Stadtlexikon Darmstadt

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Originale, Darmstädter
Friedrich Ganß, genannt „Ofenrohr“, Zeichnung von Hermann Müller, Stadtarchiv Darmstadt

Originale waren lokale Berühmtheiten, die durch ihr besonderes Aussehen, außergewöhnliche Fähigkeiten oder auch merkwürdige Verhaltensweisen die Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen auf sich lenkten. Sie waren allgemein bekannt, trugen zur Erheiterung der Bevölkerung bei und wurden gewissermaßen zu einer Art Wahrzeichen der Stadt. Der Volksmund verlieh ihnen meist einen ironischen Spitznamen, der nach Darmstädter Tradition in abgewandelter Form an die Nachkommen weitergegeben werden konnte. So wurde Wilhelm Ganß, der Sohn des als „Ofenrohr“ bekannten Hofschlossermeisters und Abbruchunternehmers Friedrich Ganß (1843-1920), folgerichtig von den Darmstädtern mit dem Beinamen „Kniestück“ bedacht. Die Volkstümlichkeit der Originale spiegelt sich in den zahlreichen Anspielungen und Erwähnungen in den Darmstädter Lokalpossen wider. So gelten der Erste Komiker des Darmstädter Hoftheaters Wilhelm Hanstein (1784-1826) und der wegen seiner Trunksucht zittrige („tatteriche“) Friedrich Hauser (1812-1866) als die Urbilder des „Datterich“, und im „Tollen Hund“ setzte Ernst Elias Niebergall dem Juden Benedikt (1768-1842) ein kleines Denkmal. Weitere Originale wurden auch in Hermann Müllers „Darmstädter Skizzenbuch“ festgehalten.

Privatschullehrer Kirchhöfer; anonyme Zeichnung, Stadtarchiv Darmstadt

Als das älteste schriftlich dokumentierte Darmstädter Original gilt der 1701 geborene Christian Ludwig Freiherr von Löwenstern, der bei der Bevölkerung im Verdacht stand, sich nach Belieben verdoppeln oder unsichtbar machen zu können. Weitere Originale waren u. a. der kleinwüchsige Elementarlehrer Johann Andreas Kirchhöfer (1778-1832), der Herrngarten-Aufseher Heppenheimer, gen. „Heppes“ (1822-1891), der gefürchtete Woogswärter Adam Heyl (1852-1931), der Maler Caspar Berth, der „Eckesteher“ Johann Peter Küchler und der als Alchemist tätige Carl Wunderlich. Originale neuerer Zeit waren Georg Peter Muntermann, Ludwig Aßmus, und Georg Hahn.

Lit.: Schlapp, Karl-Eugen (Hrsg.): Das große Buch vom Darmstädter Humor Bd. 1, Darmstadt 1978, S. 84-181; Esselborn, Karl: Darmstädter Originale, Darmstadt 1937.