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Kriegerdenkmäler
Landeskriegerdenkmal, vor dem Landesmuseum, 1944 beschädigt, 1952 abgerissen, Aufnahme um 1936, Foto: Ernst Luckow, Stadtarchiv Darmstadt

Im Stadtgebiet, auf Friedhöfen oder bei Kirchen situierte Denkmäler, die an die Gefallenen der deutschen Kriege erinnern. Ihre Initiatoren waren meist Veteranenvereine, aber auch Stadtgemeinden, Unterrichtsanstalten und Siedlergemeinschaften haben Kriegerdenkmäler errichtet. In der Regel besitzen sie eine künstlerische Ausgestaltung, die dem Tod der inschriftlich benannten Individuen einen übergeordneten Sinn verleihen möchte, seltener sind schlichte Denkmäler, die lediglich zum Totengedenken einladen. Das Kriegerdenkmal taucht als neuer Denkmalstypus erstmals nach den Freiheitskriegen auf. Verantwortlich für seine Einbürgerung waren die nach 1815 gegründeten Veteranenvereine, die mit der Stiftung und Aufstellung von Kriegerdenkmälern zugleich ein Muster vorgaben, das fortan bei der nachträglichen Bewältigung nahezu aller Kriege eine Rolle spielen sollte. In DA war es der Prinz-Emil-Veteranenverein, der die Reihe der Kriegerdenkmäler mit dem 1852 eingeweihten und von Johann Baptist Scholl d. J. gestalteten Veteranendenkmal auf dem Marienplatz gegenüber der Kavallerie-Kaserne eröffnete. Das 1902 in den Herrngarten versetzte Denkmal ist in DA auch unter der 1927 geprägten Bezeichnung „Riwwelmatthes“ geläufig, deren genaue Herkunft nach wie vor der Aufklärung bedarf. Aus dem preußisch-süddeutschen Krieg von 1866, in dem Hessen-Darmstadt auf der Verliererseite gestanden hatte, sind keine Kriegerdenkmäler in DA hervorgegangen, obwohl auf den Schlachtfeldern bei Aschaffenburg und Hanau zahlreiche Hessen fielen. Nach dem siegreichen Frankreichfeldzug von 1870/71 und der damit einhergehenden, auch in Hessen begrüßten Reichseinigung, stellte sich die Situation ganz anders dar: In DA errichtete man ein zentrales Landeskriegerdenkmal und die Gemeinden DA, Bessungen und Arheilgen stellten Kriegerdenkmäler innerhalb ihrer Gemeindefriedhöfe auf, mit denen sie zugleich die vom Landesdenkmal vernachlässigte Erinnerung an die Einzelschicksale gefallener Soldaten leisteten. Das 1879 eingeweihte Landesdenkmal des Bildhauers August Herzig (1846-1919) vor dem ehemaligen Exerzierhaus (später vor dem Hessischen Landesmuseum) verband die Totenehrung mit einer Feier der Reichseinigung, indem es auf seinen Schmuckreliefs die Erfolge des hessischen Militärs in die Genese des Wilhelminischen Reichs einordnete. Das Denkmal wurde 1945 beschädigt und 1952 abgerissen, die Reliefs sind teilweise im Landesmuseum erhalten. Das vom Landeskriegerdenkmal angeschlagene nationale Credo wurde auch von dem erst 1899 ausgeführten Eberstädter Kriegerdenkmal aufgegriffen, auf dessen Sockel eine gerüstete Germania an das seit 1870/71 populäre Lied von der „Wacht am Rhein“ erinnerte. Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gab es mehrere Anläufe für die Errichtung eines zentralen Landeskriegerdenkmals in DA, darunter das um 1925 von Heinrich Jobst ausgearbeitete Projekt für eine Anlage auf dem Marienplatz. Diese Vorschläge gingen allerdings ins Leere, da sie mit der Traditionspflege der in DA stationierten Regimenter kollidierten, deren Veteranenverbände auf nach Waffengattungen getrennten Kriegerdenkmälern bestanden. Die zugehörigen Denkmalsweihen gerieten regelmäßig zu unterschwellig politischen Demonstrationen gegen die Weimarer Republik, auf denen sich das Militär als legitimer Bewahrer deutscher Werte präsentierte. Die Denkmäler der einzelnen Waffengattungen verteilen sich wie folgt über die Stadt: Artillerie: Prinz-Emil-Garten, 1927, von Robert Cauer; Infanterie (Leibgarderegiment 115): Schlossmauer, 1928, von Heinrich Jobst; Kavallerie (Dragoner-Regimenter 23 und 24): Landgraf-Philipps-Anlage, 1927, von Georg Blass; Train: Prinz-Emil-Garten, ehem. Orangerie, 1929, von Ali Bonte-Lichtenstein. Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hatten ehemalige französische Kriegsgefangene bei dem französischen Bildhauer J. G. Le Gall ein Denkmal für ihre in DA gestorbenen Kameraden in Auftrag gegeben (Waldfriedhof). Die TH Darmstadt ehrte ihre Gefallenen mit einer Stele im Hochschulstadion und die Liebig-Schule würdigte ihre Toten mit einem Gedenkrelief von Robert Cauer im Gebäudeinneren. Mit Friedhofsdenkmälern gedachte man der Gefallenen in Arheilgen und Eberstadt sowie bei der Jüdischen Gemeinde DA (Jüdischer Friedhof). Nach dieser Hochkonjunktur während der 1920er und 1930er Jahre brach die Tradition der Kriegerdenkmäler nach dem Zweiten Weltkrieg abrupt ab. Ein Denkmalstypus mit einer implizit immer vorhandenen Heroisierung der militärischen Tugenden passte nicht mehr in eine Zeit, die das Militärische nicht mehr losgelöst bewerten konnte von den Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. An die Stelle der obsolet gewordenen Kriegerdenkmäler traten nun Gedenkstätten und Mahnmale für die zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus (z. B. Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs und der Gewaltherrschaft, Kapellplatz 1954, erweitert 1995). Für das öffentliche Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten wählte man nun unauffälligere Formen: So erweiterte man Denkmäler zum Ersten Weltkrieg um entsprechende Inschriften oder richtete auf Friedhöfen Ehrengräber nach den Vorbildern der Kriegsgräberfürsorge ein.

Lit.: Kunst im öffentlichen Raum; Behrenbeck, Sabine: Denkmal. In: Enzyklopädie Erster Weltkrieg, hrsg. von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz in Verbindung mit Markus Pöhlmann, 2. Aufl., Paderborn, München, Wien, Zürich 2004, S. 430-433; Knieß, Friedrich Wilhelm: Schwertklirrende Wacht am Rhein. Restaurierung fördert zutage: Die „Germania“ erinnerte ursprünglich an einen patriotischen Dichter. In: Darmstädter Echo, 06.05.2004, S. 10.

Entwurf von Heinrich Jobst für ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs auf dem Waldfriedhof, 1926, Foto: Stadtarchiv Darmstadt