Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Frankenstein, Herren von
Grabmal für Irmela von Cleen und Hans von Frankenstein in der Burgkapelle der Burg Frankenstein, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Begründet wurde die Familie der Herren von Frankenstein durch Konrad II. Reiz von Breuberg, der, um seinen Besitz und den seiner Ehefrau Elisabeth von Weiterstadt an der Bergstraße zu schützen, im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts die 1252 erstmals erwähnte Burg Frankenstein errichtete, nach der sich seine Nachkommen nannten. Die oft zitierten angeblich ersten Vertreter des Geschlechts Arbogast (948) und Vollprecht (968) von Frankenstein sind Erfindungen des Reichsherolds Matthias Rüxner aus dem 16. Jahrhundert. Ausgehend von ihrer Burg errichteten die Herren von Frankenstein südlich Eberstadts eine kleine Herrschaft, die zunächst die Orte Eberstadt, Nieder-Beerbach, Allertshofen und Ober-Beerbach mit Stettbach und Schmalbeerbach umfasste. 1443 kam noch Bobstadt hinzu. Von diesem Besitz waren die Burg, Nieder- und Ober-Beerbach altes Reichslehen, d. h. die Herren von Frankenstein unterstanden unmittelbar dem Kaiser. Hinzu kamen Rechte und Besitzungen in Erfelden, Weiterstadt, Pfungstadt, Griesheim, Bessungen und anderen Orten, dazu ein Stadthof in DA. In ihrer Herrschaftspolitik gerieten die Herren von Frankenstein bald in Konflikt mit den umliegenden größeren Herrschaften, v. a. mit den Grafen von Katzenelnbogen, deren Wohlwollen sie sich sicherten, indem sie den Grafen ihre Burg öffneten und als Burgmannen in die Dienste der Grafen traten. Konrad V. von Frankenstein (1431-1469) begleitete Philipp den Älteren von Katzenelnbogen 1433/34 auf seiner Reise ins Heilige Land. Außerdem war er Kaiserlicher Rat.

In einem Burgfrieden des Jahrs 1363 beschlossen die Herren von Frankenstein, die sich in zwei Linien geteilt hatten, eine gemeinsame Herrschaft auszuüben. Beide Linien wohnten gemeinsam auf der Burg Frankenstein. Dies führte wiederholt zu Streitigkeiten, die geschlichtet werden mussten. Die jüngere Linie starb 1602 mit dem kinderlosen Philipp Ludwig von Frankenstein aus. Hinsichtlich der Einkünfte war Eberstadt unter die beiden Linien aufgeteilt. Den Norden verwaltete der Schultheiß der jüngeren Linie, den Süden der der älteren. 15 Jahre lang widersetzten sich die Herren von Frankenstein der Einführung der Reformation in ihren Dörfern, und nachdem sich Philipp der Großmütige von Hessen in dieser Frage schließlich durchgesetzt hatte, blieb die Familie Frankenstein persönlich dem kath. Glauben treu und hatte auf der Burg einen eigenen Kaplan.

Die Frankensteiner waren die wichtigsten Grundbesitzer in Eberstadt und Nieder-Beerbach und Gerichtsherren über das Niedergericht. Die hohe Gerichtsbarkeit stand aber seit jeher den Grafen von Katzenelnbogen und später den Landgrafen von Hessen zu. Über die Frage der Ortsherrschaft über Eberstadt gab es deshalb dauernd Streit mit Hessen. Einer der Streitpunkte war der Guldenweinzoll, den Hessen in Eberstadt an der Straße von Pfungstadt nach DA erhob. Steuererhebungen der Landgrafen führten regelmäßig zu Protesten der Herren von Frankenstein. Ebenso stritt man sich über die Jagdrechte im Eberstädter Forst, über Mühlenrechte und über Baumaßnahmen. Die Frankensteiner suchten immer wieder Schutz beim Kaiser, dessen Lehnsleute sie waren. 1658 gerieten sie auch in Streit mit den Grafen von Schönburg, die als Erben der jüngeren Linie die Ortsherrschaft Eberstadt zum Teil innehatten. Dies hat vermutlich den Ausschlag gegeben, sich von dem Besitz zu trennen.

Im Februar 1661 verkaufte zunächst Graf Emanuel Maximilian von Schönburg seinen Anteil an Eberstadt an Georg II. Im Februar 1662 verkauften dann die sieben reichsfreiherrlichen Brüder zu Frankenstein ihre gesamte Herrschaft für 88.000 Gulden an Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt. Die Brüder Johann Friedrich und Johann Peter von Frankenstein kauften sich aus dem Erlös die freiadlige Herrschaft Seckendorf im fränkischen Ullstadt nordwestlich von Neustadt an der Aisch, wo die Familie, die 1670 in den Reichsfreiherrnstand erhoben wurde, bis heute ihren Wohnsitz hat. Eine Nebenlinie, die Gottfried von Frankenstein (1512-1567) auf frankensteinschem Besitz in Ockstadt in der Wetterau begründet hatte, vereinigte sich durch Heirat mit der Ullstädter Linie.

Lit.: Weißgerber, Wolfgang: Die Herren von Frankenstein und ihre Frauen, Darmstadt 1975; Battenberg, Friedrich: Burg und Herrschaft Frankenstein in vormoderner Zeit. In: AHG NF 60, 2002, S. 7-28; Vor 350 Jahren – Das Frankensteiner Land wird hessisch. Festschrift hrsg. vom Geschichtsverein Eberstadt/Frankenstein e.V., Darmstadt 2012; Kraft, Erich (Red.): Lesebuch zur Geschichte Frankenstein. Burg Herrschaft Familie, Darmstadt 2018.