Stadtlexikon Darmstadt

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Hoetger, Bernhard

Bildhauer, Architekt, Maler, Grafiker, Designer
* 04.05.1874 Hörde/Westfalen
† 18.07.1949 Interlaken
Bernhard Hoetger arbeitete als technischer Leiter einer Kunsttischlerei, bevor er 1898 in die Düsseldorfer Kunstakademie aufgenommen wurde. Als Schüler von Karl Janssen studierte er Bildhauerei, daneben auch Architektur. Als Stipendiat reiste er im Jahr 1900 zur Weltausstellung nach Paris, wo er mit dem Werk Auguste Rodins konfrontiert wurde. Spontan beschloss er zu bleiben, nahm dafür anfangs große materielle Not auf sich. Unter dem unmittelbaren Eindruck des „art nouveau“ und der impressionistischen Bildnerei Rodins fertigte Hoetger erste Kleinplastiken (u. a. Darstellungen der Tänzerin „Loïe Fuller“ sowie schwer arbeitender Menschen), die als Bronzegüsse von der renommierten Kunsthandlung „La Maison Moderne“ vertrieben wurden. Durch Besuche der Pariser Museen verschaffte sich Hoetger in zeittypischer Weise einen Überblick über die Kunst verschiedener Zeiten und Völker und gewann dadurch einen „Vorrat“, aus dem er in seinem späteren Schaffen schöpfte. Unterstützt von seinem ersten Mäzen und Auftraggeber, dem Bankier und Kunstsammler Baron August von der Heydt, den er in Paris kennen gelernt hatte, kehrte Hoetger 1907 nach Deutschland zurück. Durch die Vermittelung von der Heydts lernte Hoetger den großherzoglich hessischen Kabinettschef Gustav von Römheld kennen, der 1908 bei ihm eine weibliche Halbfigur – den sogenannten „Darmstädter Torso“ für Großherzog Ernst Ludwig bestellte.

1911 wurde Hoetger vom Großherzog an die Künstlerkolonie berufen. Während der Zeit in DA erhielt er den Auftrag, anlässlich der 1914 geplanten dritten Ausstellung der Künstlerkolonie den Platanenhain zu gestalten. Hierfür entstand eine Reihe von Figuren und Reliefs, in denen Hoetger seine zum Gesamtkunstwerk strebende Geistigkeit zum Ausdruck brachte. Ein weiteres Hauptwerk der Darmstädter Zeit ist der 15 allegorische Figuren umfassende Zyklus der „Licht- und Schattenseiten“. 1914 ließ sich Hoetger in Worpswede nieder. Hier entstand in der Folgezeit eine Vielzahl von bildnerischen, architektonischen, kunsthandwerklichen, malerischen und (gebrauchs-)grafischen Werken. Mäzene wie Hermann Bahlsen in Hannover und Ludwig Roselius in Bremen sorgten dafür, dass Hoetger bis in die 1930er Jahre zu den am meisten beschäftigten Künstlern in Deutschland gehörte. Zur Erinnerung wurde 1973 in DA auf der Mathildenhöhe der Hoetgerweg nach ihm benannt.

Lit.: Maria Anczykowski (Hrsg.): Bernhard Hoetger. Skulptur, Malerei, Design, Architektur. Katalog Kunstsammlungen Böttcherstraße, Bremen 1998; Wehner, Dieter Tino: Bernhard Hoetger. Das Bildwerk 1905 bis 1914 und das Gesamtkunstwerk Platanenhain zu Darmstadt, Alfter 1994; Beil, Ralf / Gutbrod, Philipp: Bernhard Hoetger – Der Platanenhain. Katalog, hrsg. vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt, München 1913; Groth, Katharina / Herrmann, Björn: Bernhard Hoetger. In: Groth, Katharina (Hrsg.): Mythos und Moderne. 125 Jahre Künstlerkolonie Worpswede. Köln 2014, S. 89-96.