Stadtlexikon Darmstadt

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Dreißigjähriger Krieg
Graf Ernst von Mansfeld (1580-1626), Stadtarchiv Darmstadt

Dieser Krieg, der von 1618 bis 1648 dauerte und eigentlich eine Abfolge mehrerer Kriege mit vielen beteiligten Nationen war, warf DA und das ganze südliche Hessen in ihrer Entwicklung um Jahrzehnte zurück. Nie vorher und nachher wurde die Bevölkerung durch marodierende Soldaten, durch Hunger und Seuchen so stark dezimiert. Besonders schlimm waren die Leiden der Menschen an oder in der Nähe der großen Durchgangsstraßen wie etwa der Bergstraße. Nach neueren Schätzungen geht man von Bevölkerungsverlusten im südlichen Hessen von bis zu 80 Prozent aus. In den Jahren 1618 bis 1621 spielte sich das Geschehen des Kriegs, der am 23.05.1618 mit dem Prager Fenstersturz begonnen hatte, hauptsächlich in Böhmen und Süddeutschland ab. Den Darmstädter Raum erreichte er mit dem Einfall der Armee des Grafen Ernst von Mansfeld, der im Frühjahr 1622 aus der Pfalz nach Norden zog und Anfang Juni mit 18.000 Mann Fußvolk und über 5.000 Reitern in die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt einfiel, DA belagerte und einnahm und Bessungen, Arheilgen, Wixhausen und viele weitere Orte der Umgebung verwüstete. Bereits am 9. Juni zwangen kaiserliche Truppen Mansfeld zum Rückzug. Einen genauen Überblick über die Schäden bietet ein Schadensverzeichnis, das die landgräfliche Regierung ein Jahr später aufstellen ließ, und in dem jeder Ort seine Verluste genau auflistete.

Darmstadt im Jahr 1646, mit den von Georg II. vorgenommenen Umbauten, Stich von Matthäus Merian, Stadtarchiv Darmstadt

Mit dem Eintritt Schwedens in den Krieg begann 1630 eine neue Zeit der Heimsuchungen. Seit 1631 hatten DA, Bessungen, Arheilgen und die ganze Umgegend unter andauernden Truppendurchzügen, Einquartierungen und Plünderungen zu leiden. Durchziehende Heere mussten aus den Vorräten und von der Bevölkerung versorgt werden. Während sich Landgraf Georg II. mit seinem Hof ins sichere Gießen absetzte, war seine Landgrafschaft den Soldaten fast schutzlos ausgeliefert. Anfang 1635 marschierten die Franzosen in die Obergrafschaft ein und besetzten am 18. Januar DA. In der Nacht vom 19. zum 20. Januar brannten in der Umgebung alle Dörfer. Arheilgen wurde bis auf wenige Häuser zerstört und von den wenigen Überlebenden verlassen. Die Bewohner der umliegenden Orte suchten Schutz hinter den Mauern DAs, wo zu dieser Zeit über 8.000 Einwohner, Flüchtlinge und Soldaten in drangvoller Enge lebten. Die einbrechende Pest forderte 1635 mehr als 2.000 Todesopfer. Zu Beginn des Jahrs 1639 zog die kaiserliche Armee des Fürsten Piccolomini vom Main her durch die Obergrafschaft und plünderte das Land aus, soweit dies überhaupt noch möglich war. Im Sommer desselben Jahrs richteten Bayerische Regimenter großen Schaden an. 1641/42 und 1645 bis 1647 gab es erneut Besetzungen und Plünderungen durch bayerische, schwedische und v. a. französische Truppen. Als 1648 nach endlos scheinender Kriegszeit Frieden einkehrte, lagen alle Felder wüst und verödet, da sie seit Jahren nicht mehr bestellt worden waren, v. a. gab es kaum noch jemand, der sie hätte bestellen können. In DA sank die Zahl der Haushaltungen zwischen 1619 und 1645 von 470 auf rund 180. Neue Siedler kamen zum Teil aus der Schweiz und aus Flandern. Etwa 80 Jahre sollte es dauern, bis die Bevölkerungsverluste und Schäden des Dreißigjährigen Kriegs in DA und Südhessen überwunden waren.