Stadtlexikon Darmstadt

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Freie Theaterszene

Zur Freien Theaterszene zählen in DA cirka 20 Gruppen (eine geringe Fluktuation berücksichtigt), die ihrem Publikum jährlich über 250 Aufführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene präsentieren. Einige der Gruppen sind außerdem mit Gastspielen in ganz Deutschland unterwegs. Der Begriff „Theater“ umfasst den gesamten darstellenden Bereich und schließt Pantomime, Performance, Bauchtanz, Tanz u. a. ein. Im Unterschied zu anderen Städten gibt es keine Berührungs- und Abgrenzungsprobleme zwischen ambitionierten Amateuren, semiprofessionell und professionell arbeitenden Gruppen. Gemeinsam ist den Gruppen weniger ein ästhetisches Konzept als die ökonomischen Zwänge. Als „frei“ werden Gruppen und Solistinnen/Solisten bezeichnet, die an keine Institution gebunden sind (wie z. B. die Schultheater der Justus-Liebig- und der Eleonorenschule, die ESOC-Theatergruppe, das Ensemble der Musischen Gruppe Auerbach oder die Hessische Spielgemeinschaft). Zur Freien Theaterszene zählen auch das „Kikeriki-Theater“ von Roland Hotz und das Boulevard- und Kindertheater „TAP“ von Dieter Rummel. „Frei“ hieß in den Anfängen – Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre – auch frei von öffentlichen Zuschüssen. War dies ursprünglich politisch motiviert und durchaus gewollt, um beispielsweise Aktionen gegen die geplante (und gescheiterte) Osttangente theatral zu begleiten, änderte sich die Haltung in den 1980er Jahren. Der künstlerische Anspruch bei Gruppen wie „Sekt oder Selters“ oder „Theater im Hof“ wuchs und Ann Dargies und Gisela Eitel vom „Theater Transit“ wirkten vernetzend im Frauentheaterbereich.

Ende der 1980er/ Anfang der 1990er Jahre entwickelte sich das soziokulturelle Zentrum Bessunger Knabenschule zum zentralen Ort der Freien Theaterszene Nach dem vom Kabarett Kabbaratz organisierten Austauschprojekt mit der Partnerstadt Graz präsentierte die Freie Theaterszene 1992 unter dem Motto „Lebendig, lustig, bunt und billig“ eine Werkschau und Leistungsbilanz, um so ihre Relevanz in der Darmstädter Kulturlandschaft zu dokumentieren. Mitte der 1990er Jahre gründete der Pantomime Klaus Lavies das „HoffART-Theater“ in der Lauteschlägerstraße; seitdem ist dies eine der Spielstätten der Freien Theaterszene mit dem Schwerpunkt Kindertheater, aber auch Gastspielen. 1998 wurde auf Initiative des Kabaretts Kabbaratz der Verein „Freie Szene Darmstadt“ gegründet, dem die meisten der freien Theatergruppen angehören. Seither nutzt der Verein die städtischen Anteile am Logengebäude der Freimaurer und betreibt das Theater Moller Haus. Das Moller-Haus direkt gegenüber dem Staatstheater ist der Hauptspielplatz der Darmstädter Freien Theaterszene schlechthin. Ein Schwerpunkt des Programmangebots ist das Kinder- und Jugendtheater, z. B. der Gruppe „Theaterlabor“ um Max Augenfeld und Nadja Soukop. Zwischen publikumswirksamen Stücken, z. B. des „Theater Profisorium“ und Nischenangeboten vermittelt der Verein ein anschauliches Bild der Vielfalt freien Theaters. Die „Neue Bühne“, gegründet 1990, fand 2003 nach Zelt, Gewächshaus der Orangerie und altem Hallenbad eine eigene Spielstätte in der Frankfurter Straße in Arheilgen. Um Rainer Poser und Renate Renken als Kern präsentiert die professionelle Gruppe sinnliche Theatererlebnisse, die sich nicht auf die Aufführungen beschränken, sondern mit Betreten des Zuschauerraums beginnen. Das Projekt „Jugend & Theater“ um Mathias Edeling ist eine Darmstädter Gruppe, die seit 1992 erfolgreich Musicals auf die Bühne bringt, allerdings nicht in DA, sondern in der Griesheimer Wagenhalle. Aus der Freien Theaterszene heraus entstanden in den 1990er Jahren auch die Festivals „Just for fun“ von Rainer Bauer und Evelyn Wendlers „SommerNachtsSpitzen.“ 2012 gründeten Marijke und Peter Jährling von der „Compagnie Schattenvögel“ in der Landwehrstraße das West-Side-Theatre mit dem Schwerpunkt, US-amerikanische Autoren zu präsentieren, es werden aber auch Gastspiele angeboten.

In Zeiten, da sowohl die Kommunen als auch die privaten Haushalte sparen müssen, steht die Freie Theaterszene mehr als die etablierten Kulturanbieter unter Legitimationszwang. Themen der Zeit zu besetzen und adäquat ästhetisch zu verarbeiten, ist die Herausforderung, der sich die Freie Theaterszene stellt.