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Darmstädter Künstlergemeinschaft

Seit 1936 bestehende Einheitsorganisation von Künstlern in DA, mit der auf lokaler Ebene und innerhalb der Künstlerschaft die nationalsozialistische Gemeinschaftsideologie verwirklicht werden sollte. Die von der örtlichen Parteiführung und OB Otto Christian Wamboldt initiierte Gründung beabsichtigte eine Vereinnahmung und Auflösung aller älteren Darmstädter Künstlergruppen, die auch nach 1933 an ihren überlieferten Strukturen festgehalten hatten, obwohl sie im neu formierten Kunstleben des Nationalsozialismus eigentlich keine Rolle mehr spielten. Im Januar 1936 schlossen sich Vorstände und Mitglieder dieser Künstlergruppen zur so genannten „Darmstädter Künstlergesellschaft“ zusammen, die zunächst nur bildende Künstler und Architekten umfasste. Zu ihrem Leiter bestellte man den Maler, Zeichenlehrer und NSDAP-Ratsherrn Robert Eckert. Im zugehörigen künstlerischen Beirat saßen die Maler Adolf Beyer, Marcel W. Richter, Lothar Toller und Heinrich Zernin, der Bildhauer Hermann Geibel sowie die Architekten Jakob Krug, Erich Mindner und Karl Schembs. Juwelier und Goldschmied Julius Bümler richtete im Juli 1937 in seinem Haus Rheinstraße 33 einen ständigen Ausstellungs- und Verkaufsraum für die Mitglieder der Künstlergesellschaft ein.

Auf Anregung des Landesleiters der Reichskammer der bildenden Künste, Professor Karl Lieser, wurde die Künstlergesellschaft 1938 auch um Künstler anderer Sparten erweitert. Erst diese neue Vereinigung nannte sich „Darmstädter Künstlergemeinschaft“. Zu ihrem Vorsitzenden erkor man den Architekten Marck Müller, den 1941 der Bildhauer Fritz Schwarzbeck ablöste. Wie Müller auf der Gründungsversammlung der Darmstädter Künstlergemeinschaft am 24.10.1938 erläuterte, konnten ihr nur zugelassene Mitglieder der Reichskulturkammer beitreten, die im Sinne des Nationalsozialismus Gewähr für politische und weltanschauliche Zuverlässigkeit boten und die rassepolitischen Grundsätze der NSDAP erfüllten. In finanzieller Hinsicht wurde die neue Darmstädter Künstlergemeinschaft vom Reichsstatthalter, dem Land Hessen und der Stadt DA getragen. Als „Kameradschaftsheim“ und Ausstellungsgebäude durfte die Darmstädter Künstlergemeinschaft im Dezember 1938 das Ernst-Ludwig-Haus (MKKD) beziehen. Die Freie Vereinigung Darmstädter Künstler, die bei der Konstituierung der beiden genannten Künstlerverbände zunächst noch unberücksichtigt geblieben war, schloss sich der Darmstädter Künstlergemeinschaft im Juni 1940 an. Unter den regelmäßig auf den Ausstellungen der Darmstädter Künstlergemeinschaft vertretenen Künstlern ragen einige heraus, die bereits in den 1920er Jahren als örtliche Künstlergrößen angesehen waren, darunter die Maler Ferdinand Barth, Georg Breitwieser, Karl Deppert, Carl Gunschmann, Julius Kaufmann, Alexander Posch und Marcel W. Richter.