Stadtlexikon Darmstadt

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Weststadt
Darmstadts Weststadt erstreckt sich über etwa 8 qkm, ein Fünftel der bebauten Fläche des Stadtgebietes, Grafik: Amt für Wirtschaftsförderung

Entlang der neu gebauten Eisenbahnlinien (Eisenbahn) entstanden im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Industrie- und Gewerbegebiete – die heutige Weststadt. Im Laufe der Zeit weitete sie sich auf über 8 qkm aus und erstreckt sich heute von der Eschollbrücker Straße im Süden entlang der Hindenburg-, Kasino- und Frankfurter Straße. Im Norden reicht die Weststadt bis zur Firma Merck, im Westen wird sie vom Westwald begrenzt. Im Zentrum der Weststadt liegt die Verkehrsdrehscheibe Hauptbahnhof. In den 1980er Jahren gab die Firma Bosch ihre Produktion auf (Bosch-Gelände) und leitete damit einen Stadtumbau ein, der neues planerisches Handeln notwendig machte. Der allgemeine Trend der Wirtschaft zeigt sich auch in der Weststadt: Produktionsstandorte werden aufgegeben und geschlossen, statt flächenintensiven Produktionsstätten werden attraktive Büroräume für den Dienstleistungsbereich nachgefragt. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung entstand 1994 die Idee, die Weststadt nach einem ganzheitlichen Ansatz zu einem urbanen Stadtviertel zu entwickeln. Im Rahmen des Darmstädter Gesprächs „Die prozessuale Stadt“ entstanden 1995 erste Szenarien. Dieses Gespräch bezog sich entsprechend dem Motto „Globales Denken – lokales Handeln“ konkret auf die Weststadt. Gesucht wurden beispielhafte Konzepte für die Stadt von morgen. In einem theoretischen Teil wurden „Positionen der Neubestimmung des Städtischen“ formuliert, konkret wurden „Szenarien zur Modernisierung der Weststadt“ vorgestellt. Vier renommierte Stadtplaner hatten Konzepte zur Weststadt erarbeitet. Jacques Blumer vom „Atelier 5“ aus Bern stellte sein Szenario unter die Begriffe Maschenweiten und Versatzstücke, Kees Christiaanse aus Rotterdam nannte es Laisser-faire, Idealstadt und Quartier, Massimiliano Fuksas entwickelte die evolutive Stadt und Daniel Libeskind bezeichnete sein Szenario als Prozess kreativer Transformation. Die Ergebnisse aus dem Darmstädter Gespräch wurden 1999 in einem Strategieworkshop vertieft. Heute ist die Weststadt einer der größten Wirtschafts- und Arbeitsplatzschwerpunkte im Rhein-Main-Neckar-Raum. Weltweit bekannte Unternehmen wie Röhm (Evonik), Goebel, Schenck, ESA/ESOC, Eumetsat oder Telekom (FTZ) haben hier ihren Sitz. Die sehr guten Verbindungen zum Flughafen Rhein-Main, der zweifache Autobahnanschluss, die Anbindung an europäische Bahnfern- und ICE-Verbindungen sind wichtige Standortvorteile, mit denen die Weststadt in den Wettbewerb tritt.

Lit.: Die prozessuale Stadt, 12. Darmstädter Gespräch, Ergebnisse und Folgen. Hrsg. im Auftrag des Magistrats der Stadt Darmstadt, Kulturdezernat, Darmstadt 1999.