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Pleser, Hefefabrik

Josef Pleser (1868-1931), der Gründer der gleichnamigen Hefefabrik in Eberstadt, entstammte ursprünglich einer Müllerdynastie aus dem Kreis Mayen an der Mosel. Nach der Auszahlung seines väterlichen Erbes eröffnete er in Frankfurt/Main zunächst eine Backwarenfabrik. Auf Anregung der Frankfurter Bäckerinnung stieg er jedoch auf die Hefeproduktion um und erwarb hierzu am 06.04.1906 die kaum zwei Jahre alte Eberstädter Hefefabrik am Güterbahnhof. Der geschäftliche Erfolg der jungen Firma und die damit verbundene Ausweitung der Produktion zwangen bereits 1914/15 zu einem grundlegenden Neubau der Fabrikanlagen. Neben den üblichen Backhefen produzierte die Firma v. a. Spezialhefen für die chemisch-pharmazeutische und die Nahrungsmittelindustrie. Als Verschlussbrennerei der staatlichen Monopolverwaltung galt Pleser zeitweise als größter Spiritushersteller Hessens. Der Erwerb der Lucullus Backmittelfabrik Müller & Co. im Jahr 1965 festigte Plesers Spitzenposition unter den konzernunabhängigen Produzenten für Hefen und Backhilfsmittel. Nur die in den 1960er Jahren versuchsweise begonnene Lizenzherstellung der Orangenlimonade „Tropi“ verlief nicht gewinnbringend und wurde daher schon nach Kurzem wieder eingestellt.

Die jüngere Unternehmensgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg stand nach außen ganz im Zeichen einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit den Umweltschutzbehörden, da von der Firma mitunter gravierende Geruchsbelästigungen für die Wohngebiete im Südwesten Eberstadts ausgingen und ihre Abwässer die kommunale Kläranlage über Gebühr belasteten. Auch die Errichtung einer firmeneigenen Kläranlage und die Abkoppelung vom Eberstädter Klärwerk im Jahr 1986 brachten keinen dauerhaften Fortschritt. Als die Stadt DA 1989 die Grenzwerte für die Schadstoffbelastung der Modau erneut senkte, sah das Unternehmen keine Zukunft mehr für die Hefeproduktion in Eberstadt und verlegte die Produktion komplett nach Monheim am Rhein (bei Düsseldorf). In Eberstadt verblieben danach nur noch der Vertrieb und die Verwaltung. Pleser gilt als Musterbeispiel eines Familienunternehmens, in dem die Leitung von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Von dem Firmengründer übernahmen 1931 dessen Söhne Ernst (1905-1994) und Josef (1900-1968) die Leitung der Firma, die gegenwärtige Generation an der Firmenspitze wird von Ingo Pleser repräsentiert. Über das rein Geschäftliche hinaus spielten verschiedene Mitglieder der Familie Pleser auch eine Rolle im gesellschaftlichen und politischen Leben DAs. Der Chemiker Josef Pleser war von 1928 bis 1933 Gemeinderat und Kirchenvorstand der Kath. Pfarrgemeinde St. Josef in Eberstadt, von 1936 bis 1963 gehörte er dem Diözesankirchenvorstand an. Sein Bruder, der Jurist Ernst Pleser, trat als Aufsichtsrat der Bundesvereinigung der deutschen Hefeindustrie hervor. Josef Pleser Seniors Schwiegersohn Franz Scholles (1897-1959) war als studierter Maschinenbauer seit 1934 für die technischen Belange der Firma Pleser zuständig, als Kommunalpolitiker gehörte der spätere Darmstädter Stadtrat 1945 zu den Mitbegründern der CDU-Ortsvereine in DA und Eberstadt. Seine Ehefrau Grethe Scholles (1897-1972) leitete seit 1946 den Kath. Deutschen Frauenbund.