Stadtlexikon Darmstadt

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Michel, Wilhelm

Schriftsteller
* 09.08.1877 Metz
† 16.04.1942 Darmstadt
Wilhelm Michel besuchte in Mainz die höhere Schule, die er mit einem ausgezeichneten Abitur abschloss. In München und Würzburg studierte er Rechtswissenschaften, hörte aber auch philosophische und sprachwissenschaftliche Vorlesungen.1901 musste er sein Studium abbrechen und lebte als freier Schriftsteller in München. Michel arbeitete als Kunstkritiker und Feuilletonist für verschiedene Zeitungen. 1910 veröffentlichte er seine groß angelegte Studie „Das Teuflische und das Groteske in der Kunst“. 1913 berief ihn Alexander Koch als Redakteur an seine Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“, für die Michel schon längere Zeit tätig war. Er übersiedelte nach DA und heiratete 1915 Alexander Kochs Tochter Herta Michel-Koch. Seit 1896 beschäftigte sich Michel mit dem Werk Hölderlins und veröffentlichte ab 1911 mehrere Bücher, u. a. 1940 die große Biografie „Das Leben Friedrich Hölderlins“. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm Michel großen Anteil am fortschrittlich-kulturellen Leben DAs. Er arbeitete am „Tribunal“ mit und wurde, zusammen mit seiner Frau, die künstlerisch tätig war, Mitglied der Darmstädter Sezession. Als Kunstkritiker schrieb er in vielen Zeitschriften über die Ausstellungen der neu gegründeten Künstlergruppe. Er setzte sich intensiv mit dem Kunstleben in DA auseinander, was in der 1919 im Verlag der Dachstube erschienenen Publikation „Darmstadts Zukunft als Kunststadt“ seinen Niederschlag fand. Seit 1920 war Michel Mitarbeiter am Hessischen Volksfreund und schrieb hauptsächlich Kunst- und Theaterkritiken. 1925 erhielt er den Georg-Büchner-Preis. In dieser Zeit setzte sich der Kulturwissenschaftler Michel mit dem Werk des Philosophen Martin Buber auseinander und besuchte ihn oft in Heppenheim/Bergstraße. Bis zu seinem Tod lebte er das Leben eines Privatgelehrten, veröffentlichte zahlreiche Bücher zur Dichtung und Religionsgeschichte und gab sein literarisches und
literaturwissenschaftliches Werk heraus. Er wurde auf dem Alten Friedhof in DA beigesetzt. Seit 1953 erinnert die Wilhelm-Michel-Straße in Bessungen an ihn.

Lit.: Eppelsheimer, Hanns Wilhelm: Ansprache zu W. Michels Andenken. In: Wilhelm Michel. Klarheit und Tiefe, Darmstadt 1959 (Darmstädter Schriften 9), S. 59-73.