Stadtlexikon Darmstadt

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Technische Universität Darmstadt, Standort Lichtwiese
Gebäude der Organischen Chemie auf der Lichtwiese (1969-1974), kurz nach der Fertigstellung, Foto: Renate Gruber, Darmstadt

Auf dem Erweiterungsgelände Lichtwiese, ungefähr 2 km vom innerstädtischen Hochschulbereich entfernt, begann in den 1960er Jahren nach langen Diskussionen um einen weiteren Standort die zweite Ausbauphase der Technischen Hochschule Darmstadt. Ein Geländetausch mit der Stadt ermöglichte die Bebauung der Lichtwiese für Hochschulzwecke. In unmittelbarer Stadtnähe gelegen, wird das Gelände im Nordosten durch den Lauf des Darmbachs begrenzt und im Süden und Südwesten von Waldrändern eingefasst. Die in den 1960er Jahren herrschende Planungseuphorie ging davon aus, das Gelände innerhalb kürzester Zeit mit Institutsgebäuden und der dazu notwendigen Infrastruktur vollständig zu bebauen. Die zu dieser Zeit von Bund und Ländern durch den starken Studentenboom veranlasste gemeinsame Hochschulbauförderung unterstützte diese Ziele. Es hatte sich gezeigt, dass die ständige Weiterentwicklung der Wissenschaften nicht nur zusätzlichen Platz benötigte, sondern Flexibilität innerhalb der Gebäude erforderlich machte. Nach dem eigens dafür entwickelten „Darmstädter Bausystem“, und bei einigen Gebäuden auch nach individueller Planung, wurden nach 1967 die ersten Bauten errichtet: das Architekturgebäude (1967-1969), das Gebäude für das Bauingenieurwesen (1968-1970) und das Chemie-Quartier mit der Physikalischen Chemie (1970-1973), der Organischen Chemie (1969-1974) und einem Hörsaalgebäude (fertiggestellt 1976) sowie der Maschinenbau (1970-1974) mit Versuchshallen (1974-1976). Mit dem Bau der Mensa (1975-1978) war die erste Bauphase abgeschlossen.

Finanzielle Engpässe nach dem ersten Sofortprogramm und die Sorge, der Lichtwiese ihren landschaftsähnlichen Charakter zu nehmen, führten dazu, zunächst nur etwa ein Viertel des geplanten Bauvolumens zu verwirklichen. Bis Ende der 1980er Jahre fehlte das Geld für weitere Bauten. Dann wurde die Bautätigkeit wieder aufgenommen. Allerdings ergänzten in den 1990er Jahren nur wenige Neubauten das Areal auf der Lichtwiese. Es entstanden bis 1996 die Anorganische Chemie mit dem Entsorgungszentrum (1991-1994) und das Institutsgebäude für die Materialwissenschaft (1994-1996). Ein weiteres Gebäude für die Bauingenieure wurde 2004 bezogen und ist Ersatz für die abgerissenen Hochschulgebäude (Institut für Massivbau, Institut für Statik und Stahlbau) an der Alexanderstraße in der Stadtmitte, wo seit 2007 das von dem Architekten Talik Chalabi entworfene Wissenschafts- und Kongresszentrum „Darmstadtium“ (Kongressgebäude) steht.

Bei der Landschaftsplanung konnte in Zusammenarbeit mit der Stadt zwischen der bereits bestehenden Wohnbebauung und dem neuen Hochschulbereich ein Waldstreifen angelegt werden, der die Lichtwiese als Naherholungsgebiet für die Darmstädter Bevölkerung aufwertete. Erst 1991 wurde die letzte Fläche neu gestaltet, das Geländedreieck zwischen Nieder-Ramstädter Straße, Hochschulstadion und der Georg-Büchner-Schule (Meisterbauten). Die Grünanlage schließt unmittelbar an die landschaftsgärtnerische Gestaltung der Lichtwiese an.

Seit Einführung der Bauautonomie 2005 managt die TU Darmstadt ihr Baubudget, ihre Grundstücke und ihre Bauprojekte selbst. Nicht nur ein über die Jahre gewachsener Sanierungsstau machte längst überfällige Maßnahmen notwendig, auch die drastisch ansteigenden Studierendenzahlen (von 2005 rund 15.000 bis 2015 rund 26.000 Studierende) und der damit einhergehende Bedarf zusätzlicher Hörsäle, Lernzentren und Lernräume verpflichteten zum Handeln. Bis 2015 konnte der über die Jahre entstandene Sanierungsstau an allen Standorten erheblich reduziert werden. Auf dem Campus Lichtwiese wurden umfangreiche Sanierungen bzw. Grundsanierungen der Gebäude aus der ersten Bauphase (Maschinenbau, Chemie Institutsgebäude, Mensa Lichtwiese, Altbau Bauingenieurwesen) vorgenommen. Viele Neubauten ergänzen das Areal: z. B. die Versuchshalle und Prozesslernfabrik Maschinenbau, Maschinenhalle 6 (2006); Maschinenbau Institutsgebäude, Foyer und Hörsaal (2008-2009); Verfügungsgebäude für Forschungsprojekte (2008 und 2010-2011); Versuchshalle zur CO2-Abscheidung (2009-2010); ETA-Fabrik (2014-2015); Center of Smart Interfaces, Büro und Laborgebäude (2010-2012); M3 – Laborgebäude Magnete, Moleküle, Materialien (2012-2014); Kinderhaus Lichtwiese (2009-2011); Gebäude für den Hochleistungsrechner (2011-2013); Parkhaus (2013-2014). Als „Neue Mitte“ und zentraler Identifikationsort prägt heute das 2013 in Betrieb genommene Hörsaal- und Medienzentrum (2011-2013) als zweiter Bibliotheksstandort die Lichtwiese. Am westlichen Eingang zum Campus Lichtwiese ist ein neuer Gebäudekomplex für temporäres und studentisches Wohnen entstanden. Es besteht aus dem Otto-Wolfskehl-Haus (Gästehaus) der TU Darmstadt und einem Studierendenwohnheim (2012-2013).

Die notwendigen umfangreichen Mittel zur Realisierung der Sanierungsmaßnahmen und für Neubauprojekte zwischen 2005 und 2015 stammen zu einem Großteil aus dem HEUREKA-Programm des Landes Hessen. Weiterer Finanzbedarf wurde aus anderen Programmen für Baumaßnahmen wie z. B. das Konjunkturpaket II, das Sonderinvestitionsprogramm des Landes Hessen, das Forschungsbauprogramm des Bundes oder aus dem Hochschulpakt 2020 abgedeckt. Außerdem hat die TU Darmstadt eigene Mittel in beträchtlichem Umfang investiert.

Lit.: Köhler, Christoph: Die Technische Hochschule Darmstadt – eine fortdauernde Bauaufgabe. In: Darmstädter Hochschulnachrichten, Jahrgang 4, Heft 1, 1966, S. 8-18; Süberkrüb, Peter: Hundert Jahre: „Technische Hochschule Darmstadt“ 1977. Hochschulbauten in Darmstadt. Bericht über die bauliche Entwicklung, Darmstadt 1977; Technische Bildung in Darmstadt. Die Entwicklung der Technischen Hochschule 1836-1986, Band 6, Übersicht und Chronik, TU Darmstadt (Hrsg.), Darmstadt 2000, S. 84-89; Denkmalschutz in Darmstadt, Heft 11, Die Technische Universität Darmstadt. Eine Baugeschichte, Wissenschaftsstadt Darmstadt, Kulturamt – Denkmalschutz in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt, Darmstadt 2007, S. 68-84; Neue Mitte(n). Die Bibliotheksbauten der Technischen Universität Darmstadt, ULB und TU Darmstadt (Hrsg.), Darmstadt 2014; Zehn Jahre Bauautonomie Technische Universität Darmstadt, Technische Universität Darmstadt (Hrsg.), Darmstadt 2015.