Stadtlexikon Darmstadt

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Heiß, Hermann

Komponist
* 29.12.1897 Darmstadt
† 06.12.1966 Darmstadt
Nach zunächst autodidaktischen Studien erhielt Hermann Heiß Kompositionsunterricht bei Bernhard Sekles und Klavierunterricht bei Willy Renner in Frankfurt/Main Kontakte zur Freien Gesellschaft für Musik ermöglichten ihm erste Aufführungen eigener Werke. 1925 schlossen sich Studien bei Matthias Hauer in Wien an, dessen Zwölftontechnik er übernahm und weiterführte. Ab 1928 lebte er als Musiklehrer in Spiekeroog und ab 1933 als freischaffender Künstler in Berlin. Als Theorielehrer verbrachte er ein Jahr an der Heeresmusikschule in Frankfurt, wurde dort aber wegen Befehlsverweigerung entlassen und kehrte 1942 anstellungslos nach DA zurück. Nach der Zerstörung DAs 1944 folgten Jahre der Flucht, bis die Familie 1946 zunächst in Groß-Umstadt und ab 1948 wieder in DA unterkam. Der größte Teil seiner Kompositionen war zu dieser Zeit vernichtet. Bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik übernahm Heiß 1946 erstmals einen Kompositionskurs und führte in die Zwölftontechnik ein. 1948 erhielt er eine Berufung als Tonsatz- und Kompositionslehrer an der Städtischen Akademie für Tonkunst in DA. Im gleichen Jahr wurde ihm der Georg-Büchner-Preis zuerkannt. 1952 begann seine Beschäftigung mit elektronischer Musik (Studio des NWDR in Köln). In DA leitete er ab 1953 eine Meisterklasse für Komposition mit Schwerpunkt auf dem von ihm entwickelten Bewegungssatz in Verbindung mit Improvisation. Allgemein bekannt wurde das für den Hessischen Rundfunk 1954 geschaffene und 1955 erstmals gesendete elektronische Pausenzeichen. Ein eigenes elektronisches Studio entstand 1955 am Kranichsteiner Musikinstitut (IMD), weitergeführt ab 1957 an der Akademie für Tonkunst. Seitdem stand das Interesse an der elektronischen Musik im Vordergrund seiner kompositorischen Tätigkeit. Auch suchte er nach Möglichkeiten Musik, Tanz, Licht und Sprache als Kommunikation der Künste miteinander in Verbindung zu bringen. 1963 wurde er in den Ruhestand versetzt. Seine 1964 erarbeitete Messe wurde im Dezember des Jahres von Radio Wien erstmals ausgestrahlt. Die Stadt DA würdigte ihn 1958 mit der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung, das Land Hessen mit der Goethe-Medaille. Einige seiner herausragenden Werke fanden in DA ihre Uraufführung: 1951 Concertino für zwei Violinen und Streichorchester mit Fritz Müller-Gündner, Alfred Fillsack und dem Orchester des Landestheaters unter Richard Kotz; 1953 Bühnenmusik zu Max Kommerells „Kasperlespiele für große Leute“, Regie Gustav Rudolf Sellner; 1955 die Ballettkomödie „Der Manager“ unter Bruno Maderna. Der musikalische Nachlass von Heiß befindet sich in der Universitäts- und Landesbibliothek DA.

Lit.: Reichenbach, Barbara: Hermann Heiß, eine Dokumentation. Darmstädter Beiträge zur neuen Musik 15, Mainz 1975; Henck, Herbert: Hermann Heiß. Nachträge einer Biografie, Deinstedt 2009.