Stadtlexikon Darmstadt

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Katzenelnbogen, Grafen von
Philipp v. Katzenelnbogen verleiht dem Jäger Wenzel ein Haus und weitere Einkünfte zu Darmstadt. Dafür wird Wenzel dem Grafen lebenslänglich als Jäger dienen (5. Juni 1463; StAD).

Die anhand von Quellen nachvollziehbare Geschichte DAs im Mittelalter beginnt mit der Übernahme der Herrschaft durch die Grafen von Katzenelnbogen, die seit dem späten 12. Jahrhundert den ehemaligen Königshof Groß-Gerau als Lehen der Bischöfe von Würzburg besaßen. Zu diesem Königshof gehörten Bessungen, Nieder-Ramstadt und weitere Orte, vermutlich auch DA. Einen weiteren Besitzkomplex besaßen die Grafen von Katzenelnbogen seit der Mitte des 12. Jahrhunderts um Zwingenberg und Auerbach herum. Auf diese Erwerbungen fußend errichteten sie im 13. Jahrhundert eine größere Herrschaft zwischen Rhein, Main und Odenwald, die später so genannte Obergrafschaft Katzenelnbogen (im Gegensatz zur Niedergrafschaft im Taunus, an Rhein und Lahn). Diese sicherten sie durch drei Stützpunkte: die Burgen Lichtenberg (erstmals erwähnt 1228), Auerbach (1246/47) und DA (1232). Die Grafen konnten ihre Herrschaft, zu der auch Rüsselsheim, Groß-Gerau mit Dornberg und Reinheim gehörten, im 13. und 14. Jahrhundert gegen die Widerstände anderer Adelsgeschlechter wie der Herren von Falkenstein (Arheilgen), Bickenbach, Erbach und Frankenstein ausbauen. Eingeteilt war das Gebiet in acht Verwaltungsbezirke, die „Zenten“, die neben gerichtlicher und administrativer Funktion auch das militärische Aufgebot zu stellen und zu mustern hatten. DA und Bessungen bildeten eine gemeinsame Zent, weitere Zentorte waren Pfungstadt (zu dem Eberstadt gehörte) und Arheilgen. Hauptort der Obergrafschaft war zunächst die Burg Auerbach, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts DA, spätestens seit das Darmstädter Schloss ab 1360 zu einer Nebenresidenz ausgebaut worden war. Die Hauptresidenz und Verwaltungszentrale der Grafen von Katzenelnbogen war die Festung Rheinfels über St. Goar am Rhein. Von hier aus wurden die gesamte Grafschaft und auch die Niedergrafschaft regiert, die im Wesentlichen den westlichen Taunus an der unteren Lahn und am Mittelrhein mit den Burgen Hohenstein, Katzenelnbogen, Reichenberg und Burgschwalbach umfasste.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts stiegen die Grafen von Katzenelnbogen unter Johann V. (1402-44) und Philipp d. Ä. (1444-79) zu einem der mächtigsten und einflussreichsten Adelsgeschlechter im Deutschen Reich auf. Entscheidend dafür war neben den reichen Einkünften vor allem aus den Rheinzöllen, dass sich mit Johann IV. das Grafengeschlecht – um 1260 in zwei Linien geteilt – 1402 wieder vereinte und die Grafschaft in einer Hand war. Im 15. Jahrhundert war Rheinfels durchgehend die Hauptresidenz, während sich DA zur ständigen Nebenresidenz entwickelte. Ein Ausbau im größeren Maße erfolgte nach der Zuweisung DAs als Witwensitz durch Graf Wilhelm II. (1331-1385) für seine Frau Else von Hanau (1360). Wilhelm ließ das Darmstädter Schloss bis 1375 zur Residenz ausbauen. Nach seinem Tod 1385 bezog Gräfin Else ihren Witwensitz und war bis zu ihrem Tod, der 1396 oder kurz danach erfolgte, Stadtherrin von DA. 1400 bis 1402 residierte Junggraf Johann (ab 1402 Johann IV.) mit seiner Gattin Anna im Darmstädter Schloss.

Die Höfe der Grafen von Katzenelnbogen entwickelten sich mit ihrer Prachtentfaltung zu kulturellen Zentren des späten Mittelalters. Hochzeiten, Taufen und andere Festlichkeiten wurden mit großem Prunk begangen. Wertvolle Bücherschätze befanden sich in Rheinfels und auch in DA. Sänger und Musikanten gingen ein und aus. Die engen Beziehungen der Grafen zu dem künstlerischen Leben ihrer Zeit und ihr damit verbundenes Mäzenatentum sind oft bezeugt. Walter von der Vogelweide lobte schon im frühen 13. Jahrhundert die Grafen von Katzenelnbogen als seine Förderer. Weitere Minnesänger begegnen in ihrem Umkreis. Im 15. Jahrhundert hatten die Grafen eigene Musiker, Sänger und Herolde, die bei Festen aufspielten, z. B. bei der mit ungeheurem Prunk 1422 in DA begangenen Hochzeit Philipps d. Ä. mit Gräfin Anna von Württemberg. Die Braut kam in einem sechsspännigen Reisewagen mit großem Gefolge und brachte wertvollste Kleidung, Schmuck, Tafelsilber, Teppiche u. a. mit in die Ehe. Das Paar nahm seinen Wohnsitz im Darmstädter Schloss. Hier wurden die drei Kinder Philipp, Eberhard und Anna geboren (1427, 1437, 1443). Von hier brach Philipp d. Ä. auch Mitte Juli 1433 zu seiner Pilgerreise in das Heilige Land auf, die ihn in den kommenden Monaten zu allen Heiligen Stätten der Christenheit führte. Nach dem Regierungsantritt Philipps d. Ä. (1444) wurde DA als Wohnsitz des Erbprinzen Philipps d. J. vorgesehen, der hier ab 1449 residierte. Dafür erfolgte ein erneuter Umbau des Schlosses. Die Zeit DAs als ständige Residenz endete jedoch bereits nach wenigen Jahren. Philipp d. J. starb 1453 in DA, vermutlich an Tuberkulose. Da sein Bruder Eberhard 1456 in Brügge erstochen wurde, starben die Grafen von Katzenelnbogen mit dem Tod Philipps d. Ä. 1479 in männlicher Linie aus, und die gesamte Grafschaft Katzenelnbogen fiel an den Schwiegersohn Heinrich III. von Hessen, der Philipps einzige Tochter Anna geheiratet hatte. Seit dieser Zeit sind die Obergrafschaft Katzenelnbogen (der Begriff wurde als Verwaltungsname beibehalten) und die Stadt DA hessisch.

Lit.: Demandt, Karl: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060–1486, 4 Bde., Wiesbaden 1953-1957 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 11).; Demandt, Karl E.: Rheinfels und andere Katzenelnbogener Burgen als Residenzen, Verwaltungszentren und Festungen 1350-1650, Darmstadt 1990.