Stadtlexikon Darmstadt

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Ludwig VI. Landgraf von Hessen-Darmstadt

* 25.01.1630 Darmstadt
† 24.04.1678 Darmstadt
Die Regierungszeit Ludwigs, der seinem Vater Georg II. 1661 in DA nachfolgte, stand noch ganz im Zeichen der Erholung von den Verheerungen des Dreißgjährigen Krieges. Gleich zu Beginn seiner Regierung, die deutlich von den Ideen seines Erziehers, des Staatstheoretikers Veit Ludwig von Seckendorff geprägt war, konnte er den kath. Reichsfreiherrn von Frankenstein, die nach Franken abwanderten, ihre Stammburg mit dem als Zugang zur Bergstraße wichtigen „Dorf und Flecken Eberstadt“ abkaufen. Überlieferte Pläne, die Residenz gegen künftige Kriegsgefahren durch einen Festungsring mit modernen Sternschanzen zu sichern, blieben auf dem Papier. Der Türkenkrieg, zu dem die Landgrafschaft 1663 das vom Kaiser angeforderte Kreis-Kontingent schickte, schien weit. Beim Durchmarsch der Franzosen unter Marschall Turenne, die 1674 das Auerbacher Schloss zerstörten, kam man noch mit dem Schrecken davon. Bauliches Zeugnis der Regierungszeit Ludwigs war der anstelle des abgerissenen Zeughauses am Schloss als neues Wohnquartier errichtete „Glockenbau“, der das Wappen der bereits 1665 verstorbenen Landgräfin Maria Elisabeth von Holstein trägt. Das in Amsterdam bestellte Glockenspiel war eine Erinnerung an die Bildungsreise des Erbauers nach Holland. Der frühe Tod des erstehelichen Sohns und Thronerben Ludwig VII. (1658-1678), der vier Monate nach dem Ableben des Vaters auf der Brautfahrt nach Sachsen verstarb, übertrug die Regierungsverantwortung für ein Jahrzehnt an die verwitwete zweite Ehefrau des Vaters, Landgräfin Elisabeth Dorothea als Vormünderin des künftigen Barock-Landgrafen Ernst Ludwig. Ludwig VI. wurde in der Fürstengruft der Darmstädter Stadtkirche beigesetzt.

Lit.: Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 16, S. 282-284.