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Museum Künstlerkolonie Darmstadt (MKKD)
Eröffnung des Museums Künstlerkolonie 1990, Foto: Roland Koch, Stadtarchiv Darmstadt

Mit einem Symposium zum Thema „Aufbruch zur Moderne“ ist am 05.05.1990 das Museum Künstlerkolonie DA feierlich eröffnet worden. Seither repräsentiert und dokumentiert das Museum die knapp 15-jährige Geschichte der Künstlerkolonie DA und gibt mit einer Dauerausstellung einen Überblick über das kreative und avantgardistische Schaffenswerk ihrer insgesamt 23 Mitglieder von den Anfängen um 1900 bis zu ihrem abrupten Ende während des Ersten Weltkriegs. Benannt nach seinem Bauherren, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, gilt das Ernst-Ludwig-Haus als eines der Schlüsselwerke der Jugendstil-Architektur. Nach den Plänen des Wiener Architekten Joseph Maria Olbrich, eines der Gründungsmitglieder der Künstlerkolonie DA, wurde das Atelier- und Ausstellungsgebäude zur ersten, 1901 veranstalteten Ausstellung „Ein Dokument Deutscher Kunst“ errichtet. Zu dieser Zeit wohnten im Untergeschoß die jüngsten Mitglieder der Künstlerkolonie Paul Bürck (20 Jahre) und Patriz Huber (21 Jahre). Das durch Bombenangriffe im September 1944 stark beschädigte Bauwerk wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1951 in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Es wurde seitdem für kulturelle Zwecke genutzt und beherbergte im Laufe der Jahre die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, das Bauhaus-Archiv, den Bundesverband des Deutschen Werkbundes und den Erasmus-Verlag. Auf Initiative der Stadt DA wurde das in einem vernachlässigten Zustand befindliche Gebäude 1984 bis 1990 schrittweise zu einem zeitgemäßen Museum denkmalpflegerisch umgebaut.

Die symmetrisch aufgebaute Südseite des Ateliergebäudes, mit den weiß verputzten Wandflächen, gliedert sich in drei Abschnitte. Der Mittelpunkt dieser monumental anmutenden Südfront bildet der mit Stuckornamenten reich dekorierte Omega-förmige Portalbogen, flankiert von einer männlichen und einer weiblichen monumentalen Kolossalfigur des Bildhauers Ludwig Habich. Die beiden Siegesgenien am Eingang erschuf Rudolf Bosselt. Im Kontrast zu dem Mittelportal steht der flach gedeckte Vorbau mit seiner ornamentlosen Fassade. Die Unterseite des Holzdaches des Gebäudes wird von einer feinen Blumenornamentik durchzogen. Mit dem Ernst-Ludwig-Haus und seinem großen Empfangsraum verwirklichte Joseph Maria Olbrich seine symbolische Absicht einen Tempel als kultisches Zentrum des Lebens und der Arbeit zu schaffen. Das Ernst-Ludwig-Haus nimmt bis heute eine herausragende Stellung auf der Mathildenhöhe ein und galt als das Hauptexponat der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie.

Die zentrale Grundidee der Künstlerkolonie war es, Kunst und Handwerk durch moderne, innovative Architektur- und Wohnvorhaben in Einklang zu bringen, einhergehend mit der wirtschaftlichen Förderung der hessischen Industrie sowie dem Setzen ästhetischer Akzente zur Bereicherung des täglichen Lebens. So wurden von den Künstlerkolonie-Mitgliedern in kürzester Zeit nicht nur zahlreiche Gebäudekomplexe geplant und errichtet, sondern auch die dazugehörige Innendekoration und Raumausstattung entworfen und zumeist in Kooperationen mit lokalen und regionalen Firmen (darunter Villeroy & Boch, Christofle & Cie, Hofmöbelfabrik Julius Glückert und Hofmöbelfabrik Ludwig Alter) ausgeführt. Dabei entstanden Gesamtkunstwerke, in denen jedes Detail künstlerisch miteinander verzahnt war.

Die Präsentation im Museum Künstlerkolonie vereint Malerei, Skulptur, Grafik, Architekturmodelle, Möbel, Textilien, Buchkunst, Porzellan, Schmuck und Goldschmiedearbeiten von den Mitgliedern der Künstlerkolonie DA. Gezeigt werden Meisterwerke von Künstlern wie Peter Behrens, Hans Christiansen, Bernhard Hoetger oder Joseph Maria Olbrich, chronologisch aufgebaut nach den vier großen Ausstellungen auf der Mathildenhöhe in den Jahren 1901, 1904, 1908 und 1914. Mit räumlichen Gesamtensembles wie dem Speisezimmer für das Berliner Kaufhaus Wertheim von Peter Behrens wird die Idee des Gesamtkunstwerks als Ideal der Jugendstilbewegung in der Sammlungspräsentation erlebbar gemacht. Neben der Ständigen Sammlung bieten die Bildhauerateliers im Untergeschoss des Museums zusätzlichen Platz für kulturhistorische Präsentationen und Sonderausstellungen auch zu aktuellen Kunstpositionen. So können Dialoge zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart entstehen.

Lit.: Bahnschulte, Ina / Wolbert, Klaus: Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt 1899-1914. Das Buch zum Museum, Darmstadt 1999.