Stadtlexikon Darmstadt

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Darmstädter Gruppe

Ein Jahr nach Gründung der Künstlergruppe Darmstädter Sezession schlossen sich 1920 überwiegend Darmstädter Maler zur Künstlervereinigung „Darmstädter Gruppe“ zusammen. Adolf Bode, Georg Breitwieser, Karl Deppert, Fritz Gils, Ulrich Hallerstede, Willi Hofferbert, Alexander Posch, Marcel W. Richter, Karl Scheld, Fritz Schwarzbeck, Alfred Springer, Lothar Toller und Richard Walter zählten zum Kreis der Mitglieder, erweitert durch Künstler aus Mainz und Offenbach. Im Gegensatz zur Sezession, die anfangs eine klare kunstpolitische Ausrichtung hatte, verfolgte die Darmstädter Gruppe rein künstlerische Ziele. Stilistisch gehörten die Mitglieder dem Realismus des nachexpressionistischen Jahrzehnts an, der sich im Wesentlichen zur „Dinglichkeit der Erscheinungen“ bekannte (Expressionismus).

Die Darmstädter Künstler verfolgten parallel zu Kanoldt, Schrimpf und Georg Scholz eine eigenständige Ausprägung des Zeitstils der „Neuen Sachlichkeit“ im so genannten „Darmstädter Stil“, den flächige Malweise, fließende Übergänge und ein kräftiges, an der französischen Malerei orientiertes Kolorit auszeichnete. Wilhelm Michel sprach in einem Katalogvorwort 1925 von einem „besonders gewissenhaften Arbeiten, in dem sich Farbe und Form nach den Bedürfnissen einer klaren dinglichen Welt stilisieren“. Nachdem die Darmstädter Sezession ihren politischen Anspruch weitgehend verloren hatte, schlossen sich vorübergehend die beiden Künstlergruppen 1928 zur „Interessengemeinschaft fortschrittlicher Künstler Hessens“ zusammen, um an die Stelle von „Einzelbemühung und Zersplitterung Gemeinschaftsarbeit mit größter Planung“ zu setzen.

Eine viel beachtete und weit reichende gemeinsame Ausstellung folgte 1929 auf der Mathildenhöhe zum Thema „Der schöne Mensch in der neuen Kunst“. Eine weitere wichtige Ausstellung der Darmstädter Gruppe wurde 1932 ebenfalls auf der Mathildenhöhe gezeigt. Nach französischem Vorbild malten zwölf Maler das gleiche Modell, und Fritz Schwarzbeck gestaltete als einziger Bildhauer eine Porträtbüste. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sich die Darmstädter Gruppe nicht neu. Der überwiegende Teil der Künstler wurde Mitglied der 1945 neu gegründeten „Darmstädter Sezession“. In der Treue zum neusachlichen Stil, den die Gruppe insgesamt auszeichnete und in einer aktiven Beteiligung am Ausstellungsgeschehen, gestaltete die Darmstädter Gruppe das Kunstgeschehen der 1920er Jahre in DA wesentlich mit.