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Georg I. Landgraf von Hessen-Darmstadt
Landgraf Georg I., Zeichnung von Peter App, 1841, Stadtarchiv Darmstadt

* 10.09.1547 Kassel
† 07.02.1596 Darmstadt
Georg wurde als jüngstes der zehn Kinder Landgraf Philipps des Großmütigen und seiner ersten Frau Christina von Sachsen in Kassel geboren und nach dem frühen Tod seiner Mutter 1549 in Dresden erzogen, da sein Vater bis 1552 in Gefangenschaft saß. Nach dessen Entlassung kehrte Georg nach Kassel zurück. Er war gerade 20 Jahre alt, als er 1567 ein Achtel der gesamten Landgrafschaft Hessen erbte, nämlich die Obergrafschaft Katzenelnbogen mit 5 Ämtern, 78 Orten und rund 21.000 Bewohnern. Das Gebiet reichte von Rüsselsheim und dem Untermain bis nach Bensheim-Auerbach und vom Rhein bis in den vorderen Odenwald. In wenigen Jahrzehnten verwandelte Georg I., der großes ökonomisches und organisatorisches Talent besaß, dieses vernachlässigte und unterentwickelte Gebiet in ein blühendes Territorium. Er reformierte die Landesverwaltung durch die Schaffung neuer zentraler Behörden und Gerichtsinstanzen und führte Verbesserungen in der Land-, Vieh- und Forstwirtschaft ein, z. B. die neue Futterpflanze Klee, welche die allmähliche Umstellung von Weide- auf Stallfütterung und damit die Intensivierung der Viehhaltung ermöglichte. Auch der Weinbau wurde von Georg durch Einführung neuer Reben gefördert. Er begann mit der Aufforstung von früheren Laubwaldungen, Ödflächen und Krüppelwäldern mit Nadelholzkulturen. Die heutigen Nadelholzwälder südlich und westlich DAs, Bessungens und Eberstadts stammen alle aus seiner Regierungszeit. Georg ließ überall im Land Teiche anlegen, die nicht nur den großen Fischbedarf deckten, sondern auch als Regenrückhaltebecken, Feuerlöschteiche und zur Berieselung von Feldern und Wiesen dienten, ihr Schlammboden zur Düngung der Felder. Den Großen Woog vollendete er und auch der Steinbrücker Teich und der Judenteich gingen auf seine Initiative zurück.

Das Gesicht der Residenz DA änderte sich seit 1567 nachhaltig. Der neue Herrscher baute das Schloss wieder auf und gestaltete es zu einer Residenz im Stil der Renaissance um. Der Herrngarten wurde neu angelegt. Mit acht Häusern am Ballonplatz begann 1590 die Anlage der ersten Alten Vorstadt zur Schaffung von Wohnraum für Hofbeamte und neu zugezogene Handwerker. Mit diesen und weiteren Bauvorhaben brachte Georg einer großen Zahl von Handwerkern in DA und Umgebung Beschäftigung und Lohn. Er verbesserte außerdem die städtische Wasserversorgung durch die Errichtung der Drei-Brunnen-Leitung. Das Gut Kranichstein baute er zu einem repräsentativen Jagdschloss aus. Georg I. verfolgte seine Projekte mit großer Hartnäckigkeit und setzte sie teilweise auch gegen den Willen seiner Ratgeber durch. Dies gilt auch für die Hexenverbrennungen (Hexenverfolgung), die er als einziger hessischer Landgraf anordnete. Zwischen 1582 und 1590 starben in DA 37 Menschen auf dem Scheiterhaufen. Georg war von der realen Existenz der Zauberei zutiefst überzeugt und ließ sich darin von niemandem abbringen. Seine letzten Lebensjahre waren von Schicksalsschlägen und Krankheiten gekennzeichnet. Seine Frau Magdalena zur Lippe, die ihm zehn Kinder gebar, starb 1587 im Alter von 35 Jahren. Die ganze Familie ist auf dem kunstvollen Epitaph zu sehen, das Georg I. 1589 in der Stadtkirche errichten ließ. Magdalenas Tod hat Georg nie überwunden, auch wenn er später noch einmal heiratete. Nach mehreren Schlaganfällen starb er, gelähmt und ohne sprechen zu können, im Alter von 48 Jahren. Seit 1903 erinnert die Landgraf-Georg-Straße an ihn, ebenso das 1845 von Johann Baptist Scholl d. J. geschaffene Denkmal in der Schlossdurchfahrt. Ein mannshohes Gemälde, vielleicht noch zu Lebzeiten entstanden, hängt im Schlossmuseum.

Lit.: Engels, Peter: Geschichte Bessungens, Darmstadt 2002 (Darmstädter Schriften 83, S. 64-75; Lohmann, Eberhard: Landgraf Georg I. und die Anfänge von Jagdschloß Kranichstein, Darmstadt 2003; Noack, Winfried: Landgraf Georg I. von Hessen und die Obergrafschaft Katzenelnbogen (1567–1596), Darmstadt 1966.