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Platanenhain
Platanenhain um 1960, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Der Platanenhain wurde nach 1833 auf der Mathildenhöhe als Teil eines öffentlichen Parks angelegt. Die in acht Längsreihen und dreiundzwanzig Querreihen gepflanzten Platanen bilden ein etwa 40 x 125 Meter großes Rechteck, das sich heute am Fuße des Hochzeitsturms und nördlich der Russischen Kapelle erstreckt. Für die Ausstellung der Künstlerkolonie 1914 wurde der Platanenhain auf Vorschlag Albin Müllers von Bernhard Hoetger künstlerisch ausgestaltet. Für das umfassende Figurenprogramm wählte der Bildhauer als übergreifendes Thema den immerwährenden Kreislauf des Lebens, das Werden und Vergehen in der Natur. Die Hauptgruppe bildet die am westlichen Ende des Platanenhains platzierte „Sterbende Mutter mit Kind“ – ein der im Kindbett gestorbenen Malerin Paula Modersohn-Becker gewidmetes Denkmal. Zur weiteren Ausstattung gehören vier allegorische Reliefs mit den Bezeichnungen „Schlaf“, „Auferstehung“, „Frühling“ und „Sommer“, sieben an gotische Statuen erinnernde Krugträgerinnen mit porträthaften Zügen, eine Brunnenanlage mit Frauenfiguren und Wasserspeiern sowie vierzehn Pflanzgefäße. Der Eingang an der Südseite wird von zwei bronzenen Wildkatzen auf hohen Postamenten – einem „Silberlöwen, den Tag tragend“ und einem „Leoparden, die Nacht tragend“ – bewacht. Die zu den Plastiken und Reliefs gehörenden Inschriften – altägyptische und indische Verse sowie die Anfangsstrophe des Gedichts „Gesang der Geister über den Wassern“ von Johann Wolfgang von Goethe – sind Teil des künstlerischen Gesamtprogramms, das sich der Symbolkraft des Wassers bedient. Von Efeu umrankte Spaliere bildeten ursprünglich rechteckige Nischen für die Gusssteinfiguren, deren Originalfarbfassungen nicht erhalten sind.

Lit.: Wehner, Dieter Tino: Bernhard Hoetger. Das Bildwerk 1905-1914 und das Gesamtkunstwerk Platanenhain zu Darmstadt, Alfter 1994; Wehner, Dieter Tino: Die Ausschmückung des Platanenhains in Darmstadt. In: Anczykowski, Maria (Hrsg.): Bernhard Hoetger. Skulptur, Malerei, Design, Architektur, Bremen 1998, S. 46-53.