Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Marktplatz
Markt vor dem Schloss und dem Bekleidungsgeschäft Deuster, 1936, Foto: Ernst Luckow, Stadtarchiv Darmstadt

Der Marktplatz ist vermutlich der älteste Platz DAs. Er entstand mit dem jüngeren Unterdorf zwischen Schloss und Stadtkirche im 13. oder 14. Jahrhundert (Stadtgeschichte). In den ältesten Quellen wird er einfach „Plan“ (ebene Fläche) genannt. Dies spricht dafür, dass es keinen weiteren Platz in DA gab. Hier wurden seit 1330 die Darmstädter Wochen- und Jahrmärkte abgehalten. Der Marktplatz mit den Schirnen der Bäcker und Metzger und den Verkaufsständen der Krämer war jahrhundertelang das Zentrum des geschäftlichen Lebens für Stadt und Umland. Die Marktaufsicht führte ursprünglich wohl der Schultheiß. 1566 wird erstmals ein städtischer Marktmeister erwähnt (Stadtverwaltung). Die mittelalterliche Bebauung des Platzes ist nicht bekannt. Der Marktplatz war jedoch wesentlich kleiner als heute, der Marktbrunnen dürfte ursprünglich die Platzmitte gebildet haben.

Zwischen Schloss und Markt lag noch ein Baublock, in dem auch das 1397 erstmals erwähnte älteste Rathaus lag. Dieser Block wurde nach der Erhebung DAs zur Residenz zwischen 1584 und etwa 1640 vollständig abgetragen. Der Marktplatz änderte in dieser Zeit sein Aussehen nachhaltig. Eine repräsentative Neubebauung ließ die mittelalterlichen Gebäude innerhalb weniger Jahrzehnte verschwinden. Gegenüber dem Schloss errichtete die Stadt 1566 bis 1568 ein neues Rathaus mit Steinunterbau und Fachwerkgeschossen, das bereits 1598 bis 1601 durch den bis heute erhaltenen vollständig steinernen Bau ersetzt wurde. Repräsentative Adels- und Beamtenhäuser entstanden an der West- und Ostseite, z. B. das 1600 errichtete „Landgraf-Johann-Haus“ (Palais) am Ostrand. An der Westseite des Marktplatzes entstand durch Umbau eines älteren Hauses 1748 das Marktpalais, in dem 1785 bis 1793 die spätere Königin Luise von Preußen lebte. Ein Stück weiter befand sich das 1708 durch Umbau zweier älterer Häuser entstandene Palais des Geheimen Rats von Kameytski, dessen ausgedehnter Garten später zum Bau der Schul-, Ludwig- und Ernst-Ludwig-Straße Verwendung fand. Die bedeutendste Veränderung der Platzgestalt bedeutete jedoch die nach dem Schlossbrand von 1715 erbaute imposante Marktplatzfront des neuen Barockschlosses. Auf dem Marktplatz standen auch die Strafinstrumente, mit denen Schuldige an Markttagen vor großem Publikum zur Schau gestellt wurden (Richtstätten). Aus dem 17. Jahrhundert sind mehrere Hinrichtungen auf dem Marktplatz überliefert, mit dem Schwert, durch Hängen und durch Erschießen.

Die Stadterweiterung des frühen 19. Jahrhunderts verlegte das Zentrum DAs an den neu entstandenen Luisenplatz und drängte den Marktplatz etwas an den Rand. Ab 1825 legte Georg Moller die Ludwigstraße und den Ludwigsplatz an und schuf damit eine Verknüpfung von Marktplatz und Mollerstadt. Der Platz wurde damit in das neu entstehende Geschäftszentrum einbezogen. Seit 1897 sorgte die elektrische Straßenbahn, die durch die Kirchstraße an der Ostseite des Marktplatzes fuhr, für weitere Belebung. Erneut glich sich die Platzbebauung der gewandelten Bedeutung an. Die Adelspalais wurden zu Wohn- und Geschäftshäusern umgestaltet bzw. durch diese ersetzt. In einen Teil des früheren Marktpalais zog 1897 der Kaufmann Siegmund Rothschild ein, der 1907 noch das linke Nebengebäude erwarb, beides abreißen ließ und einen Neubau im Jugendstil errichtete (Henschel). Daneben eröffnete am 01.04.1909 Ernst Ohlitzsch sein Haushaltswarengeschäft, das bis vor wenigen Jahren Bestand hatte. An der Einmündung in die Ludwigstraße entstand 1905 der Neubau für das Kaufhaus Schneider, seit 1917 Wronker. Markantes Zeichen des Hauses war die Statue des Gottes Merkur auf dem Dach. 1949 weihte an derselben Stelle das Kaufhaus Stegmüller seinen Neubau ein (heute Tegut). In einem Teil des Kameytski’schen Hauses siedelte sich das Mainzer Warenhaus (ab 1928 Kaufhaus Leonhardt Tietz) an. Das Spektrum der Geschäfte am Markt veränderte sich schlagartig nach 1933, als nach und nach alle jüdischen Geschäftsinhaber hinausgedrängt wurden. Siegmund Rothschild musste sein Kaufhaus an Henschel & Ropertz verkaufen. Der Kaufmann David Rehfeld (1878-1957) hatte sein in der Ludwigstraße 5 betriebenes Damen- und Kinderkonfektionsgeschäft erst im Februar 1932 in die Räume des früheren Kaufhauses Wronker verlegt, das er mit dem Wronker-Geschäftsführer Sally Lichtenstein gemeinsam betrieb. 1934 mussten beide ihr Geschäft an W & P Damenmoden (Elisabeth Wende-Walter und Margarete Philippi) verkaufen. Das Kaufhaus Leonhard Tietz ging in die Hände der neu gegründeten Kaufhof AG über.

In der Brandnacht wurde der Marktplatz mit der gesamten Bebauung bis auf den Marktbrunnen zerstört. In den folgen Jahrzehnten entstand eine moderne Neubebauung. Nur Schloss und Rathaus wurden in historischer Form wieder aufgebaut. 1996 bis 1997 wurde der Marktplatz erneut umgestaltet und erhielt ein neues Pflaster. Durch die Zurücknahme der Baufluchtlinie an der Ostseite in den 1950er Jahren und die jetzt erfolgte Einbeziehung der Kirchstraße an der Ostseite hat der Marktplatz den größten Umfang seiner Geschichte erreicht und ein wenig von seiner einstigen Bedeutung als zentraler Platz DAs zurückgewonnen. Dazu trug auch die Verlegung der Bahn- und Bushaltestelle „Schloss“ an die Platznordseite im Jahr 2005 bei.