Stadtlexikon Darmstadt

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Schacht, Theodor
Stadtarchiv Darmstadt

Schulpolitiker
* 07.12.1786 Braunschweig
† 10.07.1870 Darmstadt
Die Jugendjahre waren schwierig. Der invalide Ingenieur-Leutnant Anton Ferdinand Schacht war der Adoptivvater. Bei der Finanzierung des Abiturs an der Braunschweiger Katharinenschule half die Hauslehrertätigkeit im Pfarrhaus Lachmann und bei General von Stamford, die auch der Weiterbildung zugute kam. Im 1805 begonnenen Studium, zunächst in Helmstedt, dann in Göttingen, verlagerte sich der Schwerpunkt rasch von der Theologie zu Geschichte und Philosophie. Prägend wurde die Tätigkeit als Geschichtslehrer bei Pestalozzi in Ifferten 1810/13. Nach einem freiwilligen Kriegsjahr als Intendantursekretär in der preußischen Armee, das Schacht bis Paris führte, ging er an Emil von Fellenbergs Landwirtschaftsschule in Hofwyl und übernahm 1818 eine Stelle als Geschichts-Professor am Gymnasium in Mainz. Streitigkeiten mit Direktor Reiter über den auch in Schachts „Lehrbuch der Geographie alter und neuer Zeit mit besonderer Rücksicht auf politische und Kulturgeschichte“ (1831) vertretenen Realien-Bezug, führten zum Antrag auf vorzeitige Pensionierung, als er 1832 für den Bezirk Osthofen in den Darmstädter Landtag gewählt wurde. Hier profilierte sich Schacht in der Debatte über die in DA und Mainz bereits begonnene Einrichtung von Realschulen, für die er einen umfassenden Planungsbericht vorlegte. Zur Umsetzung seiner Ideen wurde er im Winter 1833/34 als Referent in die Schulverwaltung (Oberstudiendirektion und Oberschulrat) und wenig später zum Direktor der zum „Provinzialinstitut“ erhobenen Realschule DA berufen. Die 1836 vollzogene Aufstockung der damit verbundenen Technischen Schule zur „Höheren Gewerbeschule“ als Vorstufe der späteren TH Darmstadt, bei der auch Liebig mitwirkte, war letztendlich Schachts Werk. Auch in der nachfolgenden Realismus-Kontroverse mit dem humanistischen Gymnasialdirektor Julius Friedrich
Karl Dilthey konnte er seine Konzepte, zu denen u. a. eine gewerblich-technisch orientierte Reifeprüfung zählte, erfolgreich behaupten. Die Festrede zur Einweihung des neuen Gebäudes der Höheren Gewerbeschule am Kapellplatz Ende 1844 über „Die Realbildung und das heutige Zeitalter“ wurde Schachts Vermächtnis, da er seine Ämter bereits 1846 aus Gesundheitsgründen aufgab. Die Umwandlung seiner Schule zum Polytechnicum 1868 hat er gerade noch erlebt. Zur Erinnerung wurde 1918 die Schachtstraße am Hauptbahnhof nach ihm benannt.

Lit.: Allgemeine Deutsche Biographie. Hrsg. durch die historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Bd. 30, S. 772-774; Fleck, Peter: »Darmstädter Realismus« im Vormärz. Realschulwesen, Berufsbildungsfrage und höhere technische Bildung im Großherzogtum Hessen, Darmstadt und Marburg 1999 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 119); Viefhaus, Erwin: Hochschule-Staat-Gesellschaft. In: THD Jahrbuch 1976/77, S. 57-111; Rack, Klaus-Dieter / Vielsmeier, Bernd (Hrsg.): Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820-1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919-1933, Darmstadt 2008, S. 752f.