Stadtlexikon Darmstadt

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Stadtarchiv
Dienstgebäudes des Stadtarchivs 1929-1944, Hügelstraße, Ecke Schützenstraße, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Wann sich im Rahmen der Entwicklung der Stadtverwaltung eine städtische Registratur zur Aufbewahrung von Altakten herausbildete, ist nicht bekannt, vermutlich jedoch im Zuge der Verwaltungsmodernisierung unter Landgraf Georg I. im späten 16. Jahrhundert. Im Jahr 1565 wurde erstmals eine Truhe zur Aufbewahrung städtischer Urkunden, Gerichtsbücher und des Stadtsiegels erwähnt. Aufgestellt war sie in der Stadtkirche als vermeintlich sicherem Aufbewahrungsort. 1609 brachte man die städtischen Urkunden und Amtsbücher in das Gewölbe des einige Jahre zuvor erbauten Alten Rathauses. 1688 ist erstmals vom Rathausarchiv die Rede, das einen eigenen Raum im Rathaus einnahm. 1705 wurde anlässlich einer Neuordnung durch den städtischen Syndicus erstmals die Bezeichnung „Stadtarchiv“ verwendet. Im 19. Jahrhundert lagerte die schriftliche Überlieferung der Stadt DA unbeachtet und jedem Zugriff offen auf dem Speicher des Rathauses, wobei erhebliche Aktenverluste aufgetreten sein müssen. Zwei Drittel der Ratsprotokolle des 18. Jahrhunderts sind beispielsweise verloren. Auch die 1538 einsetzenden Stadtrechnungen weisen Lücken auf.

Ab 1909, dem Jahr der Gründung des Stadtmuseums, wurden die städtischen Archivalien vor allem als Fundgrube betrachtet, um das Museum mit herausragenden Dokumenten auszustatten. Ein Stadtarchiv als eigenständige städtische Dienststelle wurde erst 1929 im Vorfeld des anstehenden 600. Stadtjubiläums im Jahr 1930 eingerichtet. Erster Stadtarchivar war Adolf Müller, der zum Jubiläum die erste wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Stadtgeschichte vorlegte. Sitz des Archivs war das Gebäude Hügelstraße 26. Müllers stadtgeschichtliche Beiträge bleiben trotz der allzu deutlichen Konzessionen an das ab 1933 herrschende Regime wertvoll, weil er vielfach später verlorene Quellen ausgewertet hat. Den Zweiten Weltkrieg überdauerten die Archivalien im Keller des ehemaligen Ludwigsbahnhofs (Bahnhöfe) recht gut, während das Archivgebäude 1944 zerstört wurde. Fast Totalverlust entstand allerdings bei den städtischen Akten der Jahre von etwa 1890-1944, die in den Stadthäusern verblieben und dort verbrannten, ebenso bei den stadthistorisch wertvollen Beständen des Hessischen Staatsarchivs.

Nach Kriegsende war das Stadtarchiv zunächst provisorisch im Dachgeschoss der Eleonorenschule untergebracht, bis es Ende 1949 dem Staatsarchiv zur Aufbewahrung übergeben wurde und mit diesem in das Schloss einzog. Seit 1994 befindet es sich, räumlich nach wie vor zusammen mit dem Staatsarchiv, aber rechtlich wieder eigenständig, im alten Landestheater und bildet einen Teil des Hauses der Geschichte.