Stadtlexikon Darmstadt

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Pfeil, Hartmuth
Hartmuth Pfeil, Selbstporträt, Federzeichnung, Stadtarchiv Darmstadt

Zeichner, Grafiker
* 13.02.1893 Höchst/Main
† 04.06.1962 Darmstadt

Hartmuth Pfeil hat wie kein anderer Künstler das Leben vor allem in der Nachkriegszeit in DA karikiert. Der Lulatsch Pimm, im viel zu großen, geflickten Anzug, der mit seinem Hund Butzje durch die Trümmerstadt DA zog und trotz knurrenden Magens seinen Optimismus nicht verlor, gehört bis heute zu den bekanntesten Figuren des Künstlers. Große Popularität erlangte Pfeil aber auch durch seine Illustrationen der „Sunndags-Noochmiddags-Bedrachtunge“ des Bienche Bimbernell von Robert Schneider im Darmstädter Tagblatt. Als Mitglied und Ehrenpräsident der Darmstädter Karnevalsgesellschaft „Narrhalla“ lag viele Jahre lang die komplette Werbung in seinen Händen. Er war der erste Heinerfest-Illustrator und entwarf bis zu seinem Tod Festplakate und -programme. Und er gehörte einer weiteren Darmstädter Institution seit ihrer Gründung an: der Hessischen Spielgemeinschaft, für die er eine Reihe von Bühnendekorationen entwarf. Dabei war dieser aktive Bürger und Chronist der Stadt kein gebürtiger Heiner, die Familie zog erst 1907 nach DA. Da der junge Pfeil schon als Kind künstlerisches Talent bewies, schickte man ihn mit 15 Jahren in die Kunstschule von Adolf Beyer.
1910 bis 1914 folgte ein Studium an der Kunstgewerbeschule München, vor allem bei Professor Julius Dietz; 1914 bis 1918 nahm Pfeil als Kriegsfreiwilliger und Flugzeugführer am Ersten Weltkrieg teil. Als Werbegrafiker machte er sich nach seiner Rückkehr aus dem Krieg selbstständig und entwarf bereits 1919 das Lilien-Signet des SV Darmstadt 98. Die Liste seiner renommierten Auftraggeber ist lang. 1927 war er Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Frankfurt. Von 1944 bis 1949 fand der Ausgebombte, der einen Großteil seiner Werke verloren hatte, in Groß-Umstadt Arbeit und Unterkunft. 1958 wurde er mit der Bronzenen Verdienstplakette der Stadt ausgezeichnet. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Waldfriedhof. Zur Erinnerung und Ehrung wurde 1963 ein Weg in Eberstadt nach ihm benannt.

Lit.: Keil, Heinrich: Hartmuth Pfeil. Werke aus fünf Jahrzehnten, Darmstadt 1987; Kunst im öffentlichen Raum in Darmstadt 1641-1994. Hrsg. von Roland Dotzert und Klaus Wolbert. Bearb. von Emmy Hoch, Darmstadt 1994, S. 399.