Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Alten- und Seniorenheime

In DA gibt es heute eine Vielzahl von Wohn-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen für Senioren. Doch dieses breite Angebot, heutzutage eine Selbstverständlichkeit, hat sich erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. In früheren Zeiten war die Frage der Altenbetreuung bei Weitem nicht in dem Umfang gegeben, wie es heute der Fall ist. Krankheiten konnten noch nicht so wirkungsvoll behandelt werden und führten früher zum Tod. Wer dennoch ein hohes Alter erreichte, wurde zumeist in der Großfamilie umsorgt und gepflegt. Alten Menschen, denen es an Geld mangelte, um sich in Hospitalen pflegen zu lassen und die auch kein Unterkommen bei kirchlichen Einrichtungen fanden, blieb meist nur noch der Gang ins Armenhaus der Gemeinde, wo nicht nur Arme, sondern auch Asoziale und Geisteskranke leben mussten. Die Zustände in diesen kommunalen Einrichtungen waren zumeist äußerst inhuman und – besonders in Bezug auf die Hygiene – erschreckend. Zudem wurde von den Bewohnern meist noch ein Maximum an Arbeit verlangt und die persönlichen Freiheiten wurden beschnitten.

In DA war es dem sozial engagierten Arzt Damian von Siebold und seiner Stieftochter Charlotte Heidenreich von Siebold zu verdanken, dass den unhaltbaren Zuständen im städtischen Armenhaus in der Grafenstraße 6 zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch bauliche Erweiterungen entgegengewirkt wurde (Klinikum DA). Mit der Verbesserung der medizinischen Versorgung und den Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen nahm die Zahl der alten Menschen, die betreut werden mussten, stetig zu. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Organisationen, die sich der sozialen Fürsorge annahmen und auch in der Altenbetreuung und Altenpflege tätig wurden: Diakonie (1848), Innere Mission (1849), Caritas (1897) und 1880 der „Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit“, der heute im „Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge“ fortbesteht. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das sich zunächst nur Kriegsopfern widmete, dehnte später seine Fürsorge weiter aus.

Das neue Altenheim St. Josef, Foto: Godehard Lehwark

In DA gibt es heute zahlreiche Senioreneinrichtungen. Hierunter nehmen die Häuser kirchlicher Träger einen wichtigen Platz ein. Das Alten- und Pflegeheim St. Josef (Teichhausstraße 40) wird von der Kongregation der Schwestern vom göttlichen Erlöser (Barmherzige Schwestern) geführt. Der Orden widmete sich seit 1859 der Krankenpflege in DA. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zerstörte Haus schon 1951 wieder aufgebaut. 1968 und 1991 folgten weitere Um- und Erweiterungsbauten, zuletzt 2011. Das Heim verfügt heute über ca. 60 Einzelzimmer. Ebenfalls eine lange Geschichte hat das Alten- und Pflegeheim des Elisabethenstifts in der Stiftstraße 35. In einem so genannten „Siechenhäuschen“ wurden schon 1866 pflegebedürftige Damen betreut. 1962 wurde das Altenheim des Diakonissenhauses des Elisabethenstifts eingeweiht. 1998 bezogen die 50 Bewohner, zumeist Frauen, das Luise-Karte-Haus in der Erbacher Straße. Ebenfalls zu einer Schwesternschaft gehört das Alice-Heim in der Dieburger Straße 31, das 1957 anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Alice-Schwesternschaft (Alice-Hospital) in Betrieb genommen wurde. 2001 übersiedelten die 30 Bewohnerinnen in einen Neubau in der unmittelbaren Nähe. Das Altenzentrum an der Rosenhöhe (Pfarrer Otto-Hahn-Haus) in der Dieburger Straße 199 wurde im Dezember 1966 eröffnet. Das Gelände wurde durch das Diakonische Werk von der Familie Wilbrand erworben. 1994 erfolgte der Neubau eines modernen Pflegeheims, der geräumte Trakt der ehemals Wilbrand’schen Villa wurde nach einer gründlichen Renovierung für die Kurzzeitpflege hergerichtet. Zurzeit entstehen weitere Seniorenwohnungen. Seit 1960 besteht das Alten- und Pflegeheim der Inneren Mission des Diakonischen Werks der EKHN, das Wilhelm-Röhricht-Haus, im Schiebelhuthweg 31. Eine Art Zweigstelle dieses Heimes war das Altenheim im Roquetteweg 8, das 1985 geschlossen wurde. Das Wilhelm-Röhricht-Haus wurde 2014 geschlossen und dessen Bewohner zogen in die 2013 eröffnete Seniorenwohnanlage Johannesviertel der Arbeiterwohlfahrt. Der Hessische Diakonieverein ist der Träger des Seniorenzentrums AGAPLESION Heimathaus in der Freiligrathstraße 8. Das „Heimathaus“ wurde 1974 mit Alten- und Pflegeheim eröffnet und sollte außerdem eine Stätte der Begegnung für die betagten Bürger DAs sein. Das älteste nicht kirchlich getragene Altenheim in DA ist das Alten- und Pflegeheim Emilstraße des Klinikums DA in der Emilstraße 1, das 1885 auf Betreiben des damaligen OB Albrecht Ohly gegründet wurde. 1996 übergab die Stadt DA das Haus in die Trägerschaft des Klinikums DA. Das Altenheim DA in der Rüdesheimer Straße 115 (Louise-Dittmar-Haus) wurde 1959 von der Ev. Kirche für heimatlose Ausländer, meist russischer Herkunft, gebaut, stand aber auch Einheimischen offen. 2001 wurde das Heim um eine Abteilung für Demenzkranke erweitert. Ebenfalls vorwiegend auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ausgerichtet ist das Altenwohnheim Buchenlandheim e. V. in der Klausenburger Straße 106, das 1972 eingeweiht wurde. Gedacht sind die 84 Plätze v. a. für Flüchtlinge, die ab 1946 aus dem Buchenland/Bukowina (Rumänien/Ukraine) nach DA kamen (Heimstättensiedlung). Das DRK-Seniorenzentrum Fiedlersee in Arheilgen besteht seit 1995 und bietet ca. 174 Plätze. Sein Vorgänger war das Folke-Bernadotte-Heim in der Hermannstraße, das in den 1950er Jahren entstand. Nach mehrfachen Erweiterungen musste das Gebäude bis auf einen Bau, der weiterhin als Pflegezentrum dient, abgerissen werden, da es den Bauverordnungen für Altersheime nicht mehr entsprach.

Dreistrufen-Altersheim in Eberstadt, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Zur Arbeiterwohlfahrt gehört das Altenhilfezentrum Kurt-Steinbrecher-Haus (vormals Dreistufenheim) in der Nußbaumallee 12 in Eberstadt. Es wurde 1963 eingeweiht und bot je nach Gesundheitszustand der Bewohner drei Stufen der Betreuung an. 1997 wurde das Haus im Gedenken an den langjährigen Vorsitzenden des Kreisverbands DA der Arbeiterwohlfahrt, Kurt Steinbrecher, umbenannt. 2014 wurde das Haus geschlosssen und die Bewohner zogen in die 2013 neu eröffnete Seniorenwohnanlage Johannesviertel in der Kasinostraße. Die Gebäude in Eberstadt wurden Ende Mai 2015 vom Pflege- und Therapiezentrum Volpp übernommen, das bisher in der Neckarstraße beheimatet war. Die Bauverein AG für Arbeiterwohnungen führt drei Seniorenwohnanlagen: Am Schwarzen Weg 18, am Karlshof in der Kranichsteiner Straße und in der Wechslerstraße in Arheilgen. Die Wohnungen, die zwischen 1972 und 1989 errichtet wurden, sind vorwiegend für rüstige Senioren gedacht, die ihren eigenen Haushalt führen. Am Schwarzen Weg besteht zusätzlich eine Pflegestation, die beiden anderen Wohnanlagen verfügen jeweils über eine Sozialstation, die ambulante häusliche Pflege anbietet. Eine Vorreiterrolle bei dem Konzept der weitestgehenden Selbstständigkeit der Senioren in den Altenheimen nimmt die Seniorenwohnanlage der Bürgerstiftung in der Hermannstraße 10 ein. Die Bürgerstiftung und ihr Heim wurden initiiert und aufgebaut von Kurt Jahn, der sich als Mitbegründer der Wiederaufbau GmbH große Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung DAs erworben hat. Die Bürgerstiftung hat daneben auch die Kindergärten in der Havel- und der Lichtenbergstraße sowie weitere Einrichtungen für Jugendliche und Behinderte errichtet. 1960 wurde das Altenwohnheim für 162 finanziell schwächer gestellte Menschen am Darmstädter Prinz-Emil-Garten eingeweiht. Bis 1970 folgten drei weitere Bauabschnitte, Anfang der 1980er Jahre wurde die Einrichtung von Grund auf modernisiert. Für gehobene Ansprüche gedacht ist der Wohnpark Kranichstein in der Borsdorffstraße 40. Die Anlage wurde durch die HEAG errichtet und 1995 eingeweiht. 2003 verkaufte die HEAG den Wohnpark an eine Unternehmensgruppe. Ein Teil der Plätze war für die Pensionäre der HEAG gedacht. Mitten in der Stadt eröffnete 2006 der Pflege- und Wohnbereich Lilienpalais des Klinikums DA in der Gagernstraße/Ecke Rheinstraße seine Türen für 45 Bewohnerinnen und Bewohnern.

Die Betreuung der Senioren hat sich in den letzten 100 Jahren erheblich gewandelt. So sind aus den Sechs- oder Vierbettzimmern Einzel- oder Doppelappartements mit Kochnische und Bad geworden, in die ein Teil der eigenen Möbel mitgenommen werden kann. Die meisten Einrichtungen geben den Senioren die Chance, so lange wie möglich ein selbstständiges Leben zu führen.

Lit.: Stirtz, Maria: Wie leben die Alten in unserer Stadt. In: Adressbuch 1962/63, S. 65-80; Seffrin, Horst: Durchbruch zum sozialen Geist. Kleine Sozialgeschichte der Stadt Darmstadt, Darmstadt 1979.