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Stadtmuseum

Am 14.04.1904 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, in dem um 1780 erbauten Haus Schlossgraben Nr. 9, das der Stadt DA als Erbschaft zugefallen war, ein Stadtmuseum zu errichten. Die Gestaltung übernahm eine eigens eingerichtete Museumsdeputation. Am 24.11.1909 wurde das Museum eröffnet. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss waren Dokumente, Gemälde und Gegenstände zur Stadtgeschichte ausgestellt, im zweiten und dritten Obergeschoss war die Odenwaldsammlung zu sehen, die Friedrich Maurer zusammengetragen hatte, sowie die Sammlung von Gemälden und Zeichnungen des Darmstädter Malers Wilhelm Jungmann. Erster Leiter des Stadtmuseums war Baurat Wilhelm Jäger, von dem 1913 Stadtbibliothekar Karl Noack die Leitung übernahm. In einer 27-teiligen Aufsatzfolge in Darmstädter Tageszeitungen führte Noack die Darmstädter auf „Wanderungen durch das städtische Museum“. 1924 wurde Adolf Waas Leiter von Stadtmuseum und Stadtbibliothek. Er ordnete die Sammlungen neu und stimmte die Konzeption des Stadtmuseums insbesondere mit dem 1924 eröffneten Schlossmuseum ab. Da in dieser Zeit Stadtmuseum und Stadtarchiv noch nicht klar voneinander abgegrenzt waren, sammelte das Stadtmuseum auch Gegenstände, die heute als Archivgut angesehen werden (Bücher, Handwerkskundschaften, Urkunden, Grafiken usw.). Als der hessische Staat 1933 das Pädagog von schulischer Nutzung frei machte, zog das Stadtmuseum vom Schlossgraben in die besser geeigneten Räumlichkeiten des ältesten Darmstädter Schulgebäudes um, wo das neue „Heimatmuseum“ am 20.03.1935 eröffnet wurde. Das von Adolf Müller, Stadtarchivar und Nachfolger des entlassenen Waas, geleitete Haus unterschied sich von der Konzeption her deutlich vom alten Museum: Gemäß den Vorgaben der NS-Kulturpolitik räumte man der Darstellung bäuerlicher Kultur und alter Handwerkstradition mehr Raum im Vergleich zur Stadtgeschichte ein.

In der Brandnacht wurde das Stadtmuseum mit einem Teil seiner Bestände, vor allem der Odenwaldsammlung, zerstört. Die Teile der Sammlung, die in den Kellern des Stadthauses (Rathäuser) in der Rheinstraße und der Goetheschule sowie im Tresor der Filiale Eberstadt der Stadt- und Kreissparkasse den Krieg überstanden hatten, bildeten den Grundstock für einen Neuaufbau der Sammlung, der aber nur sehr zögerlich erfolgte. Alle Planungen für einen Neubau des Museums in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg scheiterten und die Museumsbestände wurden von einem Notquartier zum nächsten verlagert, wobei Schäden und Verluste auftraten. Die Pläne zur Nutzung des Weißen Turms und des Alten Rathauses scheiterten ebenso wie das Vorhaben, das Stadtmuseum im 1964 eingeweihten Justus-Liebig-Haus unterzubringen. Stattdessen bezog Museumsleiter Georg Wiesenthal eine Notunterkunft in einem Hintergebäude an der Heinrichstraße, Ecke Heidelberger Straße. Dennoch wurden am 23.11.1959 im HEAG-Saal an der Luisenstraße mit einem Festakt „Fünfzig Jahre Stadtmuseum 1909-1959“ gefeiert. Seit 1961 wurden von Seiten der Stadt DA gezielt Kunstgegenstände für das Stadtmuseum angekauft mit dem Ziel, sie als Dauerleihgabe dem im Wiederaufbau befindlichen Schlossmuseum zur Verfügung zu stellen. 1985 plante die Stadt einen Neubau für das Stadtmuseum auf einem Grundstück auf der Mathildenhöhe, zu dessen Planung eigens ein wissenschaftliches Symposion veranstaltet wurde. Seit 1996 ist mehrfach die Neueröffnung des Stadtmuseums im wieder aufgebauten Pädagog diskutiert worden, jedoch ohne greifbares Ergebnis. Zurzeit sind die Bestände in den Magazinen des Instituts Mathildenhöhe, im Schlossmuseum, im Stadtarchiv und im Keller des Justus-Liebig-Hauses untergebracht.

Lit.: Peter Engels: Stadtmuseum. In: Kunst in Hessen und am Mittelrhein, NF 5, 2010, S. 107-118.