Stadtlexikon Darmstadt

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Klinikum Darmstadt (Stadtkrankenhaus)
Stadtkrankenhaus in der Grafenstraße, um 1890, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Obwohl ansteckende Krankheiten bereits im Mittelalter bekannt waren und in DA mehrfach die Pest wütete, bestand der Schutz vor diesen Epidemien weniger in der Heilung als im Ausschluss der Erkrankten. 1575 wurden hilfsbedürftige Kranke noch in einem Holzhaus untergebracht. 1611 bis 1613 errichtete man aus Mitteln, die der Darmstädter Oberamtmann Hans Philipp von Buseck der Stadt testamentarisch vermacht hatte, das erste Hospital. Es befand sich in einem Gebäude, das außerhalb der Stadtmauer vor dem Bessunger Tor lag (etwa Ecke Schul- und Karlsstraße). Das Hospital diente weniger der Krankenpflege, sondern als Pfründner- und Armenhaus (Wohlfahrtspflege). Aufgenommen wurden arme gebrechliche Bürger und hilflose kranke Dienstboten. Eigentliche Krankenbehandlung fand nur im Ausnahmefall statt. 1748 wurde erstmals ein Arzt fest angestellt, 1757 ein Chirurg. Außerdem war dem Hospital seit 1685 eine Armenschule angeschlossen (Schulwesen). 1764 wurde die Hospitalschule aufgelöst und in die von der Stadt eingerichteten Freischulen überführt. 1712 konnte ein hinter dem Gebäude liegender Garten hinzuerworben werden, wo man Obst, Gemüse und Wein zog und mit dem Verkauf der Früchte die Einnahmen verbesserte. 1808 wurde das Hospital, dessen Räumlichkeiten trotz eines 1750 errichteten Anbaus längst nicht mehr ausreichten, in das neu erbaute Armenhaus in der Grafenstraße verlegt, sodass Hospital, Armen- und Pfründnerhaus (Altersheim) nach wie vor verbunden waren. Seit 1823 stand das Hospital, in dem trotz der Verlegung weiter drangvolle Enge und schlechte hygienische Zustände herrschten, unter städtischer Verwaltung. Zwischen 1829 und 1875 wurde das Haus mehrfach erweitert und reichte wegen der rasant wachsenden Bevölkerung dennoch nie aus. Entlastung brachte neben der Verlegung von Pfründnerhaus (1889 in das Alten- u. Pflegeheim in der Emilstraße) und Pfandhaus erst die Gründung weiterer Krankenhäuser (Mathilden-Landkrankenhaus 1844, Elisabethenstift 1858, Alice-Hospital 1871/1883). Seit dem Umbau 1891 verfügte das Klinikum über elektrisches Licht, einen Operationssaal und eine Zentralheizung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es erneut erheblich erweitert und bedeckte mit 13 Gebäuden fast das ganze Areal zwischen Grafen-, Bismarck-, Fuchs-, und Bleichstraße. 500 Kranke konnten jetzt aufgenommen werden.

Krankensaal der Chirurgischen Klinik, um 1900, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

1944 wurde der gesamte Komplex zerstört und die Kliniken an viele Orte verlagert. Not- und Ausweichkrankenhäuser bestanden im Georg-Christoph-Lichtenberghaus (Frauenklinik), auf dem Einsiedel (Infektionskranke), in Nieder-Ramstadt (Medizinische Klinik/Innere Abt. und TBC-Kranke), Seeheim (Rekonvaleszenten) und Goddelau (Chirurgie, später in die Heil- und Pflege-Anstalt Eberstadt verlegt). An der alten Stelle wurde in den folgenden Jahrzehnten ein vergrößerter neuer Krankenhauskomplex errichtet, zunächst die Medizinische Klinik mit Poliklinik und Pathologie, 1952 bis 1954 der Neubau der Frauenklinik (Meisterbauten), in deren Keller 1965 eine Isotopenabteilung zur Strahlenbehandlung eingebaut wurde. Im November 1961 folgte der Neubau der Chirurgischen Klinik. Hinzu kamen Wirtschaftsgebäude, zwei Schwesternwohnheime, weitere Kliniken und der Zentralbau an der Grafenstraße, der die Verwaltung, Café, Gemeinschaftsräume usw. aufnahm, folgten. Außerdem wurde auf dem vom Landeswohlfahrtsverband erworbenen Gelände der ehemaligen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Eberstadt ein zweiter Krankenhauskomplex errichtet.

Foto: Klinikum Darmstadt

Heute ist das Klinikum ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung, in dem jährlich rund 36.000 Patienten aus dem gesamten südhessischen Raum stationär behandelt werden. Es ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg-Mannheim. Rund 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen gemeinsam für reibungslose Abläufe und das Wohl der Patientinnen und Patienten. 20 Kliniken und Institute bieten medizinische Versorgung aus einer Hand bei fast allen Krankheitsbildern an: Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Augenklinik, Chirurgische Klinik I (Allgemein-, Viszeral- Thoraxchirurgie), Chirurgische Klinik II (Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie), Kinderkliniken Prinzessin Margaret, Frauenklinik (mit Mutter-Kind-Zentrum und Perinatalzentrum), Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Hautklinik, Klinik für Gefäßmedizin (Angiologie und Gefäßchirurgie), Institut für Pathologie, Institut für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin, Institut für Radioonkologie und Strahlentherapie, Medizinische Klinik I (Kardiologie und internistische Intensivmedizin), Medizinische Klinik II (Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Pneumologie), Medizinische Klinik III (Nieren-, Hochdruck- und Rheumaerkrankungen), Medizinische Klinik V (Onkologie und Hämatologie), Klinik für Neurochirurgie, Klinik für Neurologie, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Urologische Klinik.

Interdisziplinäre Behandlungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der Krebserkrankungen und der Herz- und Gefäßerkrankungen. Zudem hat das Klinikum höchsten hygienischen Ansprüchen genügende Intensivstationen für Schwerstkranke geschaffen. Das Klinikum Darmstadt ist anerkannt als Onkologisches Schwerpunktkrankenhaus, Brustkompetenzzentrum, Diabetes-Schulungs- und Therapieeinheit, Dialysezentrum und Gefäßzentrum. Eine Stroke-Unit und ein Perinatalzentrum sind weitere Spezialangebote, die das Klinikum als einziges Haus in Südhessen vorhält. Im Gefäßzentrum am Klinikum arbeiten Mediziner der Klinik für Gefäßmedizin und des Instituts für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin eng zusammen. Die direkte Kommunikation der medizinischen Fachgebiete miteinander und das Hand-in-Hand-Arbeiten zwischen Diagnostik und Therapie gewährleisten eine zügige und kompetente Behandlung der Patienten. Mit der Errichtung des Gefäßzentrums schreibt das Klinikum seine lange Tradition in der Diagnostik und Behandlung von Gefäßkrankheiten fort: Die Klinik für Gefäßmedizin (Angiologie) ist die älteste angiologische Klinik in Deutschland.

Hautklinik in Eberstadt, Foto: Klinikum Darmstadt

Das Klinikum DA ist in der Veränderung: Äußerlich sichtbar ist dies an den Baufeldern, auf denen in zwei Bauabschnitten ein Zentraler Neubau am Standort in der Innenstadt entstehen soll. Am Standort Eberstadt befinden sich zurzeit noch vier Kliniken. Bis zum Jahreswechsel 2018/2019 werden alle Kliniken und Institute an einem Standort mitten in der City zusammengeführt, um den Standort Eberstadt nach Inbetriebnahme des Zentralen Neubaus aufzugeben und der geplanten Wohnbebauung zu übergeben. Zur Klinikum DA GmbH gehören auch das Marienhospital DA (Krankenhaus der Grundversorgung) und die Emilia Seniorenresidenz (Alten- und Pflegeheim Emilstraße) sowie der Pflege- und Wohnbereich der Seniorenresidenz „Lilienpalais“  in der Rheinstraße dazu (siehe Alten- und Seniorenheime).

Lit.: Seffrin, Durchbruch zum sozialen Geist; Damedica. Medizin in Darmstadt, hrsg. von Bruno Struif, Darmstadt 1994; Reichhardt, Ruth / Grimm, Immo: Ins Licht gerückt… Von der Provinzial-Pflegeanstalt Eberstadt zum Teilklinikum der Stadt Darmstadt 1903-2013, Darmstadt 2013.