Die europäische Satellitenmeteorologie begann Ende der 1960er Jahre durch die Bemühungen nationaler Wetterdienste und der Europäischen Weltraumforschungsorganisation (ESRO). Diese Arbeit führte 1975 zur Gründung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und 1977 zum Start von Meteosat-1, wodurch der Nutzen von Satelliten für die Wettervorhersage nachgewiesen wurde. Um langfristige operationelle Dienste sicherzustellen, wurde die Europäische Organisation für meteorologische Satelliten (EUMETSAT) am 19. Juni 1986 als zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Darmstadt gegründet. Mit einem kleinen Team nahm die Organisation ihre Arbeit in einem angemieteten Haus Am Elfengrund in Eberstadt auf. Eine erste große Eumetsat-Konferenz fand kurz darauf in der Bessunger Orangerie statt. Im Juni 1995 konnte ein Neubau am Kavalleriesand in Betrieb genommen werden.
Neue Aufgaben und der damit verbundene Anstieg der Mitarbeiterzahl führten 2005, 2011 und 2015 zur Eröffnung von Erweiterungsbauten. Heute arbeiten rund 1.000 Menschen bei Eumetsat. Geleitet wird die Organisation, die entscheidende Daten für Wettervorhersagen, Ozeanbeobachtung, Luftqualität und Klimaforschung bereitstellt, vom „Council“, dem Vertreter der nationalen Wetterdienste der 25 europäischen Mitgliedsstaaten angehören. Weitere sechs Staaten haben Kooperationsvereinbarungen getroffen. Eumetsat entwickelt, betreibt und unterhält Satelliten für die Mitgliedsstaaten und überträgt Wetterdaten in alle Welt. Daneben liefert sie Beiträge zur Klimaüberwachung und Untersuchungen von Klimaänderungen. Die Datenermittlung basiert vornehmlich auf den Satelliten des Meteosat-Systems, die als geostationäre Satelliten in ungefähr 36.000 km Höhe rund um den Äquator positioniert sind.
Seit Juni 2008 hat Eumetsat auch die Kontrolle über den Satelliten „Jason 2“ zur Überwachung der Meeresoberfläche. Eumetsat übernimmt die Übertragung der Bilddaten, die Erfassung von Umweltdaten und deren Übertragung, die meteorologische Auswertung der Bilddaten und ihre Archivierung. Aus den Satellitenbildern kann man z. B. Windgeschwindigkeiten, Wasseroberflächentemperaturen, die Höhe der Wolkenobergrenzen und die Feuchte der oberen Atmosphäre ermitteln. Diese Daten sind für eine zuverlässige Wettervorhersage und eine frühzeitige Warnung vor Unwettern und Orkanen unerlässlich.
Mit den Satelliten Meteosat der zweiten Generation (MSG) hat EUMETSAT seit 2004 bis 2012 die damals weltweit modernsten und leistungsstärksten Beobachtungsgeräte ins All geschickt. Darüber hinaus entwickelte Eumetsat ein neues polares Satellitensystem, dessen polarumlaufende Satelliten die Erde vierzehnmal täglich in etwa 850 km Höhe umkreisen. Die beiden ersten Satelliten dieses neuen Systems starteten im Oktober 2006 und im Mai 2012. Die polarumlaufenden Satelliten liefern zweimal pro Tag Bilder und andere Daten von der gesamten Erdoberfläche.
Seit Ende 2022 wurden insgesamt drei Satelliten der Nachfolgetechnologien MTG (Meteosat Third Generation) und Metop-SG ins All geschickt. Damit tritt EUMETSAT, die im Jahr 2026 ihr 40-jähriges Bestehen feiern kann, in eine neue Ära der fortschrittlichen Erdbeobachtung ein und liefert beispiellose Einblicke in die Atmosphäre.
Lit.: Wissenschaftsstadt Darmstadt. Wissenschaft in Darmstadt, hrsg. von der TU Darmstadt, 3. Aufl., Darmstadt 2001, S. 26f.