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Universitätsarchiv der TU Darmstadt


Institutionengeschichte

Mit dem Aufschwung der Technischen Hochschule Darmstadt (TU Darmstadt) im 19. Jahrhundert wuchs auch deren Verwaltung, die im Jahr 1900 die zentralen Funktionsbereiche Sekretariat, Kanzlei und Kasse umfasste. Akten und Unterlagen wurden für Verwaltungszwecke bereitgehalten und auch rückwirkend zur Beweissicherung aufbewahrt, insbesondere dem Nachweis von Studienzeiten und Hochschulabschlüssen. Die Abteilungen und Fakultäten bzw. Hochschulinstitute betrieben daneben eine individuelle Schriftgutverwaltung. Als Hochschule des Landes war die TH Darmstadt eine staatliche Stelle und als solche dem Zuständigkeitsbereich des Hessischen Staatsarchivs in DA zugeordnet. Eine systematische Anbietung von Unterlagen erfolgte wohl erst nach dem Zweiten Weltkrieg, erstmals nachweisbar im Jahre 1956, als Haushaltsschriftgut der „Reichsmarkzeit“ in größerem Umfang kassiert wurde. Seit Anfang der 1960er Jahre förderte die Hochschulleitung unter dem Rektorat der Professoren Adam Horn und Gerhard Frühauf den Aufbau einer eigenen Dokumentationsstelle zur Förderung der Hochschulgeschichte. In enger Abstimmung mit dem Direktor des Staatsarchivs, Friedrich Knöpp, und in Zusammenarbeit mit Professoren der Fakultät für Kultur- und Staatswissenschaften, namentlich Arcadius Gurland und Hellmuth Rößler wurden Überlegungen zur Sammlung historischer Unterlagen als Grundlage für zukünftige Veröffentlichungen zur TH-Geschichte konkretisiert. Mit finanzieller Unterstützung der Vereinigung der Freunde der TH Darmstadt konnte im Mai 1965 eine am Lehrstuhl für Zeitgeschichte des Professors Karl Otmar Freiherr von Aretin angesiedelte „Archivstelle“ mit einer Mitarbeiterin die Arbeit aufnehmen. Seit 1966 wurde sie aus Landesmitteln getragen.

Nach der Einführung der Präsidialverfassung an der TH Darmstadt zu Beginn der 1970er Jahre übernahm die Pressestelle innerhalb der neugeschaffenen Präsidialverwaltung das Hochschularchiv. Bemühungen des Hessischen Staatsarchivs, das TU-Archiv fachlich, organisatorisch und personell in den Rang eines öffentlichen Archivs zu heben, scheiterten wiederholt am mangelnden finanziellen Engagement der TH Darmstadt. Das Staatsarchiv blieb damit das zuständige Archiv und betrieb bis in die 1990er Jahre von Amts wegen den Aufbau eines hochschulbezogenen Archivbestandes. Mit der Fertigstellung des ehemaligen Landestheaters am Karolinenplatz als Haus der Geschichte verließ das Hochschularchiv 1993 das Verwaltungsgebäude der Hochschule und bezog gemeinsam mit weiteren Archiven den neuen Archivzweckbau. Nach der Integration in die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) 2006 erfolgte die Anerkennung als öffentliches Archiv seitens des Staatsarchivs und die endgültige Alleinzuständigkeit für das Archivgut der Technischen Universität.

 Bestände

Der Bestandsaufbau wurde lange von dem Paradigma der Zerstörung aller relevanten Unterlagen in der Darmstädter Brandnacht 1944 überlagert. So wurden in den 1960er Jahren zunächst Zufallsfunde aus der zentralen Hochschulverwaltung zusammengetragen und eine Pressedokumentation aufgebaut. Parallel hierzu übernahm das Staatsarchiv in den nächsten Jahrzehnten wertvolle Überlieferung aus den Fakultäten bzw. Fachbereichen und Hochschulinstituten. Ausgehend von den ersten, im Jahr 1836 begonnenen Matrikelbüchern umfassen die Bestände unterschiedlichste Unterlagen der Studierenden- und Prüfungsverwaltung, darunter eine nahezu vollständige Serie der Diplomvor- und Hauptprüfungsakten seit 1889. Weitere zentrale Bestände der Zeit vor 1944 entstammen der Kassen- und Personalverwaltung, während die Senats- und Rektoratsunterlagen bis auf geringste Splitter wohl vollständig verloren sind. Die Überlieferung der Institute zeigt ein äußerst uneinheitliches Bild. Neben der amtlichen Überlieferung besitzt das Universitätsarchiv wertvolle Nachlässe von Hochschullehrern, Studierenden und Mitarbeitern, darunter die Architektennachlässe von Karl Roth und Paul Meißner und der Nachlass des Segelfliegers Johannes Nehring. Der Nachlass des Chemikers August von Kekulé, der seit 1927 an der TH Darmstadt verwahrt wurde, gelangte dagegen nicht in das Universitätsarchiv und befindet sich nun im Deutschen Museum in München. Die Bestände des Universitätsarchivs sind über eine Datenbank erschlossen und können auf der Grundlage des hessischen Archivgesetzes benutzt werden. Ausgewählte Bild- und Aktenbestände sind bereits digitalisiert und können über die Seiten der Digitalen Sammlungen der ULB online genutzt werden.

Aktivitäten

Das Archiv wurde als Dokumentationsstelle begründet, um möglichst vielfältige Quellen, unabhängig von ihrer Archivwürdigkeit, für die Hochschulgeschichtsschreibung zusammenzutragen. Die personelle und institutionelle Anbindung an die Präsidialverwaltung ermöglichte eine intensive Nutzung dieser Ressourcen für die Öffentlichkeitsarbeit und Selbstreflektion der Hochschule. Mit der Ausstellung „150 Jahre Technische Bildung in Darmstadt“ und regelmäßigen Veranstaltungen beim Tag der offenen Tür im Haus der Geschichte gelang es dem Archiv seit den 1980er Jahren die Hochschulgeschichte zunehmend einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Die größte Aufmerksamkeit erzielte das Archiv durch die führende Mitwirkung der Archivleiterin Marianne Viefhaus (1930-2011) an der Erforschung der Biographie Karl Plagges, der 2005 in den Kreis der Gerechten der Völker aufgenommen wurde und auch an der TU Darmstadt mit einer Ehrentafel ausgezeichnet wurde. Das Universitätsarchiv fördert die Hochschulgeschichte mit eigenen Arbeiten, Ausstellungen und Veranstaltungen und berät Verwaltung, Fachbereiche und Institute bei historischen Fragestellungen. Seit der Übernahme des August Euler Flugplatzes (Flugplätze) durch die TU Darmstadt ist das Archiv eng mit der Darmstädter Luftfahrtgeschichte verbunden (s.a. Akaflieg, Luftfahrtindustrie, Segelflug).