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Dilthey, Julius Friedrich Karl
Stadtarchiv Darmstadt

Philologe, Gymnasialdirektor
* 12.03.1797 Nordhausen/Harz
† 17.02.1857 Darmstadt
Julius Friedrich Karl Dilthey besuchte 1804 bis 1815 das Gymnasium in Nordhausen und studierte, nachdem er als Freiwilliger im Preußischen Heer in der Schlacht bei Waterloo mitgekämpft hatte, in Göttingen Theologie und Klassische Philologie. 1818 übernahm er eine Lehrerstelle am Göttinger Gymnasium, kurz darauf wurde er Akzessist an der Universitätsbibliothek und Privatdozent. Frühe Veröffentlichungen zu Platon und Tacitus festigten Diltheys Ruf als begabter Altphilologe, der ihm 1823 die Berufung an das Darmstädter Gymnasium eintrug. 1826 übernahm er die Schulleitung als Nachfolger des fast 70-jährigen Johann Georg Zimmermann. In den folgenden drei Jahrzehnten prägte Dilthey das Darmstädter Gymnasium nachhaltig. In seine Amtszeit fiel der Umzug der Schule vom viel zu engen Pädagog in die Räume des früheren Waisenhauses (Wohlfahrtspflege). Auch setzte er umfangreiche Reformen in der Schule durch, ohne den Charakter des klassisch-humanistischen Gymnasiums zu verändern. So zeichnete er für die Reform der Abiturordnung verantwortlich, führte Preisarbeiten und Preisfragen für Schüler und 1848 den regelmäßigen Turnunterricht (Adolf Spieß) ein, verhinderte jedoch alle Versuche, den Forderungen der Revolution 1848/49 Raum zu geben. Besonders setzte er sich vehement für die Abgrenzung des humanistischen Gymnasiums gegen den neuen Schultyp der Realschule ein, v. a. gegen Bestrebungen der Realschulbefürworter, an der 1836 aus der Realschule hervorgegangenen Höheren Gewerbeschule die Reifeprüfung einzuführen, die den Zugang zur Universität öffnete. Dilthey lieferte sich jahrelang eine heftige Kontroverse mit dem Gewerbeschuldirektor Theodor Schacht. Neben seiner Arbeit als Direktor arbeitete Dilthey in mehreren Kommissionen mit, veröffentlichte Schriften zur Gymnasialreform und verfasste 1829 die Jubiläumsschrift zum 200. Bestehen des Darmstädter Gymnasiums. Daneben publizierte er Schriften zur Philologie und auch historische Werke, etwa 1845 eine Schrift über das Ludwigsmonument („Die Ludewigssäule als architektonisches Kunstwerk“). In seinen letzten Lebensjahren wurde Dilthey von heftigen Asthmaanfällen gequält, die seine Gesundheit schwächten. Mit noch nicht 60 Jahren starb er an einer Lungenentzündung. Bis zur Kriegszerstörung 1944 erinnerte die Diltheykastanie im Hof des Ludwig-Georgs-Gymnasiums an den früheren Schuldirektor, seit 1979 der Diltheyweg am Alten Friedhof.

Lit.: Hessische Biographien. In Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert hrsg. von Hermann Haupt, Bd. 3, S. 103-109; Fleck, Peter: »Darmstädter Realismus« im Vormärz. Realschulwesen, Berufsbildungsfrage und höhere technische Bildung im Großherzogtum Hessen, Darmstadt und Marburg 1999 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 119).