Stadtlexikon Darmstadt

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Literaturhaus

In Zeiten, da andere Städte wegen der schwierigen Haushaltslage mit dem Abbau kultureller Einrichtungen beginnen mussten, hat die Stadt DA unter Förderung von OB Peter Benz im Jahr 1995 ein Literaturhaus installiert, das unter den vergleichbaren Häusern in Deutschland eine besondere Position einnimmt. Sind andere Literaturhäuser wie die in Hamburg und München vor allem durch große Stiftungen zustande gekommen, so ist das Darmstädter Literaturhaus ganz durch städtische Initiative realisiert worden. Der Hauptsponsor ist das Energieunternehmen Entega, weitere Darmstädter Firmen unterstützen das Haus ebenfalls. Die Stadt hatte bei der Gründung den Vorteil, mit dem John-F.-Kennedy-Haus ein Gebäude zur Verfügung zu haben, das einer neuen Nutzung offen stand. Heute sind u. a. mit Ausnahme der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und des Deutschen Literaturfonds alle in DA ansässigen literarischen Institutionen im Literaturhaus beheimatet, darunter die Goethe-, die Lichtenberg-, die Langgässer-Gesellschaft und die Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde, die Luise-Büchner-Bibliothek sowie das P.E.N.-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland. Zahlreiche andere kulturelle Vereine und Vereinigungen haben ihr Büro ebenfalls in diesem Haus.

Die seit der Gründung bis 2009 nebenamtlich aktiven Programmleitern Andreas Müller und Rainer Wieczorek gliederten das – unter Berücksichtung der Veranstaltungen anderer Institutionen – von ihnen zu verantwortende Programm in zwei Blöcke und stimmten es auf die Bedürfnisse der Darmstädter Literaturfreunde ab: im Herbst und Winter sowie nach der Weihnachtspause im Winter und Frühjahr fanden jeweils bis zu 15 Veranstaltungen statt. Wiederkehrende Programmschwerpunkte waren beispielsweise „Literatur unserer Nachbarn“, „Literatur und Jazz“, „Junge Literatur“, „Buch-Premiere“, „Neuerscheinung“ u. a. Immer wieder standen auch Sachbücher im Programm, wurden „Themen“, nicht zuletzt auch historische und gesellschaftspolitische, behandelt. Im Laufe der Jahre versammelte sich im häufig überfüllten Auditorium des Literaturhauses viel literarische Prominenz: Der Nobelpreisträger Imre Kertész hat schon im April 1996 für eine der eindrücklichsten Lesungen gesorgt. Cees Nooteboom war zu Gast, ebenso die Suhrkamp-Chefin Ulla Berkéwicz, die ihre Autorenqualitäten genauso unter Beweis stellte wie Hans Joachim Schädlich, Harry Rowohlt, Wilhelm Genazino, Günter Kunert, Robert Gernhardt, Urs Widmer, Raoul Schrott, Monika Maron, Peter Esterházy, Wolfgang Hilbig, Robert Menasse, Birgit Vanderbeke, Michael Krüger, Raphael Urweider und Klaus Voormann, – um nur einige zu nennen. Wichtige Abende widmeten sich dem Werk bedeutender Autoren wie Max Frisch, Uwe Johnson, Paul Celan, der Mann-Familie, Franz Kafka, Arno Schmidt und Thomas Bernhard.

Die seit 2010 amtierende Programmleiterin Adrienne Schneider organisiert das Hauptprogramm ebenfalls in zwei Blöcken im Frühjahr und im Herbst, mit etwa zehn meist thematisch gegliederten Lesungen. So lasen im Herbst 2012 unter dem Thema „FremdwOrte“ 12 Schriftsteller nicht-deutscher Muttersprache, im Frühjahr 2014 war „Freundschaft“ das Oberthema der 12 Lesungen. Kooperationen mit anderen Kulturträgern wie der Centralstation, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Kunsthalle bereichern das Programm, zu dem nach wie vor die im Literaturhaus ansässigen Institutionen beitragen, z. B. die Luise-Büchner-Gesellschaft, das Kunst Archiv Darmstadt, die Darmstädter Tage der Fotografie und die Darmstädter Textwerkstatt. Das Programm des Darmstädter Literaturhauses spiegelt im Rahmen seiner Möglichkeiten die ganze Vielfalt der Literatur und wird vom Publikum nach wie vor gut angenommen.