straße – der Name erinnert an Martin Luther und an den Hl. Martin von Tours – entstand 1883 bis 1885 nach dem Entwurf des dänischen, in Frankfurt/Main wohnhaften Architekten Aage von Kauffmann (1852-1922). Die Finanzierung der Kirche mit ihren 700 Sitzplätzen sowie des angrenzenden Pfarrhauses sicherte mit einer großzügigen Spende der Privatgelehrte und Mäzen Max Rieger. Der historistische Entwurf Kauffmanns griff Elemente aus mehreren Epochen der Baukunst auf: Kirchenfenster, Gesimse und Arkaden zeigen Elemente aus der frühen Gotik, die Westfassade erinnert an mittelalterliche Profanbaukunst und wurde mit ihrer reichen Profilierung auch als überladen bewertet. Die Kirche stellt im Grundriss ein Kreuz dar und zeigt in ihrem Gesamtaufbau die klassische Form des romanischen und gotischen Kirchenbaus. Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung standen die Kirche und das gleichzeitig errichtete Pfarrhaus am Nordostrand der damaligen Bebauung. Der 1907 nach dem Stifter der Kirche benannte Riegerplatz entstand erst Jahre später durch die fortschreitende Bebauung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Martinskirche weitgehend zerstört. Es standen nur noch die Außenmauern und der massive Teil des Turms, außerdem blieben die Gewölbe von Taufkapelle und Chor erhalten. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1946 bis 1951 durch die Architektin Otti Reinheimer nach Plänen von Karl Gruber in vereinfachter Form. Der Turm mit seinem einfachen Satteldach konnte erst 1959 endgültig wieder hergestellt werden. 1998/99 wurde die Kirche unter Rückbesinnung auf den neugotischen Entwurf renoviert. Der Innenraum der Martinskirche entfaltet heute eine kontrastreiche Wirkung des in einfachen Formen gestalteten Kirchenschiffs gegenüber der ornamentreichen Architektur des Chors. Zu den besonderen Ausstattungsstücken zählen die Taufkapelle mit dem achteckigen Taufbecken, die Statue Martin Luthers, ein Werk des Bildhauers Friedrich August Drach (1851-1904), sowie der Chorraum mit dem Sandsteinaltar aus der Erbauungszeit und den Glasfenstern von Max Lüder (1889-1952) und Heinz Hindorf (1909-1990).

Lit.: Peter Engels: Führer durch die Martinskirche in Darmstadt, Darmstadt 2015.