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Viefhaus, Marianne
Foto: Universitätsarchiv TU Darmstadt

Theaterwissenschaftlerin,
Pressereferentin und Leiterin des Hochschularchivs TH Darmstadt
* 15.07.1930 Weimar
21.12.2011 Wuppertal
Marianne Viefhaus studierte in Tübingen, München und Köln. 1958 schloss sie ihr Studium mit der Promotion in Theaterwissenschaften ab. Mit ihrem Ehemann, dem Historiker Erwin Viefhaus (1928-1984), zog sie 1966 nach Darmstadt. Nach längerer Tätigkeit im Kommunikationsbereich in der Industrie und als freie Journalistin für Rundfunk und Fernsehen, übernahm Viefhaus am 1. November 1972 das Amt der Presse- und Informationsreferentin an der TH Darmstadt. Neben dem Aufbau eines Informations-und Dokumentationssystems war es ihre Aufgabe, über Entwicklung und Forschung an der TH, innerhalb und außerhalb, anhand von Pressemitteilungen und vor allem mit der Herausgabe hochschuleigener Veröffentlichungen zu informieren. Viefhaus redigierte die Hochschulzeitung THD-intern und diverse weitere Publikationen, wie die THD Schriftenreihe „Wissenschaft und Technik“ (WUT). Sie wirkte bei der Gestaltung von Ausstellungen mit, z. B. bei der großen Symmetrie-Ausstellung 1986 auf der Mathildenhöhe, die gemeinsam mit der Stadt Darmstadt veranstaltet wurde. Im gleichen Jahr organisierte sie mit dem Presseteam der TH u. a. die Ausstellung „150 Jahre Technische Bildung in Darmstadt“, aus der später eine 6-bändige Dokumentation zur Geschichte der Technischen Hochschule Darmstadt mit gleichem Titel hervorging.

Zusätzlich zur Pressearbeit leitete Viefhaus lange Jahre die Archivstelle der TH Darmstadt, die seit Einführung der Präsidialverwaltung 1971 Teil der Pressestelle war. Ihr großes Interesse lag in der Erforschung der Entwicklung der Technischen Hochschule. Dabei lagen ihr zwei Themen ganz besonders am Herzen: zum einen die Geschichte des Frauenstudiums an der TH, eine Untersuchung über die ersten Studentinnen ist in der Schriftenreihe WUT veröffentlicht. Zum anderen befasste sie sich mit den polnisch-russisch-jüdischen Studenten an der TH vor dem Ersten Weltkrieg und veröffentlichte Aufsätze zum politischen Klima und zu den ausländerfeindlichen und antisemitischen Strömungen innerhalb der Darmstädter Studentenschaft. Eine weitere Aufgabe von Viefhaus war die Beteiligung an der Zusammenarbeit mit der Universität Warschau. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Erwin Viefhaus, Beauftragter für die Zusammenarbeit beider Universitäten und Geschichtsprofessor an der TH Darmstadt, übertrug man ihr dieses Amt (administrative Mitarbeit, Austausch von Wissenschaftlern, Betreuung von Programmen, Studenten und Wissenschaftlern).

Marianne Viefhaus wurde 1995 pensioniert, arbeitete aber bis 2005 ehrenamtlich im Archiv weiter. Am 17. August 2001 wurde ihr die Erasmus-Kittler-Medaille verliehen in Würdigung ihres langjährigen großen Einsatzes für das Hochschularchiv und die Erforschung und Bewahrung der Geschichte der Technischen Universität Darmstadt weit über ihre Pensionierung hinaus. Den Höhepunkt ihres Arbeitslebens bildete zweifellos die Entdeckung des „Darmstädter Schindlers“ Karl Plagge. In seiner Funktion als Leiter des Heereskraftfahrzeugparks in Wilna im Zweiten Weltkrieg rettete dieser etwa 200 bis 250 Juden das Leben. Überlebende und Viefhaus bildeten ein internationales Netzwerk auf der Spurensuche nach dem ehemaligen TH-Studenten Karl Plagge, der 2005 auf Antrag der „Plaggegruppe“ als ‚Gerechter unter den Völkern‘ in der Gedenkstätte Yad Vashem geehrt wurde. Marianne Viefhaus starb im Alter von 81 Jahren.

Lit.: Göller, Andreas / Rebel, Irmgard: Trauer um frühere Archivleiterin, hoch³, Jg. 8, Nr. 1, S. 19.