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Darmstädter Bausystem

Für den Standort Lichtwiese, auf dem Ende der 1960er Jahre in kurzer Zeit zahlreiche Bauten für die Technische Hochschule DA (TU Darmstadt) errichtet werden sollten, entwickelte das Staatliche Hochbauamt DA im Rahmen der Generalplanung ein Fertigteil-Bausystem, das „Darmstädter Bausystem“. An das Darmstädter Bausystem wurden die folgenden Anforderungen gestellt: Vorfertigung für den Roh- und Ausbau, Flexibilität und Erweiterungsmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit durch industrielle Serienfertigung und verkürzte Bauzeiten sowie Variabilität in der Gestaltung. Diese Prämissen waren maßgebend für die Entwicklung des Darmstädter Bausystems, mit dem unterschiedliche Gebäudetypen realisiert werden sollten: Hochinstallierte technische Bauten mit Fluchtbalkonen wie z. B. die Gebäude für die Chemie oder das Bauingenieurwesen; mauerbetonte Institutsbauten wie z. B. die Gebäude für die Architektur oder den Maschinenbau; Hallenbauten für Großversuche wie im Maschinenbau oder im Bauingenieurwesen. Das System baut in seinem Rohbauraster auf einem Maß von 1,25 m bzw. 1,875 m auf (später umgestellt auf Europa-Maß mit 1,20 m bzw. 2,40 m); der Hallentyp mit einer Spannweite von 22,80 m ergibt sich aus dem vorgegebenen Rastermaß. Der Rohbau wird als Stahlbetonskelett ausgeführt und beschränkt sich im Prinzip auf vier Teile: Kassette, Unterzug, Stütze und Fassaden- bzw. Balkonelement. Die notwendige Windversteifung ist durch Ortbeton-Treppenhäuser und Aufzugsschächte gegeben. Da die Wände nicht tragend sind, besteht ein hohes Maß an individueller Gestaltungsmöglichkeit bei der Aufteilung der Räume. In Abstimmung mit dem Rohbaukonzept wurde der Innenausbau mit Installationen und Laboreinrichtungen so systematisiert, dass unmittelbar nach der Fertigstellung der einzelnen Geschosse die vorgefertigten Installationen montiert werden konnten. Es bestand die Möglichkeit, bedarfsgerecht aus einem Katalog eine Laboreinrichtung und die dazu notwendigen Installationen zusammenzustellen. Mit diesem Bausystem und bei einigen Gebäuden auch nach individueller Planung wurde nach 1967 mit den ersten Bauten auf der Lichtwiese (Architektur, Bauingenieurwesen, Chemie) begonnen.

Lit.: Köhler, Christoph: Die Technische Hochschule Darmstadt – eine fortdauernde Bauaufgabe. In: Darmstädter Hochschulnachrichten, Jahrgang 4, Heft 1, 1966, S. 8-18; Süberkrüb, Peter: Hundert Jahre: „Technische Hochschule Darmstadt“ 1977. Hochschulbauten in Darmstadt. Bericht über die bauliche Entwicklung, Darmstadt 1977.