Stadtlexikon Darmstadt

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Ludwig VIII. Landgraf von Hessen-Darmstadt
Gemälde, Stadtarchiv Darmstadt

* 05.04.1691 Darmstadt
† 17.10.1768 Darmstadt
Die bedeutendste Leistung des so genannten „Jagd-Landgrafen“ war sicher die 1717 geschlossene Ehe mit der jungen Charlotte von Hanau (1700-1726), die früh verstarb, dem Sohn aber nach dem Tod ihres Vaters, des letzten Hanauer Grafen Johann Reinhard, die reiche Grafschaft Hanau-Lichtenberg im Elsass und in der Pfalz zubrachte – nicht so „gänzlich unverhofft“, wie dies die Gedenkmünze von 1736 glauben macht. Der Zugewinn war hoch willkommen, denn als Ludwig die Regierung in Hessen-Darmstadt übernahm, ergab ein Kassensturz über 5 Millionen Gulden Kammer- und Kabinettsschulden. Die in den Trophäen im Jagdschloss Kranichstein wie in den Bildern der Jagdmaler Georg Adam Eger und Georg Stockmar dokumentierte Jagdleidenschaft Ludwigs, der die für das Umland verheerende Parforcejagd neu belebte, war nicht dazu angetan, die Schuldenlast abzuladen (Jagdgeschichte, Waldgeschichte). Barocken Übermut verrät der „Hirschwagen“, mit dem die Maitresse Helene Martini, „Madame Lenchen“ (Achteckiges Haus), zur Schau gestellt wurde. Schutz vor dem Staatsbankrott bot die gute Beziehung zum Wiener Kaiserhof. Im „Ersten Schlesischen Krieg“ zum österreichischen Feldmarschall ernannt, überbrachte Ludwig Maria Theresia und dem künftigen Kaiser Franz I. 1745 in Heidelberg die offizielle Wahlbotschaft, ein Ereignis, an das man beim Zusammentreffen in Heusenstamm vor der Frankfurter Krönung Josephs II. 1764 erinnern konnte. Die als Geschenke Ludwigs nach Wien geschickten Kunstwerke seines Hofuhrmachers Knauß werden noch heute bewundert. Seinem Lebensstil angemessen wurde Ludwig während einer Opernaufführung vom Schlag getroffen. Ludwig VIII. wurde in der Fürstengruft der Darmstädter Stadtkirche beigesetzt.

Lit.: Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 37, S. 303-305.