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Museum Jagdschloss Kranichstein

Das Museum Jagdschloss Kranichstein steht im Zusammenhang der Darmstädter Museumslandschaft, die bis heute wesentliche Bestände aus dem Fürstenhaus Hessen-Darmstadt bewahrt und präsentiert. 1917 begann Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, die jagdhistorische Sammlung seines Hauses im Jagdschloss Kranichstein zusammenzuziehen, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er ließ durch Hofmarschall Kuno Graf von Hardenberg ein Museum der Hessen-Darmstädtischen Jagdkultur einrichten, das in seiner Grundsubstanz bereits der heutigen Sammlung entsprach. Während sich die umfangreiche Trophäensammlung und einiges Mobiliar bereits zuvor in Kranichstein befanden, kam neben dem großen Bestand jagdlicher Bilder noch die wertvolle Kollektion von Waffen und Jagdgeräten hinzu. Im Januar 1943 beschlagnahmte die Stadt DA das Schloss Kranichstein, schloss das Museum, errichtete dort ein Ausweichkrankenhaus der Städtischen Kliniken (Klinikum DA), 1944 bis 1946 ein städtisches Altenheim. Nach dessen Verlegung nutzte die städtische Kulturverwaltung seit dem Frühjahr 1947 das Schloss als Internat für Studierende der Landesmusikschule (Akademie für Tonkunst) und der Werkkunstschule. Von 1946 bis 1948 wurden die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik hier abgehalten. Nachdem die Stiftung Hessischer Jägerhof 1952 das Schloss von Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein übernommen hatte, konnte das Museum nach umfangreichen Instandsetzungen am 25.06.1953 wieder eröffnet werden.

Im Jahr 1988 machten wesentliche Baumängel die Schließung des Museums und eine aufwändige Restaurierung des gesamten Gebäudekomplexes notwendig. Das mit Mitteln der Stadt DA und des Landes Hessen sanierte Gebäude mit dem neu konzipierten „Rundgang zu Geschichte der Jagd von der Frühzeit bis zur Gegenwart“ und der bedeutenden Waffensammlung konnte gleichzeitig mit der kulturhistorischen Abteilung 11007 wieder eröffnet werden. Diese dokumentiert vorrangig die barocke Jagd (Jagdgeschichte). Die prachtvolle Waffensammlung aus vier Jahrhunderten umfasst kunstvoll gearbeitete Armbrusten, Radschloss- und Steinschlossgewehre, einzigartige Windbüchsen, zum Teil von Darmstädter Hofbüchsenmachern gefertigt, sowie kostbare jagdliche Blankwaffen. Jagdgemälde, Trophäen und Möbel werden in den fürstlichen Salons im Obergeschoss gezeigt. Das Museum bietet über die Präsentation der Sammlungsbestände hinaus ein vielfältiges Kulturprogramm, das jagdkulturelle Ereignisse wie den regelmäßigen Wettbewerb der Jagdhornbläser oder die Hubertusmesse einschließt, ebenso wie Lesungen, Konzerte, Theater und ein museumspädagogisches Angebot für Kinder.

Lit.: Reepen, Iris: Museum Jagdschloß Kranichstein, München – Berlin 2002; Siebert, Gisela: Schloß Kranichstein – Das Jagdmuseum als „Denkmal“ fürstlichen Jagens. In: Das kulturelle Erbe des Hauses Hessen, Darmstadt und Marburg 2002, S. 113-122.